Sirene ertönt jetzt öfter

Ortsbrandmeister Florian Bethmann zeigt einen defekten Meldeempfänger.
 
Viele Meldeempfänger der Ortsfeuerwehr Burgdorf sind defekt.

Die Ortsfeuerwehr Burgdorf hat nicht mehr genügend funktionsfähige Funkmeldeempfänger für einen stillen Alarm

BURGDORF (fh). Normalerweise ist die Burgdorfer Feuersirene nur am Samstagmittag pünktlich um 12 Uhr zu hören, um symbolisch das Wochenende einzuläuten, oder aber bei Großbränden und anderen schwerwiegenden Gefahrenlagen. In dieser Woche ertönte die Sirene nun innerhalb weniger Tage gleich dreimal, weil eine Brandmeldeanlage ausgelöst hatte - einmal im Hagebaumarkt im Gewerbegebiet Nord-West und zweimal in der Flüchtlingsunterkunft Vor dem Celler Tor.
Eigentlich wird die Burgdorfer Ortsfeuerwehr in solchen Fällen seit rund 40 Jahren über die Funkmeldeempfänger alarmiert, ohne dass die Bevölkerung davon etwas mitbekommt. Aber für einen solchen sogenannten stillen Alarm sind nach Informationen des Marktspiegels aktuell nicht mehr genügend funktionsfähige Geräte verfügbar. Für die 90 Aktiven in der Ortsfeuerwehr werde eigentlich auch die entsprechende Anzahl an Meldeempfängern benötigt - doch davon sei man mittlerweile weit entfernt, heißt es aus Kreisen der Feuerwehr.
Mehr als die Hälfte der Geräte seien derzeit defekt, nur 40 könnten eingesetzt werden. "Das Problem ist: Sie sind alle um die 20 Jahre alt und werden deshalb auch nicht mehr repariert", sagt ein Mitglied der Feuerwehr. Nach Informationen des Marktspiegels sind in der vergangenen Woche weitere Geräte ausgefallen. Dem Vernehmen nach hat die Ortsfeuerwehr daraufhin in Absprache mit dem Stadtbrandmeister entschieden, von jetzt an bei jedem Schadfeuer, ausgelösten Brandmeldeanlagen sowie bei Unfällen mit eingeklemmter Person die Sirene auszulösen, um sicherzustellen, dass genügend Aktive erreicht werden. Dementsprechend wird das charakteristische Heulen in Burgdorf jetzt deutlich häufiger zu hören sein als gewöhnlich.
Stadtsprecherin Alexandra Veith betont, dass die Beschaffung neuer Meldeempfänger bereits in die Wege geleitet sei. Die Verwaltung habe sich an einer Gemeinschaftsausschreibung der Region Hannover beteiligt und die Auslieferung der benötigten Geräte sei eigentlich für dieses Jahr vorgesehen gewesen. "Zum Bedauern der Stadt ist das Ausschreibungsverfahren gerügt worden und liegt der Vergabekammer Niedersachsen zur rechtlichen Beurteilung vor", so Veith. Nun sei frühestens Anfang 2020 mit der Lieferung zu rechnen.
Hintergrund der Sammelbestellung: Aus Datenschutzgründen werde die Alarmierung in der Region Hannover im Moment auf eine einheitliche Verschlüsselung umgestellt. Weil nur ein Teil der vorhanden Meldeempfänger in den Städten und Gemeinden die technischen Voraussetzungen dafür erfüllten, müssten viele neue Geräte angeschafft werden. Von einer gemeinsamen Ausschreibung erhofften sich die Region und die betroffenen Kommunen deshalb Mengenrabatte.
Doch nachdem Stadtbrandmeister Dennis Frederic Heuer die Verwaltung am 14. Oktober per E-Mail über den aktuellen Mangel in der Burgdorfer Ortsfeuerwehr informierte, habe die Stadt Burgdorf umgehend parallel ein eigenes Ausschreibungsverfahren begonnen. Es bezieht sich auf die Meldeempfänger, die eigentlich 2020 beschafft werden sollten und deshalb bisher noch nicht durch die Gemeinschaftsausschreibung abgedeckt sind. Die Angebotsfrist der städtischen Ausschreibung endet in etwa zwei Wochen, am 8. November. "Einer Auftragsvergabe im November 2019 steht unter Einhaltung der rechtlichen Bedingungen nichts entgegen", betont Veith.
Die Stadt hätte schon viel früher reagieren müssen, heißt es hingegen aus Kreisen der Feuerwehr. "Das ist ein gewachsenes Problem, das schon seit langem bekannt ist", kritisiert ein Mitglied gegenüber dem Marktspiegel.
Nach Informationen dieser Zeitung fehlt es bei der Ortsfeuerwehr Burgdorf im Moment nicht nur an Meldeempfängern. Auch bei den Fahrzeugen gebe es einen Engpass. Denn bei zwei der drei Löschfahrzeuge sind die fest eingebauten Pumpen defekt, wie die Stadtverwaltung bestätigt. Um das zu kompensieren, wurde deshalb jetzt bereits mehrfach die Ortsfeuerwehr Heeßel hinzu alarmiert. "Es ist nicht unüblich, dass aufgrund der knappen Personenverfügbarkeit am Tage oder Reparaturen an Fahrzeugen weitere Ortsfeuerwehren oder Löschzüge hinzu alarmiert werden", kommentiert die Verwaltung. Die notwendigen Reparaturen an den beiden Löschfahrzeugen seien unverzüglich beauftragt worden und für die kommende Woche beziehungsweise für die Woche ab dem 11. November vorgesehen. Bis dahin seien die beiden Wagen jedoch weiter fahrtüchtig und auch bedingt einsatzfähig.
Außerdem verweist Stadtsprecherin Veith auf das umfangreiche Fahrzeugbeschaffungsprogramm, das für die nächsten Jahre geplant sei. "Insofern hat die Stadtverwaltung den notwendigen Bedarf bereits erkannt und die haushaltsrechtlichen Rahmenbedingungen geschaffen", sagt sie. Aktuell befänden sich bereits zwei Fahrzeuge für die Ortsfeuerwehr Burgdorf in der Bauphase: ein Hilfeleistungslöschfahrzeug 20 sowie ein Einsatzleitwagen. Nach aktuellem Stand sei die Auslieferung beider Fahrzeuge für Februar 2020 vorgesehen. "Darüber hinaus sind im Haushalt 2019/20 Finanzmittel für ein weiteres Löschfahrzeug vorgesehen", so Veith. Diesbezüglich befinde sich die Stadtverwaltung mit der Ortsfeuerwehr Burgdorf in der Abstimmung.