Selbstjustiz und staatliche Willkür

Kalte Rahsucht macht Michael Kohlhaas (Dennis Habermehl, Mitte) zum Fanatiker und Terroristen. (Foto: TfN/T.Behind-Photographics)

Schauspiel „Michael Kohlhaas“ am 22. November im Theater am Berliner Ring

BURGDORF (r/fh). Anziehend in seiner Hingabe, abstoßend in seiner brutalen Radikalität: Der Pferdehändler Michael Kohlhaas aus der gleichnamigen Novelle von Heinrich Kleist gehört zu den widersprüchlichsten Figuren der deutschen Literatur. Am Freitag, 22. November, führt das Ensemble des Theaters für Niedersachsen (TfN) eine Bühnenfassung dieser Erzählung im Theater am Berliner Ring zu sehen. Die Aufführung beginnt um 20 Uhr in der Aula das Gymnasiums, Berliner Ring 27. Vorher wird ab 19.30 Uhr eine kostenlose Einführung in das Stück angeboten. Karten gibt es im Vorverkauf bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2, Telefon (05136) 1862 und über die Internetseite www.vvvburgdorf.de. Gastgeber des Abends sind der Verkehrs- und Verschönerungsverein (VVV) und die Stadt Burgdorf.
Heinrich von Kleists Novelle aus dem Jahr 1810 ist eine packende Geschichte über staatliche Willkür, Selbstjustiz, Vetternwirtschaft und die Eigendynamik von Gewalt. Anfangs bürgerlicher Held in seinem von Gerechtigkeitssinn geprägten Aufbegehren gegen die Staatsgewalt, macht kalte Rachsucht Kohlhaas zum Wutbürger, Fanatiker und Terroristen. Die Bühnenfassung stammt von dem TfN-Schauspieler Moritz Nikolaus Koch, der auch die Inszenierung und Ausstattung übernahm.
Die Handlung nimmt ihren Lauf, als Kohlhaas sich mit zwei seiner besten Pferde auf eine Reise nach Sachsen begibt. An der Grenze erhält er die Aufforderung, einen Passierschein vorzuzeigen. Er verpflichtet sich, den Schein in Dresden nachzulösen, seine beiden Pferde muss er als Pfand hinterlassen. In Dresden erfährt er jedoch, dass ein Passierschein gar nicht nötig ist. Und als er seine Pferde wieder abholen will, findet er sie halbverhungert vor. Kohlhaas verlangt Schadensersatz, aber seine Forderungen werden wiederholt abgeschmettert. Als dann seine Frau bei dem Versuch, eine Bittschrift für ihn vorzulegen, ums Leben kommt, kämpft Kohlhaas blind vor Schmerz und Wut bis zur völligen Selbstaufgabe um Gerechtigkeit.