Schwimmunterricht nach dem Lockdown

Die Stadt soll mit Schulen und Vereinen ein Konzept für den Schwimmunterricht nach dem Lockdown entwickeln. (Foto: Symbolbild/Pixabay)

Jugendhilfeausschuss spricht sich für SPD-Antrag aus: Stadt soll mit allen Akteuren ein Konzept entwickeln

Burgdorf (fh). Das Burgdorfer Hallenfreibad ist wegen der Corona-Epidemie geschlossen – deshalb fällt der Schwimmunterricht an den Schulen derzeit ebenso aus wie Anfängerkurse bei der DLRG und das Training der TSV Burg­dorf. Und auch privat können Eltern nicht mit ihren Kindern üben. „Umso wichtiger ist es, dass wir in den Startlöchern stehen und wieder loslegen können, sobald es möglich ist“, betont SPD-Ratsfrau Christiane Gersemann. Denn bei mangelnder Schwimmkompetenz setzten sich Kinder und Erwachsene besonders beim Baden in freien Gewässern einer großen Gefahr aus. „Schwimmen ist eine Lebensversicherung“, betont Gersemann.
Im Jugendhilfeausschuss haben sich am 8. März alle Fraktionen hinter ihren Antrag gestellt. Demnach soll die Verwaltung in enger Absprache mit den Grundschulen, Vereinen und weiteren Akteuren ein Konzept entwickeln, das greift, sobald die Schwimmbäder wieder öffnen dürfen. Die Verwaltung hat die Beteiligten bereits zu einem ersten Treffen in kleinem Kreis eingeladen.

Angebote der Grundschulen

Normalerweise haben die Schüler die Möglichkeit, an den Burg­dorfer Grundschulen schwimmen zu lernen und Abzeichen zu erwerben. An der Astrid-Lind­gren-Grundschule ist das beispielsweise im dritten Jahrgang vorgesehen. „Dann fahren meistens zwei Klassen, also rund 45 Kinder, zusammen mit vier Lehrkräften ins Schwimmbad“, beschreibt Schulleiter Heiko Blumenstein.
Je nach Vorkenntnissen wird die Gruppe aufgeteilt: Für die Nicht-Schwimmer werde eine Wassergewöhnung im Rutschen-Becken angeboten. Wer erste Erfahrungen und vielleicht sogar schon das Seepferdchen-Abzeichen mitbringe, könne im Schwimmerbecken an den Außenbahnen üben – Beckenrand und Betreuer immer in greifbarer Nähe. Und diejenigen, die schon Bronze oder Silber in der Tasche hätten, könnten auf den mittleren Bahnen anspruchsvollere Trainingseinheiten absolvieren.
Für den jetzigen dritten Jahrgang solle dieses Angebot möglichst im nächsten Schuljahr nachgeholt werden. „Problematischer ist die Situation bei den Viertklässlern, die nächstes Jahr an die weiterführenden Schulen wechseln. Sie hatten wegen der Corona-Epidemie bisher nur wenige Schwimmstunden und wir haben keinen echten Überblick über ihren Kenntnisstand“, so Blumenstein. Deshalb begrüßt er die Initiative von Politik und Verwaltung. „Wenn da etwas aufgebaut werden kann, um uns zu unterstützen, wäre das sehr sinnvoll“, betont er.

Training in der Sekundarstufe


Dem stimmt auch die Schulleiterin der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule (RBG) zu: „Ich sehe da auf jeden Fall Handlungsbedarf“, so Saskia van Waveren-Matschke. Denn vor der gleichen Problematik stünden derzeit alle Grundschulen. „Ich fürchte deshalb, dass der Anteil der Fünft­klässler ohne oder mit geringen Schwimmkenntnissen bei uns nächstes Schuljahr deutlich höher ausfallen wird als sonst“, sagt sie. Und auch diejenigen, die bereits Grundkenntnisse haben, seien durch die Corona-Pause aus der Übung und müssten erst einmal wieder reinkommen.
Ihrer Erfahrung nach bringe normalerweise ein Großteil bereits beim Übergang von der Grundschule an die RBG das Bronze-Abzeichen mit. Etwa ein Drittel habe hingegen nur Seepferdchen oder noch gar kein Abzeichen. „Das sind aber nicht alles Nichtschwimmer. Einige haben schon gute Vorkenntnisse, und nur noch keine weiteren Prüfungen abgelegt“, weiß sie. Aufgrund der Corona-Epidemie könne sich die Lage jetzt allerdings deutlich zuspitzen und die Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule vor eine zusätzliche Herausforderung stellen.
Denn auch an den weiterführenden Schulen steht Schwimmen auf dem Stundenplan: an der RBG beispielsweise im sechsten, achten und zehnten Jahrgang jeweils für ein Halbjahr. Die sechsten Klassen würden dabei immer von zwei Lehrkräften begleitet, sodass sich eine um die Nichtschwimmer kümmern könne, während die andere die Fortgeschrittenen trainiert. Als zusätzliche Unterstützung für Anfänger wird in der fünften und sechsten Klasse die Arbeitsgemeinschaft (AG) Wasserratten angeboten. „Unser Ziel ist es, dass am Ende der sechsten Klasse, möglichst alle mindestens Bronze haben“, erläutert van Waveren-Matschke.

Trainingszeiten koordinieren

Wenn es demnächst nun deutlich mehr Förderbedarf gebe, müsse einerseits geschaut werden, wie das personell zu leisten sei. Aber auch das Hallenfreibad selbst sei ein Nadelöhr. „Schon unter normalen Bedingungen haben unsere Schwimmzeiten nur gerade so gereicht, um unseren Bedarf zu decken“, so die Schulleiterin. Und an den übrigen Burgdorfer Schulen sieht das ähnlich aus. Denn die Bahnen sind heiß begehrt.
Das ist einer der Punkte, die Ratsfrau Christiane Gersemann zu ihrem Antrag bewogen haben. „Ziel muss es sein, die Trainingszeiten so aufzuteilen, dass auch in diesem Jahr möglichst vielen Kindern Schwimmkompetenzen vermittelt werden können“, sagt sie. Andererseits gelte es dabei auch die Interessen von Vereinen zu berücksichtigen ebenso wie beispielsweise von Menschen, die aus gesundheitlichen Gründen regelmäßig schwimmen gehen. „Ich hoffe, dass ein Konzept entwickelt werden kann, das von allen Akteuren mitgetragen wird“, sagt sie.
Wenn das gelinge, könne das auch über die gegenwärtige Situation hinaus für die kommenden Jahre tragfähig sein. „Die Stärkung der Schwimmkompetenz ist eine Aufgabe für die Zukunft“, zeigt sich Gersemann überzeugt.