Schulen sind startklar

Ab Montag erhalten wieder alle Jahrgänge Präsenzunterricht und müssen sich dann regelmäßig zweimal pro Woche testen. Lehrerin Katharina Jordan ist froh, dass die Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule diesmal einzeln verpackte Selbsttests bekommen hat. (Foto: privat)
 
Für die Rückkehr der Schüler bringt Hausmeister Walter Gogolin in der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule neue Hinweisschilder an zur Maskenpflicht und zu den Desinfektionsspendern an. (Foto: privat)

Kinder und Jugendliche erhalten ab Montag Unterricht im Wechselmodell mit halben Klassen

Burgdorf/Uetze (fh). Schulleiterin Saskia van Waveren-Matschke und ihr Team kleben Pfeile auf den Boden, ziehen neue Absperrbänder und hängen Hinweisschilder zur Maskenpflicht auf: Die Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule trifft letzte Vorbereitungen für die Rückkehr ihrer Schüler. Denn ab Montag sollen wieder alle Jahrgänge Präsenzunterricht erhalten – wenn auch vorerst nur jeden zweiten Tag im Wechsel. Kultusminister Grant-Hendrik Tonne hat am vergangenen Dienstag angekündigt, dass das Land jetzt den neuen Grenzwert aus dem Bundesinfektionsschutzgesetz übernimmt. Somit dürfen Schulen und Kitas wieder in das sogenannte Szenario B wechseln, wenn die Sieben-Tages-Inzidenz vor Ort unter 165 liegt. Dieses Kriterium erfüllt die Region Hannover. Eine Befreiung vom Präsenz­unterricht ist aber nach wie vor möglich und an keine Voraussetzungen geknüpft.

Bedarf an Notbetreuung gestiegen


Bisher galt in Niedersachsen der Grenzwert von 100 Corona-Neuinfektionen je 100.000 Einwohnern innerhalb von sieben Tagen. Und den hat die Region seit Weihnachten durchgängig überschritten. Auch in Burgdorf und Uetze verbrachten deshalb viele Schüler fast fünf Monate lang die meiste Zeit zu Hause und lernten im Home Schooling mit Videokonferenzen, Hausaufgaben und einer großen Portion Selbstdisziplin. Nur die Grund- und Förderschüler sowie die Abschlussklassen lernten auch bisher schon abwechselnd zu Hause und in der Schule.
Saskia van Waveren-Matschke ist froh, dass das nun wieder für alle Jahrgänge gilt. „Dabei geht es ja nicht nur um den Fachunterricht, sondern auch um den Austausch mit Freunden, die Ablösung vom Elternhaus oder ganz alltägliche Rituale, die dem Tag Struktur geben“, betont sie. Außerdem verlange das Home-Schooling den Schülern und Eltern viel ab. Mit jeder weiteren Woche sei die Gefahr gestiegen, Schüler zu verlieren. „Um das zu verhindern, haben wir Kinder und Jugendliche in die Notbetreuung aufgenommen, wenn wir gemerkt haben, dass sie sich zusehends ausklinken“, schildert die Schulleiterin. Dort seien zuletzt 70 Schüler angemeldet gewesen.
Auch am Gymnasium sei der Bedarf nach Notbetreuung massiv gestiegen. „Wir haben von Woche zu Woche mehr Anmeldungen verzeichnet, weil die Schüler zu Hause sonst mit dem Stoff nicht mehr mitgekommen wären“, sagt die kommissarische Schulleiterin Julia Schneider und ergänzt: „Vor diesem Hintergrund ist es höchste Zeit, dass jetzt wieder alle Jahrgänge Präsenzunterricht erhalten!“
Dem pflichtet die Schulleiterin des Gymnasiums Uetze Andrea Wundram bei. „Für die Kinder und Jugendlichen ist es wichtig, dass es wieder losgeht, ganz besonders wenn sie aus einem schwierigen sozialen Umfeld kommen oder in beengten Wohnverhältnissen leben“, sagt sie. Sie räumt aber ein, dass es in ihrem Kollegium angesichts der weiterhin hohen Infektionszahlen auch Sorgen gebe.

Lehrer erhalten Impfung


Es habe für Erleichterung gesorgt, dass sich seit diesem Monat nun auch Lehrer und Beschäftigte weiterführender Schulen impfen lassen können. Am Gymnasium Burgdorf, Gymnasium Uetze, der Aurelia-Wald-Gesamtschule und der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule wollten fast alle davon Gebrauch machen, betonen die vier Schulleiterinnen.
Einige wenige seien schon geimpft, weil sie beispielsweise zu einer Risikogruppe gehören, andere ließen sich bei ihrem Hausarzt impfen. Aber die meisten von ihnen haben an diesem Wochenende einen Termine im Impfzentrum. „Einige hätten sich deshalb gewünscht, dass die Öffnung zwei Wochen später kommt, wenn sie einen ersten Basisschutz haben, zumal die nächste Wochen aufgrund der Feiertage ohnehin verkürzt sind“, so Wundram. Auch Ria Loosveld, die Schulleiterin der benachbarten Aurelia-Wald-Gesamtschule (AWG), kennt diese Bedenken aus ihrem Kollegium und hat Verständnis dafür.

Regelmäßige Selbsttests geben Sicherheit

Alle vier Schulleiterinnen sind sich deshalb einig, dass die Teststrategie ein wichtiges Instrument sei, um den Schülern einerseits wieder den dringend benötigten Präsenzunterricht zu bieten, andererseits aber auch das Risiko für alle Beteiligten zu minimieren. Schüler, Lehrer und Beschäftigte müssen sich jetzt regelmäßig zweimal pro Woche auf das Coronavirus testen. Julia Schneider, die kommissarische Leiterin des Gymnasiums Burgdorf, betont: „Nicht nur die Lehrer, sondern auch viele Schüler haben ein besseres Gefühl, wenn sie wissen, dass alle im Raum negativ getestet sind.“ Bei den Schülern in der Notbetreuung und den Abschlussklassen habe sich das schon gut eingespielt, heißt es aus den örtlichen Schulen. „Alle machen das vorbildlich mit“, betont Schneider.
Auch Kultusminister Tonne begründet die Anhebung des Grenzwertes auf 165 mit dem Erfolg der Teststrategie. In den ersten zwei Wochen seien auf diese Weise niedersachsenweit mehr als 1000 Infektionen identifiziert worden, sodass in diesen Fällen eine Ausbreitung in Schulen und Familien verhindert werden konnten. Das zeige, dass die Selbsttests ein geeignetes Instrument seien, um Infektionen frühzeitig zu erkennen. Außerdem gebe es nach wie vor keine Massenausbrüche in Schulen, sondern nur vereinzelte Ansteckungen. Vor diesem Hintergrund sei die Öffnung der Schulen einerseits für die Bildung und Entwicklung der Kinder und Jugendlichen notwendig und andererseits auch infektiologisch vertretbar.

Corona-Selbsttests in Großpackungen

Bei der Lieferung der Testkits wünschen sich die örtlichen Schulen noch Verbesserungen. „Unterm Strich haben wir jetzt erst mal ausreichend zur Verfügung, aber es lief schleppend. Wir hoffen, dass die Logistik besser wird, sodass wir die Verteilung an die Schüler verlässlich planen können“, sagt Schneider vom Gymnasium Burgdorf. Die Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule hatte noch mit ganz anderen Problemen zu kämpfen: Denn sie erhielt nicht nur einzeln verpackte Tests, sondern auch Großpackungen. „Wir haben mittlerweile 7000 Sets selbst zusammengestellt und abgepackt“, sagt van Waveren-Matschke.
Mit dieser Herausforderng sah sich auch die AWG in Uetze konfrontiert und hat sich dafür eine raffinierte Lösung einfallen lassen. „Wir geben die Bastelsets nur an die neunten und zehnten Klassen aus. Da bauen die Lehrer im Klassenraum dann eine Packstraße auf und die Schüler nehmen sich aus einem Karton zwei abgepackte Wattetupfer, aus dem nächsten die eingeschweißten Testkassetten und so weiter“, erläutert Loosveld.

Willkommenstag zum Neustart

Sowohl die beiden Gymnasien als auch die beiden Gesamtschulen in Burgdorf und Uetze haben vorsorglich schon alle Schüler für die erster Woche Präsenzunterricht mit Tests versorgt. Und auch die Gruppeneinteilung stehe bereits seit längerem fest. Insgesamt fühlen sie sich auf den Neustart am Montag gut vorbereitet, zumal sie schon im vergangenen Jahr Erfahrungen mit dem Szenario B gesammelt haben. Auch inhaltlich habe man sich schon viele Gedanken gemacht und besprochen, wie die Rückkehr gestaltet werden soll. „Die Schüler waren schon so lange nicht mehr hier. Sie müssen erst mal wieder ein bisschen Schulluft schnuppern“, sagt Ria Loosveld von der AWG.
Auch an der Rudolf-Bembenneck-Schule sollen die Schüler erst mal wieder in Ruhe ankommen können. Für die ersten Tage ist deshalb vorwiegend Unterricht mit den jeweiligen Klassenlehrern geplant. „Sie können noch mal ganz praktisch die Hygieneregeln erklären, aber auch auf die Fragen und Bedürfnisse der Schüler eingehen. Das wird je nach Jahrgangsstufe sicherlich ganz unterschiedlich sein“, so van Waveren-Matschke. Auch am Gymnasium Uetze wird es einen Willkommenstag geben. „Es sind Einführungsspiele geplant. Außerdem haben wir die Schüler gebeten, irgendetwas aus der Zeit des Home-Schoolings mitzubringen. So können wir ins Gespräch über ihre Erfahrungen kommen und auch über Sorgen und Nöte“, sagt Wundram.