Schützenkönigin Petra Voutta verteidigte ihren Titel

Der Jubel nach der Bekanntgabe war unbeschreiblich – Schießsportleiter Urs-Uwe Simanowski wurde nach 1992 zum Zweiten Mal Freihandkönig. (Foto: Holger Staab)
 

Urs-Uwe Simanowski ist nach 18 Jahren wieder Freihandkönig

BURGDORF (hs). Da wird immer behauptet, das Schützen- und Volksfest in Burgdorf sei für alle Beteiligten ein Vergnügen. Ist es auch, aber viele Burgdorfer Bürger wissen nicht, was alles hinter den Kulissen beim Schützenfest abläuft. Eine große Portion Organisation, ehrenamtliche Tätigkeit, viele Helfer und ein strammes Programm für alle Schützen stehen dahinter. Besonders der Schützenfestfreitag ist für alle Schützen eine besondere Herausforderung.
Nach dem Donnerstag, dem für die Burgdorfer „Schönsten Schützenfesttag“ mit dem Zapfenstreich und anschließender Party im Festzelt, sind nicht wenige Schützen erst spät ins Bett gekommen, aber schon um sechs Uhr in der Früh werden sie von den traditionellen Böllerschüssen, die in den Auewiesen gezündet werden, zum Schützenfestfreitag geweckt. Die „Geneiter“ sind als erste Gruppe in den Straßen der noch schlafenden Stadt zu sehen. Mit ihrem Spruch „We will mit geneiten, ob use Schiebe scheiten,…..“ wecken sie die Bürger der Stadt und fordern sie zum Königsschießen auf. Denn auch heute gilt noch, dass jeder Burgdorfer Bürger König Auflage oder König Freihand werden kann.
Die Schützen und Schützinnen machen sich auf den Weg und treffen sich in verschiedenen Lokalitäten oder bei den Königen des Vorjahres zum Frühstück. Es ist 7 Uhr und die Sonnenbrillen verraten diejenigen, die etwas länger im Festzelt verblieben sind.
Bis zum Antreten vor dem Rathaus um 9 Uhr werden die noch amtierenden Könige mit Musikzügen abgeholt und zum Rathaus gebracht. Alle aktiven Schützen sind jetzt auf den Beinen. Im Rathaus werden die Abordnungen von Bürgermeister Alfred Baxmann empfangen. Beim Schießsportleiter Urs-Uwe Simanowski können Nichtmitglieder ihre Teilnahme am Schießen anmelden.
Wenn der Kommandeur Rolf Hoppe die Meldungen der Korporationen vor dem Rathaus abnimmt, steht der Schützenumzug kurz bevor. Jetzt sind alle dabei, die Stimmung ist gut und die Vorfreude auf den Tag zu erkennen. Allerdings ist der Umzug kein Leckerbissen, denn drei bis vier Kilometer haben die Korporationen und Musikzüge vor sich und die Temperatur ist mittlerweile auf etwa 23 Grad angewachsen
Viele Burgdorfer Geschäftsleute spenden während des Umzuges dann Getränke oder traditionell Rosen, so ist auch dieser Tagesordnungspunkt erträglich und die Ankunft im Festzelt gegen 10 Uhr wird herbeigesehnt. Das Königsvesper schließt sich an. Bei Hochzeitssuppe und Schweinebraten kommen die Lebensgeister zurück.
Schützenchef Karsten Siekmann verspricht ein Schützenfest mit Freude und Spaß - er soll Recht behalten. Selbst bekommt er die „Goldene Ehrennadel des Niedersächsischen Sport- und Schützenverbandes“ von Werner Bösche, dem Präsidenten des Kreisschützenverbandes überreicht. Und das unter stehenden Ovationen sämtlicher Burgdorfer Schützen. „Was ist eine Ehrennadel gegen die Ovationen, die ich erleben durfte“, meinte er später im Festzelt.
An das Königsvesper schließt sich das Königsschießen im Schützenheim an. Nicht nur ein Wettbewerb, sondern auch ein kleines Fest beim Fest. Während die Schützen am Schießstand versuchen, die Mitte der Scheiben zu treffen, wird gefeiert. Die „Aue Rosen“ sind da und sorgen für gute Laune. Viele vermeintliche Könige spekulieren auf den Titel und warten auf das Ergebnis. Es ist mittlerweile 14 Uhr geworden und die Stimmung im Schützenheim ist prima. Bis zum Ende des Schießens ist noch eine Stunde Zeit, aber es wird schon getanzt und noch mehr spekuliert, wer denn nun die Königswürden trägt. Kurz vor der ersten Bekanntgabe ist die Stimmung auf dem Siedepunkt, eine Polonaise bringt Schwung und dann kommt Michael Jahn und verkündet die beiden Gewinner.
Malermeister Jürgen Meyer (Auflage) und Schießsportleiter Urs-Uwe Simanowski (Freihand) werden verkündet. Großer Jubel brandet auf und der Freihandkönig wird auf Händen getragen. Nach 18 Jahren hat er es wieder geschafft und wird mit seiner neuen Scheibe nach Hause gebracht. Die verbliebenen Abordnungen der Korporation tragen die Scheibe zum Überbringen durch die Stadt. Es ist 17 Uhr geworden, als Simanowski den Ehrentanz mit seiner Frau Iris vor der Haustür zu den Klängen des Fanfarenzugs Wikinger, am Sousaphon Kommandeur Rolf Hoppe, absolviert. Jetzt könnte ein schöner Tag zu Ende gehen.
Die Schützen und Schützinnen gehen allerdings nach Hause und haben zwei Stunden, um sich auf den Abend vorzubereiten. Im Festzelt ist ab 20 Uhr Einlass, die Aue Rosen machen ihre traditionelle Platzrunde und gegen 22 Uhr wird die Königsproklamation durchgeführt. Die Gewinner der Königsketten, wie Schützenkönigin Petra Voutta und Volkskönigin Gundula Brügger, werden proklamiert und dann kann gefeiert werden. Einige Lüttje Lagen gehen über den Tresen und die Müdigkeit weicht aus den Gesichtern, denn die Anspannung ist jetzt vorbei, die Ergebnisse gesetzt und sowohl Junggesellen, Germanen, Schützen, Damen, Aue Rosen und alle anderen Korporationen haben ihren Spaß am Fest.
Der Schützenfestfreitag endet am nächsten Tag, so gegen eins, oder auch zwei oder drei, wie jeder mag, oder es schafft. Denn nach der Proklamation hat die holländische Band „Tis niks wut niks“ noch einmal richtig für Stimmung gesorgt und nicht nur den gastgebenden Wikingern Lust für mehr Spaß auf dem Burgdorfer Volks- und Schützenfest gemacht.
Der Schützenfestfreitag, ein Tag, den viele Schützen immer wieder gern erleben, ein Tag auch, der die Tragweite und die vielen Tagesordnungspunkte, die im Vorfeld eines Volksfestes organisiert werden müssen, erst so richtig erkennen lässt und es gab nicht nur diesen Tag beim Burgdorfer Volks- und Schützenfest.