Schüler wollen Bäume pflanzen

Die Fünftklässler Till (vorne von links) und Vincent stellt im Schulausschuss das Projekt "Plant for the Planet" vor. Stadtrat Michael Kugel (hinten von links), der Ausschussvorsitzende Hartmut Braun und der Leiter der städtischen Schulabteilung Henry Barm hören gespannt zu.

Die Fünftklässler Till und Vincent stellen das Projekt "Plant for the Planet" im Schulausschuss vor / Verwaltung stellt ihnen eine Fläche in Aussicht

BURGDORF (fh). Die Sitzungen der politischen Gremien können sich manchmal ganz schön in die Länge ziehen. Davon haben Till Krieß und Vincent Matschke am Montagabend einen kleinen Eindruck bekommen. Die beiden Fünftklässler der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule (RBG) haben sich im Schulausschuss mit einer politischen Forderung Gehör verschafft. Doch bevor sie ihr Anliegen vortragen konnten, mussten sie sich ganz schön in Geduld üben. Denn das Thema, das ihnen am Herzen liegt, tauchte erst unter Punkt 6 der Tagesordnung auf. Und so zeigte die Uhr schon 18.20 Uhr, fast anderthalb Stunden nach Sitzungsbeginn, als sie endlich von dem Projekt "Plant for the Planet" berichten konnten.
Mutig stellten sich die beiden zehn- und elfjährigen Jungs vor die Politiker und erläuterten ihnen die Hintergründe. "Das Ziel ist es, möglichst viele Spenden zu bekommen, um möglichst viele Bäume pflanzen zu können. Am liebsten natürlich direkt in Burgdorf", erklärten Till und Vincent. Nach dem Pflanzen wollten sich die Schüler dann weiterhin um die Bäume kümmern und beobachten, wie sie wachsen. Für das Projekt suchen sie nun einerseits Paten und Sponsoren, benötigen andererseits aber auch eine Fläche, auf der sie die Bäume pflanzen können. "Unsere Frage an Sie ist deshalb: Was können Sie, sehr verehrte Mitglieder des Schulausschusses tun, um uns zu unterstützen?", schlossen sie ihren Vortrag.
Und da zeigte sich, dass sich Geduld und Mut für die beiden Fünftklässler ausgezahlt hatten. Es zollten ihnen nicht nur die Vertreter mehrerer Fraktionen großen Respekt für ihren Auftritt. Die Verwaltung stellte auch schon ganz konkrete Unterstützung in Aussicht. "Damit lehnen wir uns, denke ich, nicht zu weit aus dem Fenster: Eine geeignete Fläche werden wir finden", sagte Baxmann. Eine Möglichkeit könnten Kompensationsflächen für Bauprojekte sein.
Das war deutlich mehr als van Waveren-Matschke zu hoffen gewagt hatte. "Wir hatten auch Erwartungen der Schüler vorher bewusst, herunter geschraubt, weil so etwas ja oft seine Zeit braucht", sagte die Schulleiterin und ergänzte: "Es ist toll, dass wir heute Abend schon eine Zusage bekommen."
Den Anstoß zu dem Engagement der Schüler hatten die "Fridays for Future"-Demonstrationen gegeben, die die 16-jährige Greta Thunberg in Schweden initiiert hatte. Innerhalb kurzer Zeit hatte sich die Aktion für den Klimaschutz zu einer Massenbewegung von Schülern und Studenten in vielen Teilen der Welt entwickelt. Auch die älteren Schüler der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule hatten sich zuletzt daran beteiligt und waren Freitagmittag nach Hannover zur Kundgebung gefahren. "Die jüngeren können noch nicht allein dorthin gehen, wollten aber auch etwas machen", erläutert Schulleiterin Saskia van Waveren-Matschke. Und da seien sie auf das Projekt "Plant for the Planet" aufmerksam geworden.
Jetzt wollen Till, Vincent und viele andere Fünftklässler nicht nur Bäume pflanzen, sondern sich auch zu Botschaftern für die Klimagerechtigkeit ausbilden lassen. Dafür werden sie im September eine eintägige "Plant for the Planet"-Akademie in Hamburg besuchen, bei der ihnen andere Kinder ihr Wissen zum Klimawandel weitergeben werden.