Schüler wirbt für Kommunalpoltik

Mikhail Kasiyanov (2. von links) stellt im Schulausschuss das Planspiel "Pimp your Town" vor.

Mikhail Kasiyanov will mit dem Planspiel "Pimp your Town" auch andere Jugendliche dafür begeistern, sich politisch einzumischen

BURGDORF (fh). Mikhail Kasiyanov bringt sich mit großem Engagement politisch ein. Nicht nur an seiner Schule, dem Gymnasium Burgdorf, sondern darüber hinaus als Schülervertreter im Ausschuss für Schulen, Kultur und Sport. Der Zwölftklässler weiß aber auch, dass vielen Jugendlichen ein Zugang zur Politik fehlt - erst recht auf kommunaler Ebene. Um daran etwas zu ändern, will Kasiyanov das Planspiel "Pimp your Town" des Vereins Politik zum Anfassen nach Burgdorf holen. Einen entsprechenden Antrag hat er jüngst im Schulausschuss vorgestellt und erhielt breite Zustimmung dafür. Als nächstes berät der Jugendhilfeausschuss darüber.
Der Verein Politik zum Anfassen hat "Pimp your Town" schon in bundesweit mehr als 30 Städten und Gemeinden veranstaltet, unter anderem in Hannover, Langenhagen, Isernhagen, Göttingen und Osnabrück. Bei dem dreitägigen Planspiel schlüpfen die Schüler in die Rolle von Ratspolitikern. In einem Durchgang können sich vier Klassen von weiterführenden Schulen beteiligen. Drei von ihnen bilden jeweils eine fiktive Fraktion, die vierte Klasse übernimmt die journalistische Begleitung - fotografiert, filmt und schreibt Artikel über das Projekt.
Nach einem Crash-Kursus in Kommunalpolitik sammeln die Schüler zunächst Ideen und schreiben dazu Anträge. Die werden dann bei den Sitzungen unterschiedlicher Fachausschüsse und bei Fraktionssitzungen diskutiert, bevor die Beschlüsse im großen Plenum mit allen Teilnehmern gefasst werden. Ziel ist es, dass sich die Kinder und Jugendlichen inhaltlich mit ihrem nahen Umfeld und ihren eigenen politischen Anliegen beschäftigen und gleichzeitig die formalen Abläufe in der Kommunalpolitik kennenlernen.
Dabei sollen sie möglichst authentische Einblicke erhalten. So erhalten die einzelnen Schülergruppen jeweils einen Ratspolitiker als Paten und nach Möglichkeit wird das abschließende Plenum von der tatsächlichen Ratsvorsitzenden geleitet. "Die Barrieren zur Politik müssen so gering wie möglich gesetzt sein, um allen Schülerinnen und Schülern einen möglichst einfachen und guten Einblick in die Politik zu vermitteln", begründet Kasiyanov sein Ansinnen.
Zusammen dem neuen Stadtjugendpfleger Horst Gohla habe er schon viel Zeit in die Recherche und Vorbereitung des Antrags gesteckt. Falls die Ratspolitiker sich abschließend dafür aussprechen, würde Gohla auch die Verantwortung für die Umsetzung übernehmen. Das Planspiel könne auch ein erster Schritt sein, um nachhaltige Strukturen wie ein Jugendparlament zu schaffen, so Kasiyanovs Hoffnung.
Kurt-Ulrich Schulz von der Wählergemeinschaft (WGS) zeigte sich weniger optimistisch. "Ich befürchte, dass dieses Projekt sehr stark an Ihrem Engagement hängt", sagte er an Kasiyanov gewandt. Er bezweifele deshalb, dass das Projekt nachhaltige Wirkung zeige, nachdem Kasiyanov mit der Schule fertig sei. "Aber ich lasse mich gern eines besseren belehren", so Schulz. Die Politiker aller anderen Fraktionen lobten die Idee und signalisierten ihre Zustimmung, die auch Schulz letztlich nicht verwehren wollte.