Rentner ziehen Mauern hoch

Bei Wind und Wetter sind Wilhelm Schewe (von links) und Claus-Peter Schade auf der Baustelle im Stadion.
 
Das Erdgeschoss steht zum Großteil: Noch vor Weihnachten soll die Deckenplatte aufgelegt werden.

Der Anbau an das Clubheim der TSV Burgdorf im Stadion macht Fortschritte / Trotz viel Eigenleistung benötigt der Verein noch Spenden für das Projekt

BURGDORF (fh). Bei Wind und Wetter sind Wilhelm Schewe, Dieter Rotermund und Claus-Peter Schade im Moment auf der Baustelle. Dabei sind alle drei längst im Rentenalter. Doch seit gut fünf Wochen packen sie im Stadion der TSV Burgdorf kräftig mit an: Direkt neben ihrem Clubheim "Tribüne" bauen die TSV-Fußballer einen neuen Trakt mit sieben Kabinen und drei Gemeinschaftsduschen.
Die bisherigen Duschen und Kabinen auf der gegenüberliegenden Seite unter dem JohnnyB. sind in die Jahre gekommen: Der Putz bröckelt von den Wänden und weil sich die Räume schlecht belüften lassen, hat sich an der Decke und an den Fliesen Schimmel gebildet. Anstatt aufwendig zu sanieren, hat sich die Fußballsparte für einen Neubau entschieden - auch weil die Mitgliederzahlen gestiegen sind und sie deshalb dringend mehr Platz benötigt, wie Spartenleiter Dirk Bierkamp begründet.
Ende Oktober ging es los: Zunächst hat eine Fachfirma die Fundamentplatte gegossen und den Baugrund hergerichtet. Seit rund fünf Wochen sind die drei Rentner nun fast täglich vor Ort, um in Eigenleistung das Erdgeschoss zu mauern. Vor allem der 75-jährige Schewe bringt dabei seine Berufserfahrung als gelernter Maurer ein. Und auch der 77-jährige Rotermund kennt sich als Fliesenleger auf dem Bau aus. "Ich falle als Elektriker ein bisschen raus. Aber ich kann zumindest mit Zollstock und Wasserwaage umgehen", scherzt Schade, der mit 67 Jahren der jüngste im Team ist.
Sogar am Dienstag haben sie bei Dauerregen von morgens bis nachmittags gearbeitet. "Im Moment können wir uns keinen Tag Pause erlauben. Denn für nächsten Dienstag, 17. Dezember, ist eine Fachfirma bestellt, die die Deckenplatte auflegt", begründet Schade. Wann sie dann mit dem Obergeschoss weitermachen können, stehe noch nicht fest. "Das hängt vom Wetter ab. Denn bei Frost können wir die Ytong-Steine nicht verkleben", erläutert Schade. In jedem Fall solle der Anbau aber pünktlich zur neuen Saison Anfang August in Betrieb gehen.
Die Arbeitsstunden der drei ehrenamtlichen Helfer sind für die TSV Burgdorf viel Geld wert. Für den gesamten Anbau hat der Verein 400.000 Euro kalkuliert. 200.000 Euro steuern je zur Hälfte die Stadt Burgdorf und der Regionssportbund. Die restlichen 200.000 Euro muss der Verein selbst finanzieren. "Durch günstigere Vergaben können wir bis zu 50.000 Euro einsparen. Und durch die Eigenleistungen können wir voraussichtlich weitere 50.000 bis 60.000 Euro abgelten", kündigt der stellvertretende Vorsitzende der Fußballsparte Walter Eckhoff an.
Doch das allein reicht noch nicht aus: Der Verein ist zusätzlich auf die Unterstützung von Mitgliedern, Freunden und Förderern angewiesen. Einige größere Zusagen von Sponsoren gebe es bereits. Die TSV sammelt aber auch kleinere Einzelspenden und verkauft dafür symbolische "Superbausteine" für je 200 bis 250 Euro. "Auf diesem Wege sind seit dem Sommer bereits 15.000 Euro zusammengekommen. Damit sind wir auf einem guten Weg, aber es ist noch viel Luft nach oben", befindet Eckhoff.