Region und Kommunen machen Front gegen häusliche Gewalt

Rolf-Axel Eberhardt (von links), Hauke Jagau und Werner Backeberg setzen im Beisein von Petra Mundt ihre Unterschrift unter das Positionspapier. (Foto: Region Hannover)

21 Bürgermeister und Regionspräsident unterzeichnen ein Positionspapier

REGION HANNOVER (r/jk). Auch zehn Jahre nach Inkrafttreten des Gewaltschutzgesetztes sind in Deutschlands Wohn-, Schlaf- oder Kinderzimmern Schläge und Bedrohung keine Seltenheit. Jetzt machen die 21 Städte und Gemeinden und die Region Hannover gemeinsam Front gegen häusliche Gewalt. Alle 21 Bürgermeister sowie der Regionspräsident haben sich bereit erklärt, ein Positionspapier mit dem Titel „Nein zu häuslicher Gewalt“ zu unterzeichnen.
„Wir wollen ein Zeichen setzen, um deutlich zu machen, dass häusliche Gewalt in keiner Form akzeptabel ist“, sagte Regionspräsident Hauke Jagau anlässlich der Unterzeichnung.
Mehr als 3700 Fälle häuslicher Gewalt haben Polizei und Beratungsstellen 2011 registriert. „Die Dunkelziffer liegt um ein Vielfaches höher“, betonte Jagau. Indem sie sich öffentlich gegen häusliche Gewalt stellen, wollen die Hauptverwaltungsbeamten auch Verantwortung übernehmen. „Wir sind alle Arbeitgeber. Und bei der Vielzahl von Beschäftigten, die zum Beispiel die Region Hannover hat, ist es kaum denkbar, dass unter unseren Beschäftigten oder den Beamtinnen und Beamten niemand von häuslicher Gewalt betroffen ist“, sagte Jagau. „Die Regionsverwaltung als Arbeitsplatz soll ein Ort sein, in dem Betroffene Schutz und Unterstützung finden.“
Die Aktion in der Region Hannover ist bundesweit einmalig. „Dass sich 21 Kommunen gemeinsam gegen häusliche Gewalt engagieren, gibt es sonst nirgendwo“, erklärt Petra Mundt, Gleichstellungsbeauftragte der Region Hannover. „Die Organisation Terres des Femmes hat das Konzept der Workplace Policy in Deutschland eingeführt“, erläutert Mundt. „Wir brauchen auch am Arbeitsplatz eine erhöhte Aufmerksamkeit für das Thema häusliche Gewalt, es geht darum, für das Thema zu sensibilisieren, Informationen zu geben und Unterstützung anzubieten..“ Diese Initiative hat sich der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten in der Region Hannover zum Vorbild genommen und das Positionspapier angeschoben.
„Wir Hauptverwaltungsbeamten sehen uns und unsere Verwaltungen in einer Vorbildfunktion und damit auch als Ansprechpartner für Schulen und Kindergärten in der Region Hannover, die sich ebenfalls gegen häusliche Gewalt engagieren wollen“, sagte Wunstorfs Bürgermeister Rolf-Axel Eberhardt, einer der beiden Sprecher der Hauptverwaltungsbeamten in der Region Hannover. Sein Kollege Werner Backeberg aus Uetze ergänzte: „Unterstützung für Opfer und Aufklärung sind das eine. Wir wollen aber auch ganz konkret Maßnahmen entwickeln, um dem Problem zu begegnen.“ Die Gleichstellungsbeauftragte Petra Mundt hofft, dass sich Unternehmen an den Kommunen ein Vorbild nehmen und das Thema ebenfalls offensiv angehen. „Dieses Zeichen ist eine Solidaritätserklärung für alle, die Hilfe und Unterstützung benötigen. Es ist eine klare Absage an alle, die häusliche Gewalt ausüben, bekanntermaßen zumeist Männer. Dies fördert die Chancengleichheit für Frauen am Arbeitsplatz“, betont sie.
Dass das Thema häusliche Gewalt schon länger eine erhöhte Aufmerksamkeit in der Region Hannover genießt, beweisen die Aktionen der Vergangenheit. Im vergangenen Jahr initiierte der Arbeitskreis der Gleichstellungsbeauftragten eine große Plakataktion in den Kommunen. In der vorigen Woche fand im Haus der Region eine große Veranstaltung zum Thema „Häusliche Gewalt – ein Thema auch in Betrieben“ statt.