„Rat und Verwaltung schießen keine Vögel ab“

Gruppenbild vor dem Schützenheim: Jörg Neitzel, Bürgermeister Alfred Baxmann, Jörg Schneider, Schießsportleiterin Silke Hartung und der 1. Vorsitzende Jörg Hoppe. (Foto: st)

Jörg und Jörg lösten Jörg beim Ratsschießen als Gewinner ab

BURGDORF (st). Es ist der eigentliche und inoffizielle Startschuss zur Schützenfestzeit und eine gesellschaftliche Verpflichtung für die Schützen der Burgdorfer Schützengesellschaft, des Rates und der Verwaltungsspitze der Stadt Burgdorf. Gemeint ist das Ratsschießen, das auch in diesem Jahr im Mai wieder für ein gut besuchtes Schützenheim „An der Bleiche“ sorgte und als Resultat zwei Germanen als glückliche Scheibenbesitzer hinterließ.
Das Schützenfest wird erst vom 26. bis 29. Juni Burgdorf in einen kleinen Ausnahmezustand versetzen. Im Vorfeld gibt es aber nicht nur bei der Schützengesellschaft einige Wettbewerbe, die für Spannung sorgen und zudem Freud und Leid verursachen. Auch die Bürger der Stadt sind zum Beispiel beim Schießen auf die Volkskönigsscheibe, die beginnend ab dem 10. Juni ausgeschossen werden, gefordert. Beim Ratsschießen ist es der Kreis des Rates und der Verwaltung der Stadt, die sich beim Zielen und Treffen beweisen können.
Es geht nicht nur um die Ehre, denn die beiden überdimensionalen Holzscheiben, die Schützenscheibe und die Ratsscheibe, sind sehr begehrt und jeder Anwesende am vergangenen Mittwoch hätte diese Zeichen des Erfolges gern mal gewonnen und sich auf einer kleinen Plakette mit seinem Namen verewigt. Im vergangenen Jahr schaffte der 1. Vorsitzende der Schützengesellschaft, Jörg Hoppe, das Kunststück, beide Scheiben in einem Jahr zu gewinnen. Das war vor ihm nur Jürgen Schlüter gelungen.
So waren die 55 Teilnehmer gespannt auf den Wettbewerb und die Auswertung, die die Schießsportleiterin der Schützen, Silke Hartung, mit bewährten Helfern durchführte. Auch ungeübte Ratsmitglieder wurden an die Hand genommen und das Schießen mit dem Kleinkalibergewehr mit allen Sicherheitsbestimmungen beigebracht. Diejenigen, die gerade nicht auf dem Schießstand ihr Glück versuchten, diskutierten teils angeregt über Politik, Wirtschaft und Alltägliches, oder ließen den gemütlichen Abend bei Plaudereien verstreichen.
Spannend wurde die Bekanntgabe der Gewinner, die nach der Begrüßung durch Alfred Baxmann Schützenchef Hoppe durchführte. Baxmann sprach in Burgdorf von einer kleinen Renaissance, denn er freute sich über die rege und gute Teilnahme nicht nur beim Ratsschießen, sondern auch bei den bisher zwei Schützenfesten, die in den Stadtteilen in diesem Jahr bereits stattfanden. „Die Schützenvereine stellen sich auf neue Rahmenbedingungen ein und verabschieden sich von zu alten Traditionen ohne das Brauchtum zu pflegen. Sie meistern auch die Schwierigkeiten der ehrenamtlichen Aufgaben und besonders bei der Schützengesellschaft sieht man, dass sie den Spaß nicht verloren haben. Eine Stadt ohne Volks- und Schützenfest wäre eine arme Stadt.“
Jörg Hoppe bedankte sich nicht nur bei der Stadt und der Verwaltung für die Unterstützung, sondern auch bei Ehrenratsmitglied Günther Neben, der bereits zum 40. Mal beim Ratsschießen teilnehmen konnte. „Mit dem Ratsschießen geht für uns inoffiziell das Schützenfest los“, meinte er zu den bevorstehenden anstrengenden Wochen.
Bei den Ergebnissen wurde festgestellt, dass die Nachfolger von Jörg Hoppe auch beide den Vornamen Jörg tragen, Jörg und Jörg lösten also Jörg ab: Die Ratsscheibe gewann in diesem Jahr Jörg Schneider mit 98,2 Teiler vor Friedrich-Wilhelm Wickboldt (137,6) und Karsten Siekmann (242,0). Bei der Schützenscheibe konnte sich auch ein Germane durchsetzen. Jörg Neitzel (28,4) gewann mit einem tollen Schuss vor Jörg Schneider (53,2) und Irana Hoppe (135,8).
Allen Gewinnern und Platzierten wurde nach Schützenart ein kräftiges und dreifaches „Gut Schuss“ skandiert und anschließend stärkten sich die Teilnehmer bei einem Vesper und Gesprächen, wie schwer es doch ist, das Schwarze der Scheiben, die in 50m Entfernung stehen, zu treffen. Jetzt schauen alle auf die nächsten Wochen, die mit den Schießwettbewerben der Schützengesellschaft und den abschließenden Planungen bis zum Schützenfest zumindest für die Schützen kaum Zeit zum Luftholen bieten.