Rat beschließt Kompromiss zu Ortsfriedhöfen

Der Friedhof in Heeßel steht bald allen Burgdorfern offen. (Foto: privat)

Auch auf den Dörfern sollen sich alle Burgdorfer bestatten lassen können / Nur wenige Gegenstimmen

Burgdorf (fh). In der Debatte um die Ortsfriedhöfe hat der Burgdorfer Rat bei seiner jüngsten Sitzung einen Kompromiss beschlossen. Demnach sollen sie künftig nicht mehr den Bewohnern des jeweiligen Dorfes vorbehalten sein, sondern prinzipiell allen Burgdorfern offen stehen. Jeder kann also selbst entscheiden, wo er sich oder seine Angehörigen bestatten lassen möchte.
Die drei Ortsteile mit eigenem Ortsrat Ramlingen/Ehlershausen, Otze und Schillerslage bekommen in dieser Frage aber ein Veto-Recht. Wenn sie wollen, können sie also auch an der bisherigen Regelung festhalten und ihre Friedhöfe weiterhin für die eigenen Bewohner reservieren. Das ist vor allem ein Zugeständnis an Schillerslage. Denn dort gibt es erhebliche Vorbehalte gegen eine generelle Öffnung, während die Ortsräte in Ramlingen/Ehlershausen und Otze signalisiert haben, dass sie die Neuregelung mittragen würden.

Stadt soll Auslastung jährlich prüfen


Auf den Friedhöfen in Heeßel, Beinhorn, Dachtmissen und Weferlingsen wird hingegen automatisch die neue Satzung der Stadt greifen. Dort können sich künftig also grundsätzlich alle Burgdorfer bestatten lassen. Denn diese Dörfer haben keinen Ortsrat, der eine abweichende Regelung beschließen könnte. Sie werden jeweils von einem Ortsvorsteher vertreten, der aber nicht direkt gewählt ist.
Die Ortsvorsteher hatten sich in den Wochen zuvor vehement gegen eine Öffnung ihrer Friedhöfe ausgesprochen. Sie äußerten die Sorge, dass es die kleinen Dorffriedhöfe überlasten könnte, wenn sich dort künftig zu viele Burgdorfer aus der Kernstadt bestatten lassen wollten. Der Kompromiss sieht deshalb vor, dass die Stadtverwaltung einmal jährlich auch in Rücksprache mit den Ortsvorstehern prüfen soll, ob der Platz weiterhin langfristig ausreiche. Sobald sich abzeichne, dass es auf einem Friedhof zu eng werden könne, solle sie notfalls einen Riegel vorschieben und die Bestattung Ortsfremder wieder unterbinden.

Friedhöfe sind nicht mehr kostendeckend

Die Mehrheit der Kommunalpolitiker hält dieses Szenario aber für unwahrscheinlich. Auslöser für die Diskussion waren ursprünglich gerade die gegenteiligen Befürchtungen: Auf allen Friedhöfen der Stadt Burgdorf bleiben immer mehr Flächen frei, weil sich die Menschen zusehends für Urnenbestattungen mit deutlich kleineren und günstigeren Grabstellen oder Gemeinschaftsanlagen wie die BaumOasen entscheiden.
Zu diesem Ergebnis kam auch der Friedhofsentwicklungsplan, den die Landschaftsarchitekten vom Büro Planrat 2019 im Auftrag der Stadt erstellten. Hinzu komme die Konkurrenz durch den Friedwald in Uetze und den Ruheforst im Deister. Eine Überbelegung drohe demnach im Moment nirgends. Weil die Pachteinnahmen durch diese Entwicklung sinken, kann die Stadt ihre Friedhöfe längst nicht mehr kostendeckend betreiben, sondern muss kräftig draufzahlen.
Vor diesem Hintergrund brachte die SPD bereits im vergangenen Frühjahr einen Antrag in den Rat ein, die Ortsfriedhöfe für alle Burgdorfer zu öffnen. Und auch die Stadtverwaltung unterstützte das Ansinnen und formulierte dazu sogar einen eigenen detaillierten Beschlussvorschlag. Während er in Ramlingen/Ehlershausen und Otze auf ein positives Echo stieß, lehnte der Ortsrat Schillerslage ihn strikt ab. Nachdem sich bei einer Ausschusssitzung im Dezember dann auch die Ortsvorsteher geschlossen dagegen stellten, fiel der SPD-Antrag bei der anschließenden Abstimmung durch.

CDU und FDP stimmen nicht einheitlich ab

Daraufhin verständigte sich die bisherige Mehrheitsgruppe aus SPD, Bündnis 90/Die Grünen, WGS und Freien Burgdorfern auf eine gemeinsame Linie und legte einen Änderungsantrag vor, der den Kritikern in einigen Punkten entgegenkommt. Bei der Sitzung des Verkehrsausschusses hatte dieser Vorschlag noch für dicke Luft gesorgt und die CDU/FDP-Gruppe stimmte geschlossen dagegen. Die Friedhöfe seien Teil der Dorfkultur, die es zu bewahren gelte. "Die Entscheidung, ob sie geöffnet werden, sollte deshalb Sache der Ortsteile sein, ob nun mit oder ohne Ortsrat", forderte CDU-Ratsherr Barthold Plaß.
Doch bei der Ratssitzung gab die Gruppe die Abstimmung dann frei. Ihre Mitglieder positionierten sich nicht einheitlich: Während Barthold Plaß ebenso wie seine Parteikollegin Beate Neitzel und FDP-Ratherr Karl-Ludwig Schrader erneut dagegen stimmten, trugen die meisten Mitglieder der CDU/FDP-Gruppe den Änderungsantrag der Mehrheitsgruppe nun mit. "Wir haben uns den Vorschlag in der Zwischenzeit noch einmal genau angeguckt und eingehend diskutiert", sagte der Gruppensprecher Klaus Köneke, selbst Ortsvorsteher von Beinhorn, gegenüber dieser Zeitung. Er könne den Kompromiss vor allem deshalb mittragen, weil die Stadtverwaltung in Rücksprache mit den Ortsvorstehern jährlich prüfen werde, ob eine Überlastung der kleinen Friedhöfe drohe.

Bürgermeister trägt Vorschlag mit


Auch Bürgermeister Armin Pollehn stimmte im Rat für den Änderungsantrag. Im Verkehrsausschuss hatte er ihn noch kritisiert, weil er ein Ungleichgewicht zwischen den Ortsteilen mit und denen ohne Ortsrat schaffe. Stattdessen hatte er für einen eigenen Kompromissvorschlag geworben. Demnach sollten nur die Friedhöfe in Ramlingen/Ehlershausen und Otze geöffnet werden, wo sich die Ortsräte explizit dafür ausgesprochen hatten. Das wiederum war der SPD zu wenig. "Damit würde im Wesentlichen den Status quo aufrechterhalten werden", begründete SPD-Ratsherr René Arand.
Dabei seien die Gemarkungsgrenzen und somit auch die Zuordnung zu den Ortsfriedhöfen oft willkürlich. Am Ahrbergenweg gehöre beispielsweise ein Haus noch zu Heeßel, das nächste bereits zur Burgdorfer Weststadt. "Das ist für die Betroffenen nicht nachvollziehbar", so Arand. Oberste Ziel müsse es sein, für alle Bürger möglichst kurze Wege zu den Friedhöfen zu gewährleisten.