Ramlinger Waldbad soll Naturschwimmbad werden

Alfred Baxmann schenkte der Fördervereins-Versammlung „naturreinen“ Wein ein: „Die Stadt steht für etwaige Kreditschulden nicht zur Verfügung.“ (Foto: Georg Bosse)

Förderverein hat ein alternatives „Rettungspaket“ geschnürt

RAMLINGEN/EHLERSHAUSEN (gb). Das Waldbad Ramlingen ist in die Jahre gekommen. Die 1939 gebaute Anlage entspricht schon längere Zeit nicht mehr dem heutigen Stand der (Hygiene-)Technik, genügt keinesfalls mehr den aktuellen sicherheitstechnischen Ansprüchen und weist auch noch andere Defizite auf. Ein von den Burgdorfer Stadtwerken in Auftrag gegebenes Gutachten ermittelte einen Sanierungskostenaufwand von rund 645.000 Euro (der MARKTSPIEGEL berichtete). Diese Summe können weder die Stadt noch der seit fünf Jahren aktive Förderverein „Waldbad Ramlingen“ wuppen. Deshalb schaute sich der Verein nach alternativen Möglichkeiten zum Erhalt der Anlage um, um am vergangenen Mittwochabend im Landgasthof Voltmer in Ramlingen einen Gegenentwurf vorzustellen.
Die Präsentation des „Rettungspakets“ vor über 80 Interessierten übernahm das Vorstandsmitglied des Fördervereins, Ingo Matthies. Dieses Paket sieht die Übernahme des Waldbades von den Wirtschaftsbetrieben Burgdorf (WBBB) durch den Fördererein vor. Danach ist geplant, die Zukunft des Ramlinger Freibades mit gehörigen Eigenleistungen, vielen Spenden sowie einer Kreditaufnahme in Höhe von etwa 250.000 Euro sicherzustellen. Am Ende soll dann ein selbstreinigendes Naturschwimmbad mit biologischer Wasseraufbereitung entstanden sein. Dazu wurde ein Gesamtfinanzierungsbedarf von zirka 400.000 Euro angenommen, der sich aus Eigenleistungen (7.500 Euro), Spenden (7.500 Euro) und einem Bankdarlehen (250.000 Euro) mit 20-jähriger Laufzeit zusammensetzen würde.
Zur Machbarkeit sagte Ingo Matthies: „Der Fachbereich „Umweltamt“ sowie die Regionsteams „Gewässerschutz“ und „Hygiene“ sehen ebensowenig Probleme wie die „Untere Naturschutzbehörde“ und das Bauamt Burgdorf. Darüber hinaus hat uns die Eigentümerin des Nachbargrundstücks ihr Einverständnis gegeben und stellt eine Fläche für den bepflanzten Regenerationsbereich (Filterbereich) zur Verfügung.“ Den Betrieb des möglichen Naturbades mit Badeaufsicht, Reinigung und Pflege der Anlage wolle der Förderverein mit seinen derzeit 161 Mitgliedern übernehmen, sagte Ingo Matthies.
Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann bestätigte Matthies`Aussage, dass die Stadt bereit wäre, den bereits gewährten Zuschuss von jährlich 30.000 Euro für weiter 20 Jahre zu zahlen. „Dafür gibt es bei allem Vorbehalt positive Signale aus der Politik“, fügte der Verwaltungschef hinzu. Dennoch müsse um das Vertrauen der Ratsmitglieder in die Verlässlichkeit des Vereins gerungen werden, so Ortsbürgermeister Klaus-Dieter Walter. Weil aber die Stadt in den kommenden Jahren mit einem Haushaltsdefizit leben müsse, sei zur Finanzierung eine haushaltstechnische Absicherung gegenüber der Kommunalaufsicht unumgänglich, machte Baxmann klar: „Die Stadt wird auf keinen Fall für etwaige Kreditschulden eintreten.“ Dieses unmissverständliche Bürgermeister-Statement rief einige Unmutsäußerungen bei den Anwesenden hervor.
Während Vergleiche zur milliardenschweren Bankenrettung gezogen wurden und die kostenträchtige aber sinnvolle Existenz des zentralen Hallenfreibades in der Kernstadt gegenüber den Erhalt des Ramlinger Waldbades ausgespielt wurde, meinte der Vorsitzende des SV Ramlingen/Ehlershausen, Jürgen Stern: „Die angenommene Spendensumme ist recht optimistisch. Aber vielleicht ist es möglich, in dieser wohlhabenden Ortschaft „warmherzige“ Zuwendungen einzuwerben.“ Und was sagte der WBB-Geschäftsführer Rüdiger Funke: „Respekt für dieses Bürgerengagement. Die vorgestellten Zahlen sind belastbar und dieses „Rettungspaket“ der einzig gangbare Weg.“
Die Versammlung schloss mit einem einstimmigen Votum für den Erhalt des Waldbades mit künftig biologischer Wasseraufbereitung.