Politiker für Lärmschutzwand

Entlang der B188 (im Hintergrund) soll eine Lärmschutzwand errichtet werden, um das Neubaugebiet abzuschirmen.
 
Nördlich der Weserstraße soll ein neues Baugebiet entstehen.

Neubaugebiet zwischen Weserstraße und B188: Stadt will Grundstücke Anfang 2022 verkaufen / Besitzer des angrenzenden Wäldchens meldet sich zu Wort

BURGDORF (fh). Eine begrünte Lärmschutzwand entlang der B188 soll das geplante Baugebiet nördlich der Weserstraße von den Verkehrsgeräuschen abschirmen. Das haben die Mitglieder des Verwaltungsausschusses vergangene entschieden und sind damit der der einstimmigen Empfehlung des Bauausschusses gefolgt. Auf dieser Basis wird die Stadt jetzt einen Bebauungsplan für das Gebiet aufstellen. "Ende 2021 oder Anfang 2022 können wir die Grundstücke dann voraussichtlich verkaufen", sagte Insa Borchers, die Leiterin der Stadtplanungsabteilung. Dort sollen dann etwa 25 Einfamilienhäuser oder Doppelhaushälften von privaten Bauherren und einige Mehrfamilienhäuser von Investoren errichtet werden.
Bereits im September hatte sich im Bauausschuss eine Tendenz zur Lärmschutzwand abgezeichnet. Doch die Vertreter der Mehrheitsgruppe wollte noch mal intern darüber beraten, sodass die Abstimmung vertagt wurde. Als Alternative war ein Lärmschutzwall im Gespräch; außerdem hätten rund 70 Meter lange dreistöckige Mehrfamilienhäuser entlang der Bundesstraße als Bollwerk gegen den Lärm fungieren können. Diesen beiden Varianten erteilten die Politiker jetzt eine Absage und entschieden sich stattdessen für eine rund 500 Meter lange und etwa fünf Meter hohe begrünte Lärmschutzwand. Sie kostet rund 550.000 Euro, die auf die Grundstückspreise umgelegt werden. Für die Pflege im Wert von 7.000 Euro pro Jahr wird die Stadt aufkommen.
Die Mitglieder des Bauausschusses setzten außerdem ihre Diskussion über den Baumbestand am östlichen Grundstücksrand fort. Er wird offiziell als Wald eingeordnet, sodass eigentlich ein Mindestabstand von 100 Metern einzuhalten wäre, mit Sondergenehmigung von 35 Metern. Doch die Stadt würde mit dem geplanten Neubaugebiet gerne näher heranrücken und will den Wald deshalb in Rücksprache mit dem Eigentümer auf dem Papier in eine private Grünfläche umwandeln. Vor allem Simone Heller hatte bei der Sitzung im September die Sorge geäußert, dass das dem Eigentümer Tür und Tor öffnen könnte, die Bäume zu fällen.
Auch Anfang November war das noch einmal Thema. Ganz am Ende der Sitzung in der Einwohnerfragestunde meldete sich dann überraschend der Waldbesitzer selbst zu Wort. Er hatte die ganze Debatte von einem der Besucherstühle aus verfolgt, sich aber erst am Schluss zu erkennen gegeben. "Der Erhalt des Baumbestandes liegt mir sehr am Herzen", beteuerte er. Deshalb habe er ihn vor ein paar Jahren überhaupt erworben. "Der Vater eines Freundes war begeisterter Hobby-Förster und hat ihn vor rund 60 Jahren nach seinen eigenen Vorstellungen angelegt. Eine professionelle Baumschule ist das nie gewesen, ebenso wenig wie ein forstwirtschaftlich genutzter Wald", betonte er.
Wenn ihm aber so viel an dem Erhalt des Baumbestandes liegt, warum will er der Stadt dann keine Bestandsgarantie geben, wie es sich einige Politiker wünschen? "Das kann im Moment niemand. Die Bäume haben unter der Trockenheit der vergangenen beiden Sommer schon sehr gelitten; in diesem Jahr hatten wir ein massives Buchensterben", schildert der Waldbesitzer. Er wolle sich aber in jedem Fall weiter mit großem Engagement für seine Bäume einsetzen - auch wenn sie künftig nicht mehr als Wald gelten.