Politik nicht grundsätzlich gegen Biogasanlage in Hülptingsen

Während Harald Baumgarten (2. v.re.) bereits Widerstand gegen die geplante Biogasanlage in Hülptingsen organisiert, herrscht bei den Kommunalpolitikern Maria Leykum (Bündnis`90/Grüne), Anette Gilke und Rudi Alker (v. li.) noch Nachdenklichkeit. (Foto: Georg Bosse)

„Wir stehen erst am Anfang eines Meinungsbildungsprozesses“

BURGDORF (gb). Sieben Landwirte planen in Hülptingsen eine zirka zwei Hektar große Biomethangasanlage. Dagegen regt sich Widerstand, dem rund 40 Hülptingser Bürger mit ihrer Anwesenheit auf der jüngsten Sitzung des Umwelt- und Verkehrsausschusses präsenten Nachdruck verliehen. Die Anlagengegner befürchten durch den südöstlichen Standort am Ortsrand massive Geruchsbelästigungen und in der Folge eine Entwertung ihrer Grundstücke und Gebäude.
In einem sich erhitzenden Informationsaustausch trat AKEB-Sprecher und Büromarktinhaber Harald Baumgarten als „Sprecher“ der Protestler auf. Er habe bei einem unangemeldeten Besuch in Ronnenberg, wo eine vergleichbare Biogasanlage in Betrieb sei, „ekeligen, süßlichen Geruch“ wahrgenommen. Diese Darstellung forderte Hermann Haller und Eckehardt Baumgarte, zwei von drei Betreibern der Ronnenberger Anlage und (Geschäfts-)Partner der Stadtwerke Hannover, zu einer verärgerten Gegenrede heraus. „Aufgescheucht durch einen Artikel in der hiesigen Tageszeitung sind wir heute nach Burgdorf gekommen, um Ihnen zu sagen, in Ronnenberg stinkt es nicht. Wir laden alle Beteiligten gerne zu einer Begehung unserer Biogaslange ein. Der Bericht ist eine lügnerische Darstellung der Situation in Ronnenberg.“ Das konnte Petra Baumgarten natürlich nicht auf sich sitzenlassen und verbat sich die „unverschämte Unterstellung einer Lüge.“ Unterstützung erhielt sie von anderen Hülptingsern, die ebenfalls bereits in Ronnenberg „geschnuppert“ hatten.
Die Emotionen waren hochgekocht, obwohl Burgdorfs Bauamtsleiter Hendrik Trappmann kurz zuvor mit nüchternden Zahlen und Fakten aufgewartet hatte. „Eine Biogasanlage mit einer Leistung von 1,5 Megawatt, wie in Hülptingsen vorgesehen, erzwingt eine Bauleitplanung, was bedeutet, dass es ohne einen Bebauungsplan keine Anlage gibt. Der Standort würde sich rund 200 Meter östlich des Landschaftsschutzgebietes und der Trinkwasserbrunnen befinden. Die Abstände zum Gewerbegebiet würden etwa 550 Meter sowie zum Wohnbaugebiert zirka 1.000 Meter betragen. Eine von der Stadt begleitete Bebauungsplanung könnte auch Vorgaben bezüglich der Inhaltsstoffe machen“, so Trappmann anhand einer Katasterkarte.
Heinrich Bethmann jun., Hülptingser Bauer und möglicher Mitbetreiber der Biogaslage, versicherte, dass man keine genmanipulierte Mais-Monokultur schaffen und nur geschätzte fünf bis 10 Prozent Gülle aus dem eigenen Viehbestand verwenden wolle. „Flüssig-Gülle und Festmist werden nach der Anlieferung sofort in luftdichte Behälter gepumpt“, betonte Bethmann.
„Solche Anlagen miefen“, meinte Michael Fleischmann (Die Linke), der an den „gesunden Menschenverstand“ appellierte, derartige Betriebe nicht in der Nähe von Wohngebieten ansiedeln zu lassen. „Wir stehen erst am Anfang eines Meinungsbildungsprozesses“, sagte die ausschussleitende Maria Leykum (Bündnis`90/Grüne), die sich ebenso wenig grundsätzlich gegen die Biogasanlge in Hülptingsen ausprach, wie Anette Gilke, Rudolf Alker (beide SPD), Walter Degenhard, Paul Rohde (beide CDU), Dieter Lüddeke (FDP) oder Gabriele Heldt (WGS). Um zu einem endgültigen Beschluss zu gelangen, müssten zuerst weitere Informationen eingeholt, Besichtigungen von gleichartigen Anlagen durchgeführt und/oder ein eventuelles Luftverunreinigungsgutachten einbezogen werden.