Planungsbüro rät zu neuer Brücke

Eine Machbarkeitsstudie empfiehlt, die Hochbrücke durch einen Neubau zu ersetzen.
 
Für einen Brückenneubau an der jetzigen Stelle wäre in diesem Bereich eine Vollsperrung für ein bis anderthalb Jahre nötig.

Baukosten würden sich laut Machbarkeitsstudie auf rund 6,5 Millionen Euro belaufen

Burgdorf (fh). Die Kommunalpolitiker und die Verwaltung beraten über die Zukunft der Hochbrücke am Finanzamt. Die Ingenieurgesellschaft Schüßler-Plan rät ihnen, mittelfristig einen Neubau ins Auge zu fassen. Das Unternehmen hat im Auftrag der Stadt eine Machbarkeitsstudie erstellt und die Ergebnisse am Dienstagabend im Verkehrs­ausschuss präsentiert. Demnach würde eine neue Brücke rund 6,5 Millionen Euro kosten. Etwa 65 Prozent davon könnte das Land beisteuern, sodass die Stadt selbst nach jetzigem Stand grob geschätzt zweieinhalb Millionen Euro tragen müsste. Ein klares Votum haben die Politiker im Verkehrs­ausschuss noch nicht abgegeben. Die CDU meldete Beratungsbedarf an – Anfang des neuen Jahres soll das Thema wieder auf die Tagesordnung kommen.
Die Hochbrücke stammt aus dem Jahr 1974 und hat ihr potenzielles Höchstalter noch lange nicht erreicht. Bei einer rechnerischen Lebensdauer von rund 70 Jahren könnten auf ihr noch bis 2044 Autos über die Bahnschienen rollen. Doch es sei völlig ungewiss, ob sie tatsächlich so lange halte, warnt Ingenieur André Hörmeyer von Schüßler-Plan. Denn wie bei vielen anderen Brücken aus dieser Zeit bestehe das Risiko einer sogenannten Spannungsrisskorrosion. Dabei rosten Stahlelemente im Innern und es bilden sich Risse im Beton.
Im schlimmsten Fall könne dieses Phänomen sogar zum Einsturz einer Brücke führen. In diesem Punkt gab Hörmeyer aber Entwarnung: „In Burgdorf besteht keine Gefahr, dass die Konstruktion ohne Vorankündigung schlagartig reißt und herunterfällt“, stellte er klar. Sollte der Stahl im Inneren tatsächlich rosten, werde sich das rechtzeitig bei den regelmäßigen Bauwerksprüfungen bemerkbar machen.
Wenn sich Politiker und Verwaltung gegen einen Neubau entscheiden, müssten in den nächsten Jahren zumindest alterstypische Schäden beseitigt werden. So sei beispielsweise eine Fahrbahnerneuerung nötig, ebenso wie der Austausch einiger Bauteile. Eine solche Sanierung wäre mit rund 750.000 Euro deutlich günstiger.
Das Risiko einer Spannungsrisskorrosion werde dadurch aber nicht beseitigt. Sie könne danach trotzdem jederzeit auftreten. „Es ist also fraglich, ob man jetzt das Geld für eine Sanierung in die Hand nehmen will, wenn man im schlechtesten Fall ein paar Jahre später doch einen Neubau bräuchte“, argumentierte Hörmeyer. Aufgrund des hohen Risikos seien Neubau und Sanierung trotz des erheblichen Preisunterschieds wirtschaftlich gleichwertig.
Wenn der Neubau jetzt vorangetrieben werde, könne er bis 2026 fertiggestellt werden, stellt Hörmeyer in Aussicht. Er plädiert dafür, ihn an der gleichen Stelle zu errichten wie die jetzige Brücke. Viel Spielraum bleibe aufgrund des alten denkmalgeschützten Friedhofs im Norden und des Rathauses V im Süden ohnehin nicht. Eine leichte Verschwenkung in südlicher Lage sei zwar prinzipiell möglich, führe aber zu deutlich höheren Kosten und bringe zwei S-Kurven und weitere Probleme mit sich.
Aber auch ein Bau in bestehender Lage habe seine Tücken: Denn er könnte erst beginnen, nachdem die jetzige Brücke abgerissen ist. „Deshalb wäre auf diesem Teil der Marktstraße mit einer Vollsperrung von ein bis anderthalb Jahren zu rechnen“, so Hörmeyer. Während dieser Zeit würden Autofahrer in Burgdorf nur noch auf der B188 über die Bahnschienen kommen.
Darüber äußerte sich Bürgermeister Armin Pollehn besorgt. „Wir würden damit die Aorta der Herzkammer unserer Stadt kappen“, sagte er. Denn schon jetzt seien sowohl die Marktstraße als auch die B188 morgens und abends während des Berufsverkehrs verstopft. „Wenn sich bei einer Vollsperrung der Marktstraße der gesamte Verkehr auf die Umgehungsstraße verlagern würde, würde sich die Situation massiv verschärfen“, so Pollehn.
In diesem Zusammenhang brachte er die Möglichkeit ins Spiel, eine weitere Brücke über die Bahnschienen zu bauen. Tiefbauamtsleiter Rainer Herbst nannte als mögliche Standorte Ahrbeck sowie den Bereich des Höhenwegs. Allerdings sei beides nicht unproblematisch und müsse genau untersucht werden. Er plädierte dafür, dieser Frage im Mobilitätskonzept nachzugehen, das die Stadt noch dieses Jahr in Auftrag geben will.
Wichtig sei es in jedem Fall, das Thema bald anzugehen und nicht auf die lange Bank zu schrieben. Schließlich könne es in der Brücke jederzeit zu einer Spannungsrisskorrosion kommen. „Falls wir das bei einer Routinekontrolle feststellen, kann es erforderlich sein, die Brücke ad hoc für schwere Fahrzeuge oder sogar komplett zu sperren“, warnte Herbst und fügte hinzu: „Wenn wir dann noch keinen Plan in der Schublade haben, reden wir dabei nicht mehr von ein bis anderthalb, sondern locker von drei bis vier Jahren Sperrzeit!“

Pläne für den Neubau

Die jetzige Brücke ist der Machbarkeitsstudie zufolge mit einer Länge von rund 190 Metern und einer Breite von 18 Metern für die heutige Nutzung überdimensioniert. „Ursprünglich war sie für vier Fahrstreifen konzipiert“, erläutert Hörmeyer. Der Ingenieur schlägt deshalb vor, einen Neubau mit rund 80 Metern Länge und etwas über zehn Metern Breite zu planen. Durch die Verkürzung würde ein Teil der Parkplätze unter der Brücke voraussichtlich entfallen. Im Zuge eines Neubaus könne auch die Radwegverbindung verbessert werden und zumindest in einer Richtung über die Brücke geführt werden.