Personalnot in der Kita Otze

Eltern halten an der Otzer Kita eine Mahnwachse ab. (Foto: privat)

Zum 1. April sind sieben Stellen unbesetzt / Eltern kritisieren Verwaltung

Burgdorf (fh). In der städtischen Kindertagesstätte (Kita) in Otze fehlen derzeit viele Erzieher: Von den 24 Stellen für pädagogische Mitarbeiter sind mit Stand zum 1. April sieben nicht besetzt. „Aufgrund des Personalmangels ist im Betreuungsangebot in der Einrichtung weiterhin mit Einschränkungen zu rechnen“, bestätigt die Stadt auf Anfrage. Eine zusätzliche Krippengruppe mit 15 Plätzen, die nach Fertigstellung des Erweiterungsbaus im vergangenen Jahr eingerichtet werden sollte, konnte deshalb noch gar nicht starten. „Die Stadt Burgdorf arbeitet derzeit unter Hochdruck an einer Lösung“, versichert Stadtsprecher Sebastian Kattler.

Eltern halten Mahnwache ab

Die Personalnot ist auch dadurch entstanden, dass allein seit August 2020 vier Fachkräfte aus der Einrichtung bei der Stadt ihre Kündigung eingereicht haben sowie eine weitere mit Wirkung zum Sommer – deutlich mehr als in anderen städtischen Kitas. Nur sieben Personen sind bereits länger als fünf Jahre dort tätig. Der Elternrat der Kita Otze gibt der Stadt eine Mitschuld an der Situation. So gebe es sowohl im Alt- als auch im Erweiterungsbau noch viele Baumängel und technische Probleme, die die Abläufe in der Kita erschwerten.
Gleichzeitig hätten die Mitarbeiter mangelnde Wertschätzung vonseiten der Verwaltung beklagt und sich nicht ernst genommen gefühlt. „Entweder werden ihre Gesprächsanliegen komplett ignoriert oder von den Verantwortlichen bagatellisiert“, so der Elternvertreter Fabian Schwelgin. All das habe zu einer großen Unzufriedenheit und letztlich zu den Kündigungen geführt. Kita-Leiter Anias Ruff nimmt er hingegen in Schutz. „Er ist fachlich versiert, engagiert und macht einen tollen Job. Er ist definitiv nicht Teil des Problems“, betont Schwelgin.
Unter Einhaltung der Corona-Regeln haben sich am vergangenen Dienstag rund 50 Eltern mit ihren Kindern zu einer Mahnwache vor der Einrichtung versammelt, um ihren Unmut zum Ausdruck zu bringen und von der Verwaltung Verbesserungsmaßnahmen zu fordern. Zur gleichen Zeit trafen sich Bürgermeister Armin Pollehn und weitere Vertreter der Verwaltung mit der Kita-Leitung und den Mitarbeitern zu einer Dienstbesprechung, um die Situation zu erörtern. Zu den Ergebnissen des Gesprächs wollte sich Stadtsprecher Sebastian Kattler noch nicht öffentlich äußern. „Darüber sollen im ersten Schritt die Eltern informiert werden“, begründete er.
Am Mittwochvormittag hatte Elternsprecher Fabian Schwelgin nach eigenem Bekunden zwar noch keine inhaltlichen Rückmeldung erhalten, zeigte sich aber insgesamt zufrieden. „Ich werte es als positives Zeichen, dass der Bürgermeister persönlich an der Besprechung teilgenommen hat. Ich habe den Eindruck, dass unsere Anliegen angekommen sind“, sagte er.

Erweiterungsbau 2020 fertiggestellt

Auch die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, SPD-Ratsfrau Christiane Gersemann, nahm am Dienstag an dem Gespräch teil. „Wir haben doch alle das gleiche Ziel und sollten jetzt an einem Strang ziehen, um die bestehenden Probleme in Otze zu lösen“, betont sie. Sie bedauere die Situation, appellierte aber zugleich an die Beteiligten, nicht in Alarmismus zu verfallen und nur noch das Negative zu sehen.
Das könne das Image der Einrichtung massiv beschädigen und es noch schwerer machen, neues Personal zu finden. Dabei tue die Stadtverwaltung bereits viel dafür, die Arbeitsbedingungen an den Kitas zu verbessern und die Qualität der Betreuungs- und Bildungsangebote in den Einrichtungen zu steigern.
Und gerade in Otze gebe es durchaus auch Grund zur Freude. Denn im Frühjahr 2020 ist nach etwa einem Jahr Bauzeit der Erweiterungsbau für die Kita fertiggestellt worden. Anstatt ihn wie ursprünglich geplant erst zusammen mit Grundschule und Sporthalle zu realisieren, hatte die Stadtverwaltung die Maßnahme vorgezogen. So sind Mitarbeiter, Kinder und Eltern auch um eine langwierige Übergangslösung mit Containern herumgekommen. „Es ist gelungen, nicht nur die erforderliche Erweiterung zu realisieren, sondern auch noch den Bestand mit zu sanieren“, hebt die Verwaltung hervor. Damit sei ein Gebäude realisiert worden, das einen wichtigen Baustein für eine qualitativ hochwertige Bildungsarbeit darstelle und in dem das pädagogische Konzept räumlich umgesetzt werde.
Das stellt auch Schwelgin nicht in Abrede. „Es wurde da extrem viel geleistet und etwas sehr Gutes geschaffen. Das honorieren wir auch“, beteuert er. Umso mehr bedauere er, dass dieser Meilenstein angesichts von Kündigungen, Personalengpässen und weiterer Probleme derzeit bei den Eltern etwas aus dem Blick gerate.

Um welche Baumängel geht es?

Einen vom Elternrat angeführten Vorfall bestätigt die Stadt: Anfang des Jahres ist die Innenscheibe eines Dachflächenfensters (Oberlicht) im Flur des Altbaus während des Betriebs geplatzt und heruntergefallen. „Glücklicherweise ist dabei niemand zu Schaden gekommen“, betont Kattler. Die verbleibenden Dachflächenfenster seien daraufhin umgehend überprüft worden. Das defekte Dachflächenfenster habe man gesichert und werde es zeitnah durch ein neues ersetzen.
Bei den beiden anderen vom Elternrat angeführten Mängeln widerspricht die Stadt hingegen: So kritisiert Schwelgin, dass es durch einige der Dachflächenfenster hereinregne. Laut Verwaltung handelt es sich dabei nicht um Regen, der von außen eindringe, sondern um Kondenswasser, das sich innen an der Scheibe bilde, wenn die wame Raumluft mit der kalten Fensterscheibe in Berührung komme. Das sei kein Baumängel, sondern bei extremer Kälte nicht zu vermeiden.
Als dritten Punkt führt Schwelgin im offenen Brief an, dass sich Türen nicht richtig schließen oder öffen ließen. Die Verwaltung weiß nach eigenenen Angaben nur von Problemen mit der Automatiktür im Windfang. „Bei der Inbetriebnahme gab es Anlaufschwierigkeiten, die im Wesentlichen auf ein defektes Bauteil zurückzuführen waren“, so Kattler. Am 4. März sei die Tür dann aber mangelfrei abgenommen worden.