Paul und Pollehn in der Stichwahl

Die Leiterin der Hauptabteilung Silke Vierke und Sebastian Kattler vom Bereich Öffentlichkeitsarbeit rufen die aktuellen Ergebnisse ab und schicken sie an den Drucker. Bürgermeister Alfred Baxmann (Mitte) schaut ihnen über die Schulter.
 
Jubel bei der SPD: Die Parteimitglieder freuen sich, dass es ihr Kandidat Matthias Paul (ganz rechts) in die Stichwahl geschafft hat.

Bei der Bürgermeisterwahl hat am Sonntag keiner der sieben Kandidaten die absolute Mehrheit erreicht / Entscheidung am 16. Juni

BURGDORF (fh). Die Burgdorfer Bürgermeisterwahl geht in die zweite Rund: Im ersten Wahlgang am Sonntag haben sich der CDU-Kandidat Armin Pollehn und der SPD-Kandidat Matthias Paul gegenüber den anderen fünf Bewerbern durchgesetzt. Am Sonntag, 16. Juni, werden sie nun in einer Stichwahl gegeneinander antreten.
Im ersten Wahlgang haben 16.205 der 24.894 Wahlberechtigten ihre Stimme abgegeben. Die Wahlbeteiligung lag damit bei 65,6 Prozent - also deutlich höher als bei der vorherigen Bürgermeisterwahl im Jahr 2011, an der sich nur 54,3 Prozent beteiligten. Armin Pollehn hat mit 26,2 Prozent der Stimmen das beste Ergebnis erreicht, dicht gefolgt von Matthias Paul mit 24,0 Prozent. Um sich schon im ersten Wahlgang durchzusetzen, hätten sie aber eine absolute Mehrheit benötigt, also mehr als 50 Prozent der gültigen Stimmen. Davon sind beide weit entfernt.
Im Stadtgebiet liegt Paul hauchdünn mit 23 Prozent gegenüber Pollehn mit 22 Prozent vorne. In fast allen Ortschaften hat sich hingegen Pollehn durchgesetzt, besonders deutlich in Beinhorn, Weferlinsen, Hülptigsen und Schillerslage. Nur in Sorgensen ergibt sich ein ganz anderes Bild: Dort hat sich der Ortsbürgermeister und FDP-Kandidat Dirk Schwerdtfeger an die Spitze gesetzt.
Auch im Gesamtergebnis kann er immerhin 12,1 Prozent der Stimmen für sich verbuchen. Und noch zwei weitere Kandidaten sind auf ein zweistelliges Ergebnis gekommen: Sinja Münzberg (Bündnis 90/Die Grünen) erreichte 16,5 Prozent und Michael Fleischmann (Die Linke) 10,9 Prozent. Der parteilose Bewerber Rüdiger Nijenhof, der im Rat der Fraktion Freie Burgdorfer angehört, erhielt 7,8 Prozent und Marc Müller von der Satirepartei "Die Partei" 2,5 Prozent.
"Das war bei sieben Kandidaten auch nicht anders zu erwarten", urteilt Matthias Paul und fügt hinzu: "Wichtiges Ziel war es, in die Stichwahl zu kommen. Das habe ich erreicht." Während er nüchtern Bilanz zieht, sind viele SPD-Mitglieder, die sich am Wahlabend im Parteibüro versammelt haben, in Feierlaune. Per Beamer werden dort die Ergebnisse an die Wand geworfen. Erscheint ein Wahlkreis, in dem Paul vorne liegt, applaudieren die Anwesenden begeistert.
Gut gelaunt sind auch die Mitglieder der CDU. "Ich freue mich sehr, dass die Burgdorfer mich akzeptiert haben und in mir einen potenziellen Bürgermeister sehen", kommentierte Armin Pollehn. Für die Stichwahl rechne er sich gute Chancen aus. "Das Wahlergebnis macht deutlich, dass die Stadt einen Wechsel will", zeigt er sich überzeugt. Schon am Tag nach der Wahl setzte er sich mit seinem Wahlkampfteam zusammen, "um zu besprechen, wie wir die nächsten drei Wochen gestalten".
Denn nach der Wahl ist vor der Stichwahl. Und bei dem vergleichsweise geringen Abstand sind sowohl Paul als auch Pollehn darauf angewiesen, noch möglichst viele Bürger zu überzeugen, die sich im ersten Wahlgang für einen anderen Kandidaten entschieden haben. "Ich will mich dafür nicht auf eine einzelne Wählergruppe fokussieren, sondern noch einmal auf alle Burgdorfer zugehen und vor allem diejenigen überzeugen, die sich einen Wechsel wünschen", kündigt Pollehn an.
Auch Paul sieht sich nach eigener Aussage als Kandidat für alle Burgdorfer. Mit Blick auf die Stichwahl wolle er aber zusätzlich zu den eigenen Wählern auch ganz besonders diejenigen ansprechen, die sich im ersten Wahlgang für einen anderen Kandidaten der Mehrheitsgruppe entschieden haben, also für Sinja Münzberg oder Rüdiger Nijenhof. "Das gute Ergebnis der Grünen-Kandidatin lässt sich nicht nur aus dem Bundestrend erklären. Es zeigt auch, dass sich viele Burgdorfer wünschen, dass ökologische Themen mehr in den Mittelpunkt rücken", resümiert Paul. Daraus wolle er seine Konsequenzen ziehen und das stärker aufgreifen.
Sowohl Sinja Münzberg als auch Dirk Schwerdtfeger werten ihre Ergebnisse als Achtungserfolg, hatten sich aber noch mehr Stimmen erhofft. "Ich bin erst spät eingestiegen; die anderen hatten einen erheblichen Vorsprung. Da sind mehr als 2500 Stimmen ein toller Erfolg", sagt Münzberg, die aber vor der Wahl selbstbewusst das Erreichen der Stichwahl als Ziel ausgegeben hatte.
Auch FDP-Kandidat Dirk Schwerdtfeger hat erst im März seinen Hut in den Ring geworfen. "Wir haben dann noch einen tollen Sprint hingelegt und viel Zuspruch erhalten", resümiert der Parteivorsitzende Mario Gawlik. Schwerdtfeger hat derweil schon die nächste Kommunalwahl in zwei Jahren im Blick. Er hoffe, dann ein weiteres Ratsmandat für die FDP zu erringen. "Ich werde weiterhin scharfe Kante zeigen. Burgdorf liegt mir viel zu sehr am Herzen, als dass ich jetzt aufhöre", sagt er.