Patientenwille bei Corona

Verbraucherzentrale Niedersachsen informiert über Rechtslage

Region (r/fh). Wie wirkt sich eine Patientenverfügung aus, wenn sich jemand mit dem Coronavirus infiziert und einen schweren Verlauf der Covid-19-Erkrankung hat? Wird man im Ernstfall beatmetet, auch wenn man in dem Dokument lebensverlängernde Maßnahmen ausschließt? Laut der Verbraucherzentrale Niedersachsen sind viele Menschen diesbezüglich verunsichert.
Gesundheitsexperte Kai Kirchner betont, dass die gängigen Textbausteine einer Patientenverfügung nicht für Covid 19 gelten. Das heißt: Die medizinischen Möglichkeiten würden in jedem Fall ausgeschöpft; niemand müsse befürchten, dass er nicht beatmet werde! Denn die Patientenverfügung beziehe sich in der Regel auf den unmittelbaren Sterbeprozess, das Endstadium unheilbarer Erkrankungen, schwere Gehirnschädigungen und Gehirnabbauprozesse.
Beim Coronavirus könne das nur im Einzelfall bei einem sehr schweren Verlauf oder erheblichen Vorerkrankungen zum Tragen kommen. Wer eine künstliche Beatmung bei Covid 19 prinzipiell ablehnt, sollte darüber nachdenken, ob er seine Patientenverfügung anpasst und dies mit einem Arzt seines Vertrauens besprechen, rät Kirchner. 
Seit einem Urteil des Bundesgerichtshofs aus dem Jahr 2016 ist klar, dass der Ausdruck „keine lebenserhaltenden Maßnahmen zu wünschen“ allein zu ungenau ist. In der Patientenverfügung müssen deshalb die Behandlungssituationen beschrieben und jeweils festgelegt werden, welche lebenserhaltenden Maßnahmen gewünscht oder abgelehnt werden: beispielsweise künstliche Flüssigkeitszufuhr, künstliche Ernährung, künstliche Beatmung, Wiederbelebungsmaßnahmen, Dialyse und Antibiotikagabe.
Damit im Ernstfall rechtliche und finanzielle Angelegenheiten von einer bestimmten Person oder von mehreren Personen übernommen werden können, ist eine Vorsorgevollmacht empfehlenswert. Weder der Ehepartner noch Kinder sind dazu automatisch berechtigt. Mit einer Bevollmächtigung im gesundheitlichen Bereich wird eine Vertrauensperson bestimmt, die mit den Ärzten sprechen und die Wünsche und Vorstellungen des Betreffenden vertreten kann.
Bei Fragen hilft die Beratung der Verbraucherzentrale Niedersachsen. Informationen und Preise sind verfügbar auf der Internetseite www.verbraucherzentrale-niedersachsen.de/fuer-sie-da.