Online bestellen - vor Ort einkaufen

Freuen sich auf den neuen digitalen Marktplatz: Inga Ali von der Edeka Cramer (von links), SMB Geschäftsführer Gerhard Bleich, Heiko Nebel von der Stadtsparkasse Burgdorf, Bürgermeister Armin Pollehn, Lars Runge von der Hannoverschen Volksbank und Madsack-Regionalverlagsleiter Thorsten Schirmer.
 
SMB-Geschäftsführer Gerhard Bleich (von links), Madsack-Regionalverlagsleiter Thorsten Schirmer und Bürgermeister Armin Pollehn arbeiten darauf hin, dass Kunden auch bald per Handy über den digitalen Marktplatz bei Burgdorfer Geschäften bestellen und sich über die Dienstleistungen der örtlichen Unternehmen informieren können.

Der Stadtmarketingverein schafft einen digitalen Marktplatz für Burgdorf

Burgdorf (fh). Im Internet stöbern und bestellen und trotzdem im Fachgeschäft vor Ort einkaufen – was lokale Händler bisher schon vereinzelt anbieten, soll in Burgdorf bald zur Selbstverständlichkeit werden. Der Stadtmarketingverein (SMB) lässt einen neuen digitalen Marktplatz entwickeln. Die Idee: Örtliche Unternehmen stellen dort ihre Produkte und Dienstleistungen vor. Kunden können sich in Ruhe einen Überblick verschaffen, Kontakt zu den lokalen Anbietern aufnehmen, Waren bestellen und diese dann bei nächster Gelegenheit im Laden abholen. Beteiligen können sich nicht nur SMB-Mitglieder, sondern auch alle anderen Burgdorfer Unternehmen. Spätestens zum Jahresende soll die Plattform in Betrieb gehen.
Verfestigt hat sich die Idee zu Beginn des zweiten Lockdowns im Herbst und Winter. „Auch schon vor der Pandemie war klar, dass der Internethandel immer mehr an Bedeutung gewinnt und wir neue Ideen entwickeln müssen, damit sich die Geschäfte vor Ort weiterhin behaupten können“, so Bürgermeister Armin Pollehn. Durch die Geschäftsschließungen zur Eindämmung des Coronavirus habe das jetzt noch einmal enorm an Bedeutung und Dringlichkeit gewonnen. Deshalb wandte sich Pollehn an den Stadtmarketingverein und schlug den Aufbau einer lokalen Online-Handelsplattform vor.
Mit der Madsack-Mediengruppe, zu der auch der Marktspiegel gehört, fanden sie einen Partner, der sich um die Umsetzung der Idee kümmert. „Hier entsteht ein echtes Pilotprojekt, das auch zum Vorbild für andere Regionskommunen werden kann“, betont Madsack-Regionalverlagsleiter Thorsten Schirmer. Man sei bereits mit weiteren Städten und Gemeinden im Gespräch, die ebenfalls an einer solchen Lösung interessiert seien. Wichtig sei es ihm, dabei nicht unterschiedliche Einzelhandelsstandorte gegeneinander auszuspielen. „Der digitale Marktplatz soll nicht einen Barsinghausener zum Einkaufen nach Burgdorf locken, sondern den Burgdorfern ein Werkzeug an die Hand geben, um bequem vor Ort einzukaufen“, stellt er klar.
Für das Pilotprojekt eigne sich Burgdorf besonders gut, weil der Stadtmarketingverein sehr professionell aufgestellt sei und mit der Internetseite https://ich-kauf-in-burgdorf.de bereits eine Plattform für den lokalen Einzelhandel etabliert habe. Darauf könne man aufbauen. „Zudem spüre ich hier vor Ort einen großen Zusammenhalt und zugleich Handlungsbereitschaft“, hebt Schirmer hervor. Das seien gute Voraussetzungen, um das Projekt zügig umzusetzen. Von den gesammelten Erfahrungen könnten dann auch weitere Kommunen profitieren.
Möglich wurde das Projekt durch die Förderung seitens mehrerer Sponsoren, allen voran der Stadtsparkasse Burgdorf. Weitere Mittel stellen die Hannoversche Volksbank und die Wilhelm-Cramer-GmbH dem SMB zur Verfügung. „Die Madsack Mediengruppe bringt sich ebenfalls als Sponsor ein und leistet einen Großteil des Personaleinsatzes. Wir wollen den stationären Handel in dieser schwierigen Phase unterstützen. Das Projekt ist sehr idealistisch angelegt“, betont Schirmer.
Bis im Herbst oder Winter die ersten Produkte über den digitalen Marktplatz bestellt werden können, gebe es noch viel zu tun. „Wir arbeiten im Moment zweigleisig: Einerseits wird bereits die Internetplattform programmiert, andererseits sprechen wir zeitgleich die Händler an“, schildert er. Dabei werde nicht einfach nur abgefragt, wer mitmachen will, sondern auch ganz konkret beraten. „Viele haben bisher auch deshalb keinen eigenen Online-Shop, weil sie das technisch nicht ohne Weiteres umsetzen könnten. Im Dialog wollen wir Berührungsängste nehmen und Hilfestellung anbieten“, so Schirmer.
Je nach individuellem Bedarf können Geschäfte auf der Plattform ihre eigenen Online-Shops verlinken oder sich mit einzelnen Produkten oder Warengruppen in digitaler Form auf dem gemeinschaftlichen Marktplatz präsentieren. „Ziel ist es dabei nicht, stationären Handel und Dienstleistungen zu ersetzen, sondern zu erhalten und digital zu ergänzen“, betont Heiko Nebel von der Stadtsparkasse Burgdorf. Gerade in der Pandemie, als der lokale Einzelhandel schließen musste, hätten viele Menschen erkannt, wie wichtig er sei. Es habe auch eine große Unterstützungsbereitschaft gegeben.
Das bestätigt auch Inga Ali von der Wilhelm-Cramer-­GmbH. Allerdings sei es gerade im Lockdown bisher nicht immer ganz einfach, das auch in die Tat umzusetzen. Oft werde trotz aller guten Absichten letztlich doch online bestellt, weil das einfacher und bequemer erscheine. „Durch die Pandemie ist das noch mehr zur gelebten Praxis geworden. Ich hoffe, dass der digitale Marktplatz hilft, aus dieser Routine wieder herauszukommen“, so Ali. Schließlich ließen sich Produkte dort künftig ebenfalls ganz intuitiv mit wenigen Klicks finden. Zwar werde die bestellte Ware dann nicht zugeschickt, sondern könne vor Ort im Laden abgeholt werden. Das sei aber nicht unbedingt ein Nachteil. „Wenn eine Bestellung per Post kommt und ich gerade nicht zu Hause bin, muss ich auch noch mal los, um sie abzuholen“, so Ali. Das sei beim digitalen Marktplatz vor Ort viel besser planbar. „Ich kann meinen Online-Einkauf dann zum Beispiel auf dem Rückweg von der Arbeit abholen. Und vielleicht sehe ich vor Ort auch gleich noch etwas anderes, was ich brauche aber ganz vergessen hatte“, beschreibt sie.