Ohne Hürden in den Bus

An der Haltestelle "Grenzstraße" soll bald ein barrierefreier Ein- und Ausstieg möglich sein.

Die Stadt Burgdorf will dieses Jahr acht weitere Haltestellen barrierefrei ausbauen / 2018 konnte sie nur vier der acht geplanten Maßnahmen umsetzen

BURGDORF (fh). In diesem Jahr soll der barrierefreie Ausbau der Burgdorfer Bushaltestellen vorangehen. Acht Haltestellen der Stadt sollen entsprechend angepasst werden: Grenzstraße und Weserstraße/Ärztezentrum in Burgdorf, Dammbruch in Weferlingsen sowie Freiengericht in Otze jeweils in beiden Fahrtrichtungen. Hinzu kommen zwei Haltestellen der Region an der Haydnstraße in Ehlershausen ebenfalls in beiden Fahrtrichtungen.
Die Stadt rechnet dafür mit Kosten von 258.000 Euro, die Region veranschlagt 89.100 Euro. Davon werde das Land Niedersachsen jeweils 75 Prozent übernehmen, teilte die SPD-Landtagsabgeordnete Thordies Hanisch kürzlich mit. Die Stadt erhält demnach Fördergelder in Höhe von 193.500 Euro. "Auf diese Weise stärken wir die Infrastruktur vor Ort und erhöhen die Attraktivität des öffentlichen Nahverkehrs“, sagt sie. Zusätzlich stehen Fördermittel der Region in Aussicht.
Im Wesentlichen sind für alle Standorte die gleichen Maßnahmen vorgesehen: Spezielle Randsteine sollen Menschen mit Rollstuhl oder Rollator einen nahezu ebenerdigen Einstieg ermöglichen. Auch für Sehbehinderte soll das Einsteigen einfacher werden. Dafür werden im Wartebereich Betonrillenplatten verbaut, die bei der Orientierung mit einem Blindenstock den Weg zur vordersten Tür des Busses weisen. "Die Auswahl der beantragten Maßnahmen wurde in Abstimmung mit dem Unternehmen Regiobus aufgrund der Ein- und Aussteigerzahlen vorgenommen", erklärt Stadtsprecher Sebastian Kattler.
Die Stadt Burgdorf unterhält insgesamt 142 Bushaltestellen; 64 davon sind bereits barrierefrei im Sinne des Nahverkehrsplans. Zuletzt war der weitere Ausbau eher schleppend vorangegangen. Nur die Hälfte der im vergangenen Jahr beantragten Maßnahmen konnte umgesetzt werden: So werden die Haltestellen "Plantagenweg" und "Siedlerweg" in Sorgensen im Zuge der Arbeiten an der Ortsdurchfahrt erneuert und stehen kurz vor der Fertigstellung. Die übrigen Maßnahmen musste die Stadt zurückstellen: Das betrifft die Stationen "Depenauerweg" und "Goerdelerstraße" in Richtung Bahnhof sowie den geplanten Bau von zusätzlichen Haltestellen an der Weserstraße in unmittelbarer Nähe zum Ärztezentrum.
Das Land hatte für das Jahr 2018 bereits entsprechende Fördermittel bewilligt, die jetzt verfallen und gegebenenfalls neu beantragt werden müssen. Der Grund: Die Region Hannover überarbeitet zur Zeit das Stadtbuskonzept für Burgdorf. Noch sei bei den betroffenen Haltestellen offen, welche Buslinien dort künftig halten, erläutert Stadtsprecher Sebastian Kattler. Deshalb habe die Verwaltung von dem Ausbau zunächst Abstand genommen, weil das Land sonst gegebenenfalls Fördergelder zurückfordern könne.
Dieses Problem gebe es beim Großteil der jetzt beantragten Maßnahmen nicht, betont der Stadtsprecher. So seien die Stationen Grenzstraße in Burgdorf, Dammbruch in Weferlingsen und Freiengericht in Otze nicht vom Stadtbuskonzept betroffen. Deshalb sei die Umsetzung noch im Sommer oder Herbst dieses Jahres möglich, zeigt sich Kattler zuversichtlich. Die Bauarbeiten könnten beginnen, sobald die Ratspolitiker ihre Zustimmung gegeben hätten und der Zuwendungsbescheid vom Land vorliege. Das Ausbauprogramm der Bushaltestellen soll im Verkehrsausschuss am 28. Februar vorgestellt und dem Verwaltungsausschuss dann am 12. März zum Beschluss vorgelegt werden.
Auch den geplanten Neubau der beiden Haltestellen an der Weserstraße/Ärztezentrum hat die Stadt wieder in den Sammelantrag aufgenommen und dafür Fördermittel vom Land beantragt, um gegebenenfalls kurzfristig handeln zu können. Diesbezüglich bestehe aber weiterhin Unsicherheit. "Die Maßnahme wird nur ausgeführt, falls bis dahin die Überplanung des Stadtbuskonzeptes steht und die Linie 905 weiterhin so geführt wird", stellt Kattler klar. Für die Haltestellen "Depenauerweg" und "Goerdelerstraße" hat die Stadt für 2019 keine Mittel beantragt, sodass mit dem Ausbau dort frühestens nächstes Jahr zu rechnen ist. Dabei sollte die "Goerdelerstraße" ursprünglich schon 2016 an der Reihe sein. Doch als sich herausstellte, dass der Ausbau deutlich teurer würde als ursprünglich gedacht, verzichtete die Stadt darauf und beantragte im vergangenen Jahr beim Land die entsprechenden Fördermittel.
Von den geplanten Ausbaumaßnahmen sollen übrigens nicht nur Fahrgäste mit Beeinträchtigungen profitieren, sondern auch alle anderen. So will die Stadt an einigen der Haltestellen Wartehallen aufstellen, die bei Regen und Wind Schutz bieten. Vorgesehen ist das an der Grenzstraße in Fahrtrichtung Bahnhof, Dammbruch in Fahrtrichtung Burgdorf sowie Weserstraße neu in beiden Richtungen. An der Bushaltestelle Freiengericht Richtung Burgdorf, die bereits über eine Wartehalle verfügt, soll die alte defekte gegen eine neue beleuchtete Infovitrine ausgetauscht werden. Zur Förderung des Radverkehrs werden die Stationen Freiengericht und Dammbruch, jeweils in Fahrtrichtung Burgdorf, nach Abstimmung mit dem ADFC, mit zwei Fahrradanlehnbügeln ausgestattet.