Notfalllager fürs Klärwerk

Auf der Brachfläche östlich der Burgdorfer Kläranlage will die Stadt ein Lager für Klärschlamm bauen.
 
Bei der Abwasserreinigung in der Burgdorfer Kläranlage fallen jährlich 2800 Tonnen Klärschlamm an.

Stadt will sich für einen Engpass bei der Entsorgung des Klärschlamms wappnen / Strengere Vorgaben für landwirtschaftliche Verwertung

BURGDORF (fh). Die Stadt Burgdorf will ein Zwischenlager für ihren Klärschlamm bauen, weil sie dann künftig entspannter auf Engpässe bei der Entsorgung reagieren könnte. Jahr für Jahr fallen bei der Abwasserreinigung in der Kläranlage am Dachtmisser Weg rund 2.800 Tonnen dieses Abfallproduktes an. Das könnte zum Problem werden, wenn die Stadt den Klärschlamm kurzfristig nicht mehr los werden sollte. Aufgrund der rechtlichen Rahmenbedingungen und der Marktsituation ist ein solches Szenario seit einigen Jahren immer wahrscheinlicher geworden. Nach eigener Einschätzung könnte die Stadt ihre Kläranlage dann schon nach wenigen Wochen nicht mehr regelkonform betreiben. Mit einem Zwischenlager würde sie Zeit gewinnen und könnte im Ernstfall bis zu neun Monate überbrücken.

Absage an Gemeinschaftsprojekt

Geplant ist ein Flachlager ohne Dach mit einer Grundfläche von 30 x 25 Metern und einer Höhe von drei Metern. Nach den Plänen der Stadt soll es auf dem östlichen Nachbargrundstück der Kläranlage entstehen. Im Haushalt 2019/2020 sind für das Projekt
bereits 750.000 Euro eingestellt. Die Planung soll noch in diesem Jahr beginnen, der Bau
ist dann für das nächste Jahr vorgesehen. Der Ausschuss für Umwelt, Stadtentwicklung und Bau hat den Vorschlag der Verwaltung mit einer Ergänzung bereits einstimmig gebilligt; die endgültige Entscheidung trifft der Verwaltungsausschuss am 2. April.
Zusätzlich zum Zwischenlager enthält die Beschlussvorlage noch eine weitere Weichenstellung für den künftigen Umgang mit dem Klärschlamm: Aus dem Gemeinschaftsprojekt mehrerer Kommunen, die in Hildesheim eine eigene Verbrennungsanlage für Klärschlamm bauen wollen, soll sich Burgdorf erst einmal heraushalten. Der Grund für die ablehnende Haltung: Die Stadt müsste sich mit einem Geschäftsanteil beteiligen und würde dann auch das betriebliche Risiko mittragen, das wegen vieler offener Fragen ganz erheblich sei. Stattdessen will die Stadt nach Möglichkeit auch weiterhin auf die landwirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms als Düngemittel setzen.

Abhilfe durch Keramikfilter?

Die Politiker im Umweltausschuss haben dem Beschlussvorschlag noch einen Passus hinzugefügt: Sie erteilen der Verwaltung den Auftrag, auch nach innovativen Lösungsansätzen zu suchen. Als Beispiel nennen sie Keramikmembranen, die das Abwasser besser reinigen und den Klärschlamm damit unschädlicher machen könnten. Diese Anregung kam von dem Linken-Ratsherrn und Bürgermeisterkandidaten Michael Fleischmann, der im Umweltausschuss zwar beratendes Mitglied ist, als Einzelvertreter selbst aber kein Stimmrecht besitzt. In seinem Redebeitrag machte er deutlich, dass er den Beschlussvorschlag der Stadt ablehne und brachte die Keramikmembranen ins Spiel.
Bürgermeister Alfred Baxmann wandte ein, dass es bezüglich dieser Technologie noch kaum Erfahrungswerte gebe und sich Burgdorf auf keine Experimente einlassen sollte. Doch die übrigen Politiker im Ausschuss überzeugte Fleischmanns Vorschlag zumindest insoweit, dass sie der Verwaltung einen Prüfauftrag erteilten, um das Für uns Wider von Keramikmembranen abwägen zu können.

Strengere Vorgaben für Entsorgung

Über Zwischenlager, Verbrennungsanlagen und andere Lösungsansätze müssen sich Verwaltung und Politik vor allem deshalb Gedanken machen, weil sich die rechtlichen Rahmenbedingungen für die Entsorgung von Klärschlamm verschärft haben. Der gesamte Klärschlamm aus Burgdorf wird - wie übrigens der Großteil des Klärschlamms in ganz Niedersachsen - bisher an Landwirte abgegeben, die ihn als Dünger auf ihre Felder aufbringen. Doch das gestaltet sich immer schwieriger. Denn um das Grundwasser zu schützen, sind 2017 die Vorgaben für organische Dünger wie Jauche, Gülle und eben auch Klärschlamm verschärft worden. Landwirte dürfen je Hektar geringere Mengen davon ausbringen als früher und müssen bei einzelnen Stoffen strengere Grenzwerte einhalten; außerdem wurden die Zeiträume erweitert, in denen eine Ausbringung ganz untersagt ist.
Abgesehen vom Einsatz in der Landwirtschaft gibt es noch einen anderen Entsorgungsweg: Der Klärschlamm kann auch verbrannt werden, beispielsweise in Kohlekraftwerken, Müllverbrennungsanlagen oder speziell konzipierten Anlagen. Für den Fall eines Entsorgungsengpasses will sich die Stadt auf diese Alternative aber nicht verlassen. Denn auch dort reichten die Kapazitäten nicht aus - vor allem weil größeren Städten die landwirtschaftliche Verwertung des Klärschlamms spätestens ab 2032 ganz untersagt ist und sie dann ausschließlich auf die Verbrennung angewiesen sind. Das ist auch der Grund, warum mehrere Kommunen aus dem Umkreis eine neue Anlage in Hildesheim planen. Aus den genannten Gründen will sich Burgdorf diesem Vorhaben aber nicht anschließen.
Ein Zwischenlager sei deshalb dringend erforderlich. Damit will die Stadt bei einem Entsorgungsengpass bis zu neun Monate überbrücken können - also einen deutlich längeren Zeitraum als bisher. Ohne die zusätzlichen Speicherkapazitäten ist gegenwärtig nur für den innerhalb von zwei Wochen anfallenden Klärschlamm Platz. Maximal zwei weitere Wochen könnte die Stadt durch verzögerten Schlammabzug aus dem Reinigungsbecken gewinnen. Aus Sicht der Stadt reicht das im Ernstfall aber bei weitem nicht aus.


Infos: Klärschlamm

Klärschlamm ist ein Abfall aus der abgeschlossenen Behandlung von Abwasser in Kläranlagen. Er beteht aus Wasser sowie aus organischen und mineralischen Stoffen. Neben Nährstoffen wie Phosphor, die sich als Düngemittel eignen, kann Klärschlamm auch Schwermetalle und andere gesundheitsschädliche Stoffe enthalten. Strenge Grenzwerte sollen sicherstellen, dass sie sich beim Einsatz in der Landwirtschaft nicht im Boden anreichern und so in die Nahrungskette gelangen. Die Burgdorfer Kläranlage verfügt über einen Faulturm, in dem ein Teil der organischen Verbindungen aus dem Klärschlamm abgebaut wird. Mit dem dabei freigesetzten Faulgas erzeugt die Stadt Strom.