Nicht wegschauen bei häuslicher Gewalt...

Diskutierten über häusliche Gewalt in Burgdorf: v.l. Wilfried Lehmann-Schmidtke (Direktor Amtgericht), Petra Pape, Sabine Wegmann, Ingeborg Neubeck (Weißer Ring), Ute Grabbe und Hubertus Fischer (Vorsitzender Förderverein Präventionsrat). (Foto: Burgdorfer Präventionsrat)

Burgdorfer Präventionsrat diskutierte Fallzahlen in der Auestadt

BURGDORF (r/jk). Die Mitglieder des Präventionsrates zeigen Flagge gegen häusliche Gewalt. Anlass dazu gibt der Antigewalttag, der am 25. November weltweit gegen die Gewalt an Frauen aufmerksam gemacht hat.
In der letzten Sitzung des Arbeitskreises „häusliche Gewalt“ wurden die Fallzahlen für das Jahr 2010 und der Ablauf bei polizeilichen Einsätzen besprochen. „Wir hatten bis Anfang November 39 Fälle in Burgdorf“, teilte Ute Grabbe von der Polizeiinspektion mit. Davon waren in den meisten Fällen auch minderjährige Kinder betroffen. Hierüber wird nach dem Polizeieinsatz auch das Jugendamt informiert. Gleichzeitig geht ein Bericht an die Koordinierungsstelle, die dann Kontakt zu den Frauen aufnimmt und Hilfe anbietet. „In der Beratung geht es um Klärung der Situation, um eine eventuelle Wegweisung des Täters aus der Wohnung, die beim Amtsgericht beantragt werden muss oder ob und wie die Trennung eingeleitet werden kann“, erklärt Sabine Wegmann aus der Koordinierungsstelle. Frauen, die danach weitere Beratung benötigen, werden an die Frauenberatungsstelle der AWO, die für Burgdorf Lehrte Sehnde und Uetze zuständig ist, verwiesen.
Die Dunkelziffer bei Gewalt in Familien ist wesentlich höher, als die angezeigten Fälle, denn häufig wird aus Scham oder weil man sich als Nachbar nicht in Familienstreitigkeiten anderer einmischen will, keine Anzeige gemacht. Gewalt kommt aber in den besten Familien vor, sind sich die Arbeitsgruppenmitglieder einig. Sie ist nicht abhängig vom Einkommen oder der Bildung. Allerdings können enge Wohnverhältnisse oder Arbeitslosigkeit Gewalt begünstigen.
Wichtig für die Unterstützung der betroffenen Frauen und Kinder ist die Vernetzung der unterschiedlichen Instanzen wie Polizei, Amtsgericht, Jugendamt und Beratungseinrichtungen. „Das haben wir durch die gute Zusammenarbeit in unserem Arbeitskreis erreicht“, betonte die Gleichstellungsbeauftragte Petra Pape, die den Arbeitskreis leitet. „Unser Appell an alle Nachbarn, Freunde und Verwandte: Bitte schauen Sie nicht weg, sondern helfen sie den Frauen und Kindern, indem sie ihre Hilfe anbieten oder Hilfe holen, sei es bei der Polizei oder bei den Beratungsstellen.“