„Nicht auf dem Sofa versumpfen“

Stefanie Lallemand mit ihren Kindern Lina und Mattis genießen die Zeit im Garten.

Burgdorfer Familien trotzen dem Virus

BURGDORF (dno). „Es gab ein Leben vor dem Virus und es wird auch ein Leben nach dem Virus geben. Und in der Zeit dazwischen, muss man das Beste daraus machen“, so optimistisch geben sich derzeit die Burgdorfer Familien.
Nachdem der Betrieb in den Schulen, Kindertageseinrichtungen sowie Kinderhorten zum 16. März 2020 eingestellt wurde, müssen die Familien mehr denn je beweisen, wie Multitasking-fähig sie sind. Home-Office, Kinderbetreuung und Lehrerersatz – besonders den Müttern wird derzeit einiges abverlangt. Doch viele zeigen Verständnis für die getroffenen Maßnahmen und versuchen, positiv zu denken und die Extra-Ferien sinnvoll zu nutzen.
So wie Familie Lallemand aus Burgdorf. Papa ist derzeit im Home-Office, die Kinder, Lina und Mattis zu Hause und Mama Stefanie, selbstständig als Kinder- und Jugendcoach, macht beruflich eine „Corona-Pause“.
„Es ist eine sehr ruhige Situation, denn wir sind nicht in der Pflege oder im Krankenhaus usw. tätig, sondern können uns in unserem geschützten Bereich zurück ziehen“, so Stefanie Lallemand, „Natürlich ist es eine Umstellung, auch für mich, denn beruflich habe ich alles bis auf weiteres stillgelegt, zum eigenen Schutz, aber auch zum Schutz der Gemeinschaft.“
Die fast 11-jährige Gymnasiastin Lina macht derzeit „Homeschooling“. „Die Lehrer waren sehr engagiert und haben uns ausreichend mit Schulmaterial versorgt“, erzählt Stefanie Lallemand. Auch die Sorge, „dass die Kinder möglicherweise den Anschluss verlieren“, teilt sie nicht.
Ihrem kleinen Sohn Mattis, der normalerweise in die Kita geht, hat sie die Situation so gut wie möglich erklärt: „Natürlich vermisst er den Kindergarten, aber wir haben uns von der Bücherei mit Büchern eingedeckt und lesen jetzt viel, machen Gartenarbeit, Radtouren und sind viel an der frischen Luft.“
Feste Strukturen sind ihr auch bei Tochter Lina wichtig. „Wir schlafen etwas länger, frühstücken gemütlich, dann werden Schulaufgaben gemacht und ich checke meine E-Mails und dann ist Freizeit“, erklärt die Zweifachmutter, „Wichtig ist es, nicht auf dem Sofa zu versumpfen. Deshalb sorgen wir mit Aktionen dafür, dass uns nicht die Decke auf den Kopf fällt.“
So hat sie gemeinsam mit ihrer Tochter auch wieder die Nähmaschine aus dem Schrank geholt und für sich entdeckt. Auch für Oster-Basteleien ist nun genügend Zeit. Und auch für Nächstenliebe. So haben Lina und Mattis Bilder gemalt und sogar eine Geschichte geschrieben, die die Bewohner im Altenheim in dieser schweren und einsamen Zeit ein bisschen Freude bringen soll.
„Ansonsten versuchen wir, alles positiv zu sehen und abends auch mal eine „Coronafreie-Zeit“ zu genießen. Und wir halten telefonisch Kontakt zu Freunden und Familie, bieten Nachbarschaftshilfe an und passen gut aufeinander auf“, so die Familie Lallemand.