Neues Modell für Konfirmandenzeit

Pastor Valentin Winnen (von links) und Pastorin Friederike Grote von der St.-Pankratius-Gemeinde sowie Pastorin Annabell Demera und Kirchenvorstandsmitglied Mareike Timm von der St.-Paulus-Gemeinde arbeiten zusammen mit vielen weiteren Haupt- und Ehrenamtlichen das neue Konfirmanden-Modell aus.

Die Gemeinden St. Paulus und St. Pankratius wollen kooperieren und den Unterricht auf ein Jahr komprimieren

Burgdorf (fh). Eigentlich hätte nach den Sommerferien für rund 100 Siebt- und Achtsklässler aus Burgdorf die Konfirmandenzeit begonnen. Doch in diesem Jahr starten in der St.-Pankratius- und in der St.-Paulus-Gemeinde keine neuen Gruppen. Grund dafür ist aber nicht etwa die Corona-Epidemie, sondern die Umstellung auf ein neues Konfirmanden-Modell. Die Vorbereitungszeit soll künftig nur noch ein Jahr umfassen, statt bisher fast zwei Jahre. Alle Jugendlichen, die im Mai 2022 konfirmiert werden möchten, beginnen deshalb erst im Mai 2021 mit dem Unterricht. Voraussichtlich im Februar können sie sich dafür anmelden.
Das solle die Jugendlichen entlasten und sich leichter in ihren Alltag einfügen. "Wir wollen uns damit besser an ihre Lebenswelt anpassen", betont Pastorin Annabell Demera von der St.-Paulus-Gemeinde. Denn viele von ihnen seien nachmittags deutlich stärker eingespannt als frühere Generationen - sowohl bei schulischen, als auch bei Freizeitangeboten. "Es ist für Jugendliche einfacher, für ein Jahr bei einem anderen Hobby etwas kürzer zu treten oder ganz darauf zu verzichten, als für fast zwei Jahre", argumentiert Demera.
Das führe aber nicht dazu, dass sie unterm Strich weniger Konfirmandenunterricht erhalten. "Insgesamt müssen es etwa 70 Stunden sein. Das ist von der Landeskirche klar vorgegeben", betont die Pastorin. Der Unterricht werde künftig deshalb wöchentlich nicht eine, sondern anderthalb Stunden dauern. Hinzu kämen Projekttage und Veranstaltungen am Wochenende, die Konfirmandenfahrt solle voraussichtlich von drei auf vier Tage verlängert werden. "Noch ist die neue Ordnung aber nicht endgültig abgestimmt und noch nicht von den Kirchenvorständen beschlossen ist", betont Demera.
Schon seit Monaten arbeiten Pastoren, Diakone und ehrenamtliche Mitglieder der Kirchenvorstände aus beiden Gemeinden gemeinsam an dem neuen Modell. Denn sie wollen die Konfirmandenzeit nicht nur auf ein Jahr komprimieren, sondern künftig auch eng miteinander kooperieren. "Die Grenzen zwischen den beiden Kirchengemeinden spielen für junge Menschen eigentlich keine Rolle. Sie verstehen nicht, warum sie nicht zusammen konfirmiert werden können, nur weil einer in der West- und einer in der Südstadt wohnt", begründet Demera. Künftig könnten sie nun selbst entscheiden, in welcher der beiden Gemeinden sie sich konfirmieren lassen möchten.
Und auch sonst sollen sie mehr Wahlfreiheit bekommen und beispielsweise aus unterschiedlichen Projekten und Modulen wählen können. Sie haben zwar eine feste Bezugsgruppe mit rund 20 Jugendlichen, die jeweils von einem Pastor oder Diakon betreut wird - aber in den Modulphasen lernen sie auch die anderen Hauptamtlichen kennen. Außerdem kommen sie auch immer mal wieder mit ihrem kompletten Jahrgang zusammen, der voraussichtlich etwa 100 Konfirmanden umfassen werden.
Mit der verkürzten Konfirmandenzeit betrete man keineswegs Neuland. "Viele andere Gemeinden in der Landeskirche haben das bereits vorgemacht oder befinden sich ebenfalls auf dem Weg dahin", betont Friederike Grote, Pastorin der St.-Pankratius-Gemeinde. Bevor sie nach Burgdorf kam, sei sie such selbst in einer Gemeinde tätig gewesen, die bereits mit einem solchen Modell gearbeitet habe. "Vor allem von den Eltern haben wir viele positive Rückmeldungen erhalten", betont sie. Und auch sie selbst habe das als vorteilhaft erlebt. "Weil man sich in dem einen Jahr häufiger sieht, baut man eine engere Beziehung auf und kann inhaltlich intensiver arbeiten", wirbt Grote.