Neues Ausbildungskonzept für Kitas

Andrea Krämer (links) und Carmen Stockfisch (rechts) haben eine Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin begonnen. Unterstützung bekommen sie von Praxiskoordinatorin Verana Fleitmann (Mitte).
 
Der Erste Stadtrat Michael Kugel (hinten, rechts) begrüßt die neuen Auszubildenden für die Burgdorfer Kitas. (Foto: Stadt Burgdorf)
 
Der Erste Stadtrat Michael Kugel (zweiter von rechts) begrüßt die neuen Auszubildenden in der Verwaltung. (Foto: Stadt Burgdorf)

Erstmals erhalten angehende Erzieher und Sozialassistenten eine Vergütung

Burgdorf (fh). Mit ihrer Ausbildung in der Kita Ramlingen-Ehlershausen erfüllt sich Andrea Krämer mit 51 Jahren einen lang gehegten Wunsch. „Ich wollte schon als junges Mädchen, gleich nach der Schule, am liebsten Erzieherin werden. Aber damals bin ich vor der vierjährigen Ausbildung ohne Bezahlung zurückgeschreckt“, erinnert sie sich. Nach vielen Jahren in der Tourismusbranche wagt sie jetzt einen Neuanfang, um doch noch ihren Traumberuf zu ergreifen.
Den Mut zum Berufswechsel hat sie auch deshalb aufgebracht, weil die Stadt Burgdorf in ihren Kitas zum ersten Mal bezahlte Ausbildungen anbietet. Bisher haben angehende Sozialassistenten und Erzieher ihre Praxisanteile unentgeltlich in den Einrichtungen absolviert. Dieses Modell gibt es auch weiterhin. Alternativ können Kommunen die Auszubildenden in ihren Kitas neuerdings aber auch anstellen und vergüten. Eine entsprechende Reform hat das Land Niedersachsen vor Kurzem auf den Weg gebracht.
Diese Möglichkeit nutzt die Stadt Burgdorf jetzt. „Das ist eine große Chance für uns, um Fachkräfte zu gewinnen und langfristig an uns zu binden“, betont ­Heidi Mikoleit von der städtischen Abteilung Familien und Kinder. Denn es gebe in dem Berufsfeld bundesweit einen massiven Personalmangel und es werde immer schwieriger, freie Stellen in den Kitas zu besetzen. Die Vergütung sei ein wichtiger Baustein, um dem entgegenzuwirken. Aber auch qualitativ solle die Ausbildung verbessert werden.
Dafür hat Mikoleit zusammen mit Erzieherinnen aus der Kita Weststadt und der Kita Südstern ein umfangreiches Ausbildungskonzept ausgearbeitet. „Vorher lag das ausschließlich in der Verantwortung der einzelnen Einrichtungen. Jetzt haben wir erstmals gemeinsame Standards festgelegt“, erläutert Mikoleit. Außerdem hat die Stadt Verena Fleitmann als Praxiskoordinatorin für die Ausbildung eingestellt. Sie wird zwischen Auszubildenden, Kitas, Fachschulen und Stadtverwaltung vermitteln. „Diese Stelle gab es vorher noch nicht. Sie wurde neu geschaffen“, betont Mikoleit.
Und auch die Betreuung in den einzelnen Kitas soll verbessert werden. Erzieherinnen und Erzieher, die sich vor Ort als Praxismentoren um die Auszubildenden kümmern, haben dafür kürzlich Fortbildungen besucht. Außerdem werden ihnen für diese Aufgabe jetzt Arbeitsstunden angerechnet. „Bisher musste das alles nebenher laufen, sodass oft die nötige Zeit fehlte“, schildert Mikoleit und fügt hinzu: „Ich hoffe, dass sich die Auszubildenden dank des neuen Konzepts besser bei uns aufgehoben fühlen.“
Für die Ausbildungsvergütung der angehenden Sozialpädagogischen Assistenten und Erzieher, die Praxiskoordinatorin und die Stunden für die Praxismentoren in den Kitas fallen bis zum 31. Juli 2023 insgesamt Kosten in Höhe von 639.000 Euro an. Finanzieren kann die Stadt Burg­dorf das dank des Gute-Kita-Gesetzes. „Das dafür bereit gestellte Geld können die Kommunen für unterschiedliche Zwecke einsetzen. Wir haben uns für Maßnahmen zur Fachkräftegewinnung entschieden“, so Mikoleit. Über eine entsprechende Förderrichtlinie übernimmt das Land Niedersachsen nun 539.000 Euro.
Anfang August haben in den Kitas der Stadt Burgdorf fünf Frauen und ein Mann eine vergütete Ausbildung zu Sozialpädagogischen Assistenten begonnen, bei der erstmals das neue Konzept zum Tragen kommt. An drei Tagen pro Woche besuchen sie die Fachschule, an den anderen zwei Tagen lernen sie die Praxis in der Kita kennen. Sie sind jeweils einer Einrichtung und einer Gruppe fest zugeordnet. „Ich bin sehr glücklich, dass dabei unsere individuellen Wünsche berücksichtigt wurden und ich bei den Ein- bis Dreijährigen in der Krippe anfangen kann“, sagt Carmen Stockfisch und fügt mit einem Augenzwinkern hinzu: „Im Hort wollte ich nicht so gern starten, weil meine eigenen Kinder gerade in dem Alter sind.“
Sie ist 46 Jahre alt und hat bisher als Friseurin gearbeitet. So wie Andrea Krämer hat auch sie sich für einen Berufswechsel entschieden. „Ohne die Vergütung hätte ich das wahrscheinlich nicht gewagt. Ich war immer berufstätig und wir hatten mein Gehalt eingeplant“, sagt sie. Der Altersunterschied zu den anderen Auszubildenden macht den beiden Frauen nichts aus. „Meine Kinder finden es toll, dass ich auch noch mal zur Schule gehe und für Prüfungen lernen muss“, sagt Carmen Stockfisch mit einem Schmunzeln. Und Andrea Krämer ergänzt: „Ich wurde in der Kita schon gefragt, ob ich Oma und Enkel spielen kann, aber damit kann ich sehr gut umgehen.“ Sie absolviert die praktische Ausbildung in der Kita Ramlingen-Ehlershausen in einer Gruppe für Drei- bis Sechsjährige.
Wenn sie ihre Ausbildung zur Sozialpädagogischen Assistentin abgeschlossen haben, kann der zweite Abschnitt folgen – die Ausbildung zur Erzieherin. Auch dafür hat die Stadt Burgdorf ein neues Konzept entwickelt: Seit dem 1. August absolvieren erstmals drei Frauen und ein Mann diesen Teil berufsbegleitend. Da sie bereits die entsprechende Qualifikation aus dem ersten Ausbildungsabschnitt mitbringen, hat die Stadt Burgdorf sie mit regulärem Gehalt in Teilzeit als Sozialpädagogische Assistenten eingestellt.
Die neuen Auszubildenden zu Sozialpädagogischen Assistenten: Andrea Krämer, Leon Liliental, Antonia Schäfer, Annika Dohm, Carmen Stockfisch und Lea Wolf.
Die neuen Auszubildenden zu Erziehern: Lara Emely Sickert, Frank Teubert, Marle

Ausbildung in der Verwaltung

Nicht nur in den Kitas gibt es neue Auszubildende, sondern auch in der Stadtverwaltung selbst: Marvin Spare und Tobias Petermann haben die Ausbildung zum Verwaltungsfachangestellten begonnen sowie Patrick Schröder zur Fachkraft für Veranstaltungstechnik. Mareike Ripke beginnt ihr duales Studium im gehobenen Verwaltungsdienst. Ein Novum sind die Quereinsteiger für den Bereich der Verwaltung: Den sogenannten Angestelltenlehrgang I absolvieren Kati Hoffmann und Franziska Moschinski, den Studienkurs Verwaltungsfachwirtin besucht Simone Lange. Hinzu kommen drei Freiwilligendienstleistende. Niklas Gereke absolviert für ein Jahr den Bundesfreiwilligendienst bei der Burgdorfer Feuerwehr. Zum 1. September folgen zwei weitere Freiwilligendienstleistende für den Bereich der Jugendpflege. Für den Ausbildungsbeginn im August 2022 können bereits Bewerbungen an die Stadt Burgdorf gerichtet werden. Nähere Informationen sind unter www.burgdorf.de/stellenangebote abrufbar.