Neuer Versuch auf der Lippoldstraße

Das Schild "Einfahrt verboten" vor der Astrid-Lindgren-Grundschule südlich der Reichweinstraße soll stehen bleiben. Allerdings soll es künftig durch ein Zusatzschild auf bestimmte Uhrzeiten begrenzt werden.
 
Die Schilder "Einfahrt verboten" südlich der Witzlebenstraße sollen stehen bleiben, aber durch Zusatzschilder zeitlich begrenzt werden.

Im Pilotprojekt vor der Astrid-Lindgren-Grundschule soll eine weitere Variante getestet werden

Burgdorf (fh). Das Pilotprojekt zur Schulwegsicherung an der Astrid-Lindgren-Grundschule soll in die nächste Runde gehen. Seit August gilt auf der Lippoldstraße zwischen Beckstraße und Witzlebenstraße testweise eine Einbahnstraßenregelung, zunächst befristet bis zum 28. Februar. Im Anschluss will die Stadtverwaltung nun eine neue Verkehrsführung erproben und dabei den Anliegern ein Stück weit entgegenkommen.
Der entscheidende Punkt: Morgens zum Schulbeginn und mittags zum Schulschluss sollen Autofahrer in dem Bereich, so wie jetzt auch, nur Richtung Norden fahren dürfen. Außerhalb dieser Zeiten will die Stadt die Straße aber wieder in beide Richtungen freigeben, um die Einschränkungen für die Anwohner zu reduzieren. Ein möglicher Nachteil: Aufgrund der unterschiedlichen Vorschriften je nach Uhrzeit, könnte die Gewöhnung allerdings schwieriger sein, gibt die Verwaltung zu bedenken. Auch diese Variante soll zunächst nur befristet für ein Schulhalbjahr gelten. Danach wollen Politiker und Verwaltung erneut Bilanz ziehen.
Der Verkehrsausschuss hat sich bei seiner jüngsten Sitzung bereits einstimmig für dieses Vorgehen ausgesprochen. "Das ist ein hervorragender Kompromiss, bei dem es keine Verlierer gibt", lobte der SPD-Ratsherr Dieter Mohrich. Ähnlich äußerte sich auch sein Parteikollege René Arand, der das Projekt vor rund anderthalb Jahren angestoßen hatte. "Ich bin sehr froh über den Vorschlag der Verwaltung. Er entspricht weitgehend meinem ursprünglichen Antrag von 2019", stellte er mit Genugtuung fest. Die endgültige Entscheidung trifft der Verwaltungsausschuss am 16. Februar in nicht-öffentlicher Sitzung. Damit die neue Regelung tatsächlich umgesetzt werden kann, muss außerdem die Region Hannover als zuständige Verkehrsbehörde zustimmen.
Die derzeitige Einbahnstraßenregelung wird von den Betroffenen ganz unterschiedlich bewertet. Die Leiter der Grundschule und der benachbarten Kita sowie die Elternvertreter der beiden Einrichtungen ziehen ein überwiegend positives Fazit: Die Verkehrssicherheit habe sich für die Schüler tatsächlich verbessert, riskante Wendemanöver und unübersichtliche Situation hätten abgenommen. Auch Regiobus zeigt sich zufrieden. So können jetzt alle Busse direkt vor der Schule halten, sodass die Kinder beim Ein- und Aussteigen nicht die Straße überqueren müssen.
Von den Anliegern kam hingegen massive Kritik: 23 Betroffene wandten sich in E-Mails und einem offenen Brief an Bürgermeister Armin Pollehn. Außerdem brachten sie ihre Einwände im Oktober bei einer Anliegerversammlung in der Grundschule vor. Sie bemängeln, dass sie erhebliche Umwege in Kauf nehmen müssten, weil sie den Bereich nur in Richtung Norden verlassen können. Gerade um auf die Autobahn Richtung Hannover zu kommen, sei das eine lästige Kurverei, bei der sie acht Kreuzungen mit Rechts-vor-Links-Regelung passieren müssten.
Eigentlich sollten die subjektive Wahrnehmung von Schülern, Lehrern, Eltern und Anwohnern durch objektive Messungen eines Seitenradars ergänzt werden. Doch aufgrund eines technischen Defekts konnten die erfassten Daten zum Verkehrsaufkommen und zur Geschwindigkeit auf der Lippoldstraße nicht verwendet werden, teilt die Stadt in der Beschlussvorlage mit. Belastbare Daten lägen deshalb nicht vor. Und auch sonst ist bei dem Projekt nicht alles rund gelaufen: Pollehn räumte ein, dass die Verwaltung es auch aufgrund der Corona-Pandemie versäumt habe, die Anlieger frühzeitig zu beteiligen.
Mit der nun vorgeschlagenen Neuregelung hoffe er, einen guten Kompromiss für alle Beteiligten gefunden zu haben. "Diese Variante ermöglicht den Anwohnern, außerhalb der Hol- und Bringzeiten, die Straßen wie bisher zu nutzen. Darüber hinaus bietet sie jedoch auch für einen sicheren Schülerverkehr die besten Voraussetzungen", heißt es dazu in der Vorlage der Verwaltung.
Die sogenannten Elterntaxis, also den Hol- und Bringverkehr mit dem Auto, könne die neue Variante allerdings ebenso wenig reduzieren wie die Einbahnstraßenregelung. Das sei aber auch nie das vorrangige Ziel gewesen, stellt die Verwaltung klar. Vielmehr gehe es zunächst darum, die Verkehrssicherheit zu verbessern. Ergänzend sollten die Familien dann beispielsweise durch Aktionen der Schule dazu motiviert werden, dass die Kinder zu Fuß, mit dem Fahrrad oder Tretroller zur Schule kommen. Diese Pläne hätten bisher aufgrund der Corona-Epidemie aber noch nicht umgesetzt werden können.