Neuer Standort für Familienbetrieb?

Nach den Plänen der Stadt soll auf einer Fläche östlich der B3 bei Ehlershausen ein neuer Gewerbestandort für das Unternehmen Hartmann Valves entstehen. Die Hecke aus Bäumen, Büschen und Sträuchern soll nach Möglichkeit erhalten bleiben.
 
Der jetzige Stammsitz von Hartmann Valves am Bussardweg liegt mitten im Siedlungsgebiet und kann nicht erweitert werden. (Foto: Hartmann Valves)
 
Im Bauausschuss stellt Geschäftsführer Werner Hartmann die Pläne des Unternehmens vor.

Hartmann Valves will in Ehlershausen bleiben / Gewünschte Fläche liegt im Landschaftsschutzgebiet

Burgdorf (fh). Die Stadt Burgdorf will an der B3 bei Ehlershausen einen neuen Gewerbestandort für das ortsansässige Familienunternehmen Hartmann Valves schaffen. Doch ganz so einfach lässt sich dieses Vorhaben nicht in die Tat umsetzen. Denn die fragliche Fläche östlich der B3 und südlich des Rhöndamms gehört zu einem Landschaftsschutzgebiet. „Wenn wir dort Gewerbe ansiedeln wollen, müssen wir zunächst bei der Region Hannover beantragen, den Bereich aus dem Landschaftsschutzgebiet herauszulösen“, erläuterte Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann bei der Sitzung des Bauausschusses am Montag.
In einer ersten Diskussion sprachen sich die Kommunalpolitiker einhellig für das Projekt aus. Auch der Naturschutzbeauftragte signalisierte Zustimmung. In den nächsten Wochen wird das Thema noch die Ortsräte Otze und Ramlingen/Ehlershausen sowie den Verkehrs- und ein weiteres Mal den Bauausschuss beschäftigen. Die Entscheidung soll dann Mitte Februar im Verwaltungsausschuss fallen.

Standorte sollen gebündelt werden

Die Firma Hartmann Valves wurde 1946 in Ehlershausen gegründet und wird heute in dritter Generation von den Brüdern Werner, Christian und Martin Hartmann geführt. War sie ursprünglich auf die Produktion von Kugelhähnen und Bohrlochköpfen für die Erd- und Gasförderung spezialisiert, liegt ihr Schwerpunkte heute auf erneuerbaren Energien, vor allem auf Erdwärme und Wasserstoffspeicherung. Gegenwärtig hat sie 200 Beschäftigte und verzeichnet einen Jahresumsatz von rund 30 Millionen Euro.
Bisher hat der mittelständische Familienbetrieb zwei Standorte in Ehlershausen und in Celle, möchte diese aber zusammenlegen und sich insgesamt vergrößern. „Das kommt auch dem Klimaschutz zugute, weil sich dann der Transport- und Pendelverkehr reduziert“, betonte Geschäftsführer Werner Hartmann im Bauausschuss. Während es am Standort in Celle noch genügend Gewerbeflächen in der Nachbarschaft gebe, könne der Stammsitz am Bussardweg in Ehlershausen nicht erweitert werden, weil er mitten im Siedlungsgebiet liege.
Trotzdem wolle das Unternehmen möglichst in Ehlershausen bleiben, wo es seit seiner Gründung verwurzelt sei, sagt Hartmann. Dabei spielten auch die gute Verkehrsanbindung an die B3, die fußläufige Erreichbarkeit des S-Bahnhofs Ehlershausen und die Nähe zum Stammsitz eine wichtige Rolle. „Viele unserer Mitarbeiter wohnen in Ehlershausen und können dann weiterhin mit dem Fahrrad zur Arbeit kommen. Andere könnten mit dem öffentlichen Nahverkehr pendeln“, so Hartmann.
Stadtplaner Jan-Hinrich Brinkmann betonte, dass die Stadt auch ihrerseits ein großes Interesse daran habe, dem Betrieb in Burg­dorf eine Entwicklungsperspektive zu bieten. Deshalb habe die Verwaltung nach Standortalternativen gesucht und sei in dem Bereich östlich der B3 und südlich des Rhöndamms fündig geworden. Es seien in Burgdorf derzeit keine anderen Flächen mit vergleichbar günstigen Standortfaktoren verfügbar. Trotzdem habe die Stadt genau abgewägt, ob eine Herauslösung aus dem Landschaftsschutzgebiet beantragt werden solle. Sie schlage diesen Schritt nur vor, weil die Fläche nach den bisherigen Untersuchen ökologisch keinen besonders wertvollen Lebensraum biete.

Naturschützer hält Projekt für vertretbar

Während sich der Naturschutzbeauftragte Dieter Kleinschmidt im Vorgespräch mit dem Marktspiegel dazu noch skeptisch geäußert hatte, schloss er sich im Bauausschuss der Einschätzung der Stadt an. „Ich habe mir die Fläche am Wochenende angeschaut. Dort sind keine seltenen oder schützenswerten Pflanzen und Tiere zu finden“, schilderte er seinen Eindruck. Dafür führte er mehrere Gründe an: die Lage ganz am Rand des Landschaftsschutzgebietes in unmittelbarer Nähe zum Ort und zur B3, die Bodenbeschaffenheit und den derzeitigen Bewuchs. Deshalb halte er eine Gewerbeansiedlung an dieser Stelle unter bestimmten Voraussetzungen für vertretbar. „Selbstverständlich darf das nicht einseitig auf Kosten der Natur gehen, sondern muss durch geeignete Maßnahmen ausgeglichen werden“, betonte Kleinschmidt, der auch Vorstandsmitglied der örtlichen Nabu-Gruppe ist.
Dazu hat die Stadt bereits ­Ideen entwickelt: Während bis zu drei Viertel der Fläche als Firmengelände genutzt werden könnten, solle ein Viertel ökologisch aufgewertet werden. Und auch ein kleiner Beitrag zum Biotopverbund sei an dieser Stelle möglich. Denn Naturschützer plädieren zusehends dafür, nicht nur einzelne Biotope zu schaffen und zu erhalten, sondern diese auch miteinander zu verbinden, damit die dort lebenden Pflanzen und Tiere sich wieder weiträumiger ausbreiten können.
Wenn die Fläche an der B3 bei Ehlershausen aus dem Landschaftsschutzgebiet herausgelöst wird, könnten auf einem schmalen Streifen entlang des Grundstücks Bäume gepflanzt werden, um vorhandene Wald-Biotope zu vernetzen, die nördlich und südlich des Areals liegen. Zudem solle eine bestehende Hecke aus Bäumen, Büschen und Sträuchern auf dem Grundstück nach Möglichkeit erhalten bleiben.


Politiker unterstützen Vorhaben

Mehrere Fraktionen meldeten sich im Bauausschuss zu Wort und signalisierten ihre Zustimmung zu den Plänen der Stadt. „Wir sollten alles dafür tun, das Unternehmen Hartmann Valves in Burgdorf zu halten“, betonte Jens Palandt von Bündnis 90 / Die Grünen, der dabei auch für den Gruppenpartner SPD sprach. Es sei unterstützenswert, wenn sich ein Familienbetrieb für die Energiewende einsetze und auf nachhaltiges Wirtschaften setze. Auch eine Herauslösung der besagten Fläche aus dem Naturschutzgebiet halte er für gerechtfertigt, zumal es dort keine ökologischen Highlights gebe. Trotzdem sei es wichtig, dem Naturschutz durch angemessene Kompensationsmaßnahmen Rechnung zu tragen. „Solche Fragen lassen sich nicht pauschal beantworten, sondern müssen im Einzelfall geprüft werden“, betonte Palandt.
Auch Oliver Sieke von der CDU bezog klar Position. „Ich bin in dieser Frage parteiisch – nicht nur als Mitglied der CDU, sondern auch als Bürger Ehlershausens“, sagte er. Es sei etwas ganz Besonderes, wenn ein Familienbetrieb im kleinen Burgdorf hochmoderne Technologie produziere. Außerdem schaffe das Unternehmen vor Ort Arbeitsplätze und zahle Gewerbesteuer.