Nabu wirbt für bunte Gärten

Dieter Kleinschmidt (von links), Mona Gharib und Bernd Rose vom Nabu präsentieren die neue Broschüre "Vorgärten in Burgdorf".
 
Mit der neuen Broschüre will Mona Gharib Lust auf bunte Gärten machen. Sie selbst hat unter anderem Hochbeete mit Nutzpflanzen angelegt.

Neue Broschüre gibt Tipps für eine insekten- und vogelfreundliche Gestaltung / Mona Gharib bietet auch eine individuelle Beratung an

BURGDORF (fh). Mehr farbenfrohe Natur statt eintöniger Schottergärten – dafür wirbt die Nabu-Ortsgruppe mit der neuen Broschüre „Burgdorfer Vorgärten – lebendig, bunt und pflegeleicht“. Sie enthält Infos, Tipps und eine Liste mit geeigneten Pflanzen für unterschiedliche Standorte und soll ab sofort kostenlos an Interessierte verteilt werden.
„Heimische Pflanzen sind nicht nur ein Blickfang, sondern bieten auch Nahrung für Insekten, Nistmöglichkeiten für Vögel und Unterschlupf für Igel“, argumentiert Mona Gharib, die sich seit kurzem ehrenamtlich beim Nabu Burgdorf, Lehrte, Uetze engagiert. Schotterflächen seien für Tier- und Pflanzenwelt hingegen nutzlos. „Und auch der Boden darunter ist quasi tot“, erläutert Gharib. Denn meistens werde ein Vlies oder eine Folie ausgelegt, bevor die Steine aufgeschüttet würden. So verliere der Boden seine wichtige Funktion zur Wasserspeicherung, Humusbildung und als Raum für Bodenlebewesen.
Oft werde die Entscheidung für einen Schottergarten damit begründet, dass gerade Berufstätige neben vielen anderen Verpflichtungen und Aktivitäten schlichtweg keine Zeit für Gartenarbeit hätten, so Mona Gharib. „Dabei machen Blumen, Büsche und Bäume nicht automatisch mehr Arbeit“, versichert sie. Immergrüne Bodendecker und viele Stauden seien recht anspruchslos und pflegeleicht. Außerdem sei es gar nicht so einfach, Schottergärten auf Dauer sauber zu halten. „Schon nach kurzer Zeit breiten sich genügsame Gräser, Algen und Moose aus, die nur schwer wieder zu entfernen sind“, erläutert Gharib das Problem.
Als Ergänzung zu dem neuen Info-Heft „Burgdorfer Vorgärten – lebendig, bunt und pflegeleicht“ bietet sie auch individuelle Beratung an. „Normalerweise komme ich dafür natürlich auch gern vorbei und schaue mir den Garten vor Ort an. Angesichts der Corona-Epidemie suchen wir im Moment nach anderen Möglichkeiten“, sagt sie. Einige hätten ihr beispielsweise per E-Mail Fotos zugeschickt oder ihr per Video-Telefonie den Garten gezeigt.
Es sei zu beobachten, dass das Interesse an der Natur und auch an der Gestaltung des eigenen Grundstücks im Moment sogar zunehme. „Gerade jetzt wo das öffentliche Leben stark eingeschränkt ist, verbringen viele mehr Zeit in ihrem Garten. Das ist auch eine Gelegenheit, die ein oder andere Ecke naturnah umzugestalten“, hofft Gharib.
Und worauf sollten Hobby-Gärtner grundsätzlich beim Kauf von Bodendeckern, Stauden und Gehölzen achten? „Heimische Pflanzen sind besser als exotische, weil sie in unsere Ökosysteme passen“, betont Gharib. Außerdem solle man möglichst ungefüllte Blüten wählen. „Denn bei den gefüllten handelt es sich um spezielle Züchtungen, in denen Insekten keinen Nektar finden“, erklärt sie.
Was ihr aber ganz wichtig ist: „Wir müssen nicht dogmatisch sein und versuchen, alles perfekt zu machen.“ Auch auf ihrem eigenen Grundstück sehe sie das ganz entspannt. „Wir haben hier in Burgdorf ein altes Haus mit bestehendem Garten gekauft“, sagt Gharib und ergänzt: „Natürlich reiße ich jetzt nicht alles heraus, was nicht dem Ideal entspricht.“ So lasse sie beispielsweise auch eine gefüllte Kamelie an der Terrasse stehen, die die Vorbesitzer angepflanzt haben, ebenso wie einen Buchsbaum. „Aber dazwischen schaffe ich viele naturnahe Oasen für Insekten und Vögel“, schildert sie.
Und wie geht man vor, wenn man einen Schottergarten angelegt hat. „Schritt für Schritt“, empfiehlt Gharib und fügt hinzu: „Wichtig ist es, überhaupt irgendwo anzufangen.“ So könne man Schotter und Pflastersteine ruhig erst einmal liegen lassen und die Flächen nur an einigen Stellen durchbrechen: „Man kann einfach zwei oder drei Löcher wühlen und Stauden einpflanzen. Dann kommen bestimmt auch bald die ersten Insekten.“
Laut der Landesbauordnung von Niedersachsen sind Schottergärten übrigens sogar verboten. Vor allem bei Neubaugebieten will die Stadt Burgdorf künftig noch gezielter darauf hinweisen und zusätzlich in den Bebauungsplänen festlegen, dass die Vorgärten überwiegend mit Rasen, Gräsern, Stauden und Gehölzen zu begrünen sind. Außerdem hat sie auch die Herausgabe der neuen Broschüre gefördert.
Vorbild war eine ähnliche Veröffentlichung des Nabu Barsinghausen. In Burgdorf soll das Heft künftig in den Begrüßungskörben des VVV für Neubürger enthalten sein und die Stadt will es an Bauwillige verteilen. Auch bei Veranstaltungen und an öffentlichen Auslagen soll die Broschüre erhältlich sein. Auf Wunsch versendet der Nabu sie außerdem per Post. Wer Interesse hat, schickt eine E-Mail an info@nabu-burgdorf-lehrte-uetze.de.