Myriam lernt auf dem Meer

Die 16jährige Gymnasiastin Myriam Fronia sitzt bereits auf gepackten Rucksäcken. Sie ist die erste Burgdorferin, die Schülercrewmitglied beim Projekt „Segelndes Klassenzimmer“ wird. Foto: Georg Bosse
Burgdorf: Georg Bosse |

Oscar Wilde (1854-1900): „Reisen veredelt den Geist und räumt mit unseren Vorurteilen auf“

BURGDORF/SPIEKEROOG (gb). Auf einem traditionellen Großsegler den Atlantik überqueren, gemeinsam Stürmen trotzen, ferne Länder entdecken, Menschen am anderen Ende der Welt kennenlernen - das alles erwartet die Burgdorfer Gymnasiastin Myriam Fronia, wenn sie am 13. Oktober in Hamburg an Bord des Zweimastschoners „Johann Smidt“ geht, um mit dem Projekt „High Seas High Schools“ und weiteren 25 Schülern für fast acht Monate zu einer aufregenden und erlebnisreichen Segelreise über das Weltmeer aufzubrechen. Gründer und Träger von „High Seas High School“ - das Segelnde Klassenzimmer – ist das Internatsgymnasium Hermann Lietz-Schule auf der niedersächsischen Nordseeinsel Spiekeroog. Seit 1993 stechen jedes Jahr im Herbst bis zu 30 Gymnasiasten der 10. und 11. Klassen aus Deutschland und aller Welt zu diesem abenteuerlichen Segeltörn in See.
In diesem Jahr setzt das Segelnde Klassenzimmer zum 26. Mal die Segel, um Kurs auf die Kanaren und anschließend quer über den Atlantik in die Karibik zu nehmen. Neben der jungen Burgdorferin sind dann auch zwei Inselinternatsschüler aus China und einer aus Serbien mit von der Partie. An Bord unterrichten vier Lehrer nach gymnasialem Lehrplan Englisch, Spanisch und Mathematik sowie projektbezogen Physik (Nautik), (Meeres-)Biologie und Geografie (Kartenlesen).
„Beim ersten Zwischenstopp auf Teneriffa wird von der siebenköpfigen Crew kräftig Proviant geladen bevor es zu den kleinen Antillen nach Martinique weitergeht. Wir Schüler werden dann zuvor den höchsten Berg Spaniens, den Teide, bestiegen haben“, erzählt Myriam. Segelsetzen, steuern, das Wetter lesen, die Gezeiten verstehen, navigieren: Das alles übernehmen die Schüler nach einigen Wochen auf dem Traditionssegler selbst, bei Tag und Nacht, Wind und Wetter. Und wenn alles prima klappt, haben sie alle auch noch den Hochsee-Segelschein in der Tasche.
Für diese Abenteuer braucht es wasser- und wetterfeste Kleidung, für die „wir schon einen Riesenrucksack besorgt haben“, so die Elftklässlerin. Neben der notwendigen Ausrüstung dürfen die wichtigen prophylaktischen Impfungen gegen Cholera, Dengue-Fieber und Hepatits A etc. nicht vergessen werden. „Die Impfungen sind teilweise schon durchgeführt worden, aber ich brauche noch effektiven Mückenschutz und ein Moskitonetz für unseren Landgang auf Costa Rica und die Übernachtung in der Tropenstation „La Gamba“ der Universität Wien“, erklärt Myriam. Ein weiterer Landausflug führt die jungen Leute im Bus auf der Panamericana in die nordwestliche Provinz Panamas nach Bocas del Toro (Münder des Stiers). Der Inselstaat Kuba liegt ebenfalls auf der Reiseroute. Beim Stadtbummel durch die größte Metropole der Karibik, Havanna, wird auch eine Zigarrenmanufaktur besucht, in der die weltberühmten Puros („Havannas“) noch mit Hand gerollt werden.
In Mittelamerika gehen die Gruppenmitglieder für längere Zeit an Land. Sie leben in Gastfamilien, lernen Spanisch vor Ort, arbeiten auf einer Finca, helfen bei der Zuckerrohrernte und lernen Tauchen auf Grenada. Die Rückreise nach Norddeutschland führt schlussendlich über die Azoren in den Bremer Hafen.
Was Mama Imke am meisten freut – die Zeit auf dem Schiff ist handyfrei. „Es gelten ganz strikte Regeln. Kein Alkohol, keine Drogen, kein Smartphone und keine Zigaretten an Bord“, bestätigt Myriam, die bereits eine zweitägige Sicherheitsbelehrung hinter sich hat und bei dieser Gelegenheit ihre mitsegelnden Klassenkameraden kennenlernen konnte. „Wir haben uns nach kurzer Zeit schon toll verstanden“, ist Myriam die Vorfreude auf die spannende und lehrreiche Entdeckungsreise anzumerken. ¡Buen viaje y regreso saludable!