"Mut zum Nichtstun"

Landebischof Ralf Meister spricht in der Burgdorfer Stadtsparkasse über Zeitknappheit, Freiräume und kollektive Ruhepausen.
 
Die Künstlerin Katharina Lob stellt in der Ausstellung "ZeiTräume" fünf Eisenplatten aus: Mit unterschiedlichen Flüssigkeiten hat sie chemische Reaktionen ausgelöst, durch die das Metall unterschiedliche Farben annimmt.

Landesbischof Ralf Meister wirbt in seinem Vortrag bei der Stadtsparkasse Hannover für individuelle und kollektive Ruhepausen / Ausstellung "ZeiTräume" endet am 24. August

BURGDORF (fh). Wann war Ihnen eigentlich zum letzten Mal langweilig? Diese Frage richtete Landesbischof Ralf Meister an seine Zuhörer in der Stadtsparkasse Burgdorf. Anlass für seinen Besuch war die Kunstausstellung "ZeiTräume", ein gemeinsames Projekt des Kulturvereins Scena, der Martin-Luther-Kirchengemeinde Ehlershausen und des Kirchenkreises Burgdorf. Eben diesen Titel wählte Meister zum Ausgangspunkt seines Vortrags: Wo gibt es eigentlich noch Freiräume für neue Gedanken, wann ist noch Zeit zum Träumen?
"Niemand, der etwas auf sich hält, kann es sich heute noch leisten, Zeit in Hülle und Fülle zu haben", sagte Meisters. Viele Menschen stünden permanent unter dem Druck, immer etwas tun zu müssen. "Leerlauf ist tödlich, Langeweile ist das schlimmste", das sei eine weit verbreitete Ansicht. Der Landesbischof warb dafür, sich stattdessen wieder einmal im Nichtstun und in der Muße zu üben.
Wie wohltuend es sein könne, ab und zu mal aus dem Raum-Zeit-Empfinden des Alltags auszubrechen, habe er besonders eindrucksvoll auf einer Kreuzfahrt nach Spitzbergen erlebt. "Die Mitternachtssonne ließ die Grenzen zwischen den Tagen verschwimmen und unser Blick war ringsum nur durch den Horizont begrenzt", beschreibt er seine Erfahrung und ergänzte: "Wie wohltuend, ist es, wenn man im Urlaub nicht mehr weiß, welches Datum und welcher Wochentag gerade ist!"
Zwanglose und zweckfreie Zeiten seien lebensnotwendig, und zwar nicht nur für den einzelnen. "Auch die Gesellschaft als ganze brauche kollektive Ruhepausen", sagte Meisters. Ein deutlicher Appell, den Sonntag als arbeitsfreien Tag für die Mehrheit der Menschen beizubehalten.
Der Vorsitzende der Stadtsparkasse, Heiko Nebel, gab in seiner kurzen Begrüßungsrede seine ganz eigenen Antworten darauf, wo er solche Freiräume findet: Zum Beispiel beim morgendlichen Spaziergang mit dem Hund oder bei langen Rennratouren. "Wenn die Beine langsam schwer werden, wird der Kopf plötzlich frei und leicht und bei erhöhtem Puls kommen mir ganz neue Ideen."
Unter den rund 80 Zuhörern war auch die Künstlerin Katharina Lob, die für den Vortrag extra aus Hannover nach Burgdorf gekommen war. Im Rahmen der Ausstellung "ZeiTräume" stellt sie einige ihrer Werke in der Stadtsparkasse aus. So hatten die Besucher nach dem Vortrag, die Möglichkeit mit der Künstlerin über ihre Bilder ins Gespräch zu kommen.
An Stellwänden im Schalterraum der Stadtsparkasse hängen fünf von ihr bearbeite Eisenplatten, die einen ganz besonderen Bezug zur Zeit haben. "Sie entwickeln sich immer weiter", sagt Lob. Denn die Künstlerin hat Kupfer- und Bronzeflüssigkeiten aufgetragen, die das Metall durch chemische Reaktionen in Blau- und Grüntönen einfärben. Diese Prozesse liefen, wenn auch nur langsam, weiter ab und durch die Luftfeuchtigkeit schreite auch der Rost voran. Sie habe viele Tipps bekommen, wie sie ihre Kunstwerke konservieren könne. "Aber das will ich ja gar nicht. Gerade die Veränderung ist ja spannend", so Lob.
Sie ist eine von 27 Künstlern und Künstlerinnen, die an der Ausstellung "ZeiTräume" beteiligt sind und ihre Gemälde, Skulpturen und Installationen noch bis zum 24. August an insgesamt 13 Orten in Burgdorf und Ehlershausen ausstellen.
Zum Ende der Ausstellung werden drei Preise vergeben: Die Jury prämiert den ersten und zweiten Platz mit 1000 Euro und 750 Euro. Zusätzlich gibt es noch einen Publikumspreis, der ebenfalls mit 750 Euro dotiert ist. Dafür ist in den Flyern, die an den Ausstellungsorten ausliegen, ein Formular abgedruckt, auf dem die Besucher ihre Favoriten eintragen können. Außerdem ist es auch auf der Internetseite www.zeitraeume-burgdorf.de verfügbar und kann dort heruntergeladen und ausgedruckt werden. Wer es vollständig ausgefüllt hat, kann es am letzten Ausstellungsort, den er besucht hat, abgeben.
Bei der Finissage am Samstag, 24. August, ab 18 Uhr im Paulus-Kirchenzentrum, Berliner Ring 17, werden alle drei Preise vergeben. Unter allen, die ihr Votum zum Publikumspreis abgegeben haben, wird außerdem ein Burgdorf-Korb verlost. Gewinnen kann ihn allerdings nur, wer bei der Finissage anwesend ist: Falls der Gewinner nicht vor Ort ist, wird noch einmal gezogen.