Muss das Waldbad Ramlingen bald dicht machen?

Nicht nur Rüdiger Funke (li.) staunte schlecht, als die Gutachter Jörg Schulte und Olaf Ahrens (v.li.) ihre möglichen Sanierungskonzepte für das veraltete Waldbad Ramlingen mit insgesamt 645.000 Euro bezifferten. (Foto: Georg Bosse)
 
So wie sich das idyllische und vom Förderverein unterstützte Waldbad Ramlingen heute präsentiert kann es wohl nicht mehr lange weiter gehen. Sanieren oder schließen ist hier nicht nur eine politische Frage. (Foto: Georg Bosse)

Sanierungskosten von 645.000 Euro sind nicht vertretbar

BURGDORF/RAMLINGEN (gb). „Die Chlorwerte sind zu hoch und ein Schwallwasserbehälter fehlt“, beschrieb Wilko de Buhr vom Team „Hygiene“ der Gesundheitsbehörde Region Hannover die aktuelle Sitation im Waldbad Ramlingen, für das sich seit längerer Zeit ein tüchtiger Förderverein stark macht. Aber Tüchtigkeit und guter Wille reichen nicht mehr aus. Denn obwohl durch das von Schwimmmeister Ralf Beer per Hand „überdosierte“ Chlor weder eine bakteriologische Belastung des Wassers noch eine Gesundheitsgefährdung der kleinen und großen Badegäste vorliegt, sei der Weiterbetrieb des Waldbades in seiner veralteten baulichen und technischen Verfassung auf Dauer nicht möglich und hinnehmbar, nahm de Buhr kein Blatt vor den Mund.
Mit dieser deprimierenden Analyse sahen sich einige Mitglieder des Waldbad-Fördervereins um seine Vorsitzende Sabine Scheems-Schnellinger konfrontiert, die der Einladung der Stadtwerke Burgdorf zur Vorstellung eines Fachgutachtens mit möglichen Sanierungskonzepten gefolgt waren. An dieser Informationsrunde nahmen unter anderem auch Bürgermeister Alfred Baxmann, der Abteilungsleiter „Schule, Kultur & Sport“, Ernst-August Beneke, der CDU-Fraktionsvorsitzende Wolfgang Obst, die SPD-Ratsmitglieder Birgit Meinig und Gerald Hinz, Kurt-Ulrich Schulz von der WGS, der SPD-Regionsabgeordnete Rudolf Alker (Ehlershausen) sowie der Ortsbürgermeister von Ramlingen/Ehlershausen, Klaus-Dieter Walter (CDU), teil. „Diese Veranstaltung soll zunächst einmal die Diskussion um das Waldbad Ramlingen versachlichen und in eine strukturierte Form bringen. Es werden heute keine Entscheidungen getroffen“, betonte Stadtwerke-Chef Rüdiger Funke ausdrücklich. Dann erteilte er den Dipl.-Ingenieuren Jörg Schulte und Olaf Ahrens von „bs2architekten“ bzw. „Eneratio“ aus Hamburg das Wort.
Demnach müsste die Länge des Schwimmerbeckens von 32 auf „normale“ 25 Meter verkürzt werden, um im Bereich der Sprunggrube einen neuen Technikraum entstehen zu lassen, die beckenumgangsgleiche Rinne neu aufbetoniert und das Becken mit kostengünstiger aber robuster PVC-Folie ausgekleidet werden. Die Rutschen und die Startblöcke können weiterverwendet werden. Das Planschbecken dürfte in seiner heutigen Größe erhalten bleiben, aber das Becken an den undichten Fugen repariert werden.
Aber was würde der sanierte Badespaß für Ramlingen/Ehlershausen und Umgebung kosten? 645.000 Euro ließen die Gutachter per Powerpoint auf der Präsentationsleinwand erscheinen. Als Erster fand Bürgermeister Alfred Baxmann seine Sprache wieder und fragte Wilko de Buhr, wie lange ein sicherheitstechnischer und gesundheitlich verantwortbarer Weiterbetrieb unter den akuten Umständen überhaupt noch möglich sei? Hier wollte sich der Hygienefachmann zeitlich nicht festlegen lassen. Bei der Frage nach einer zeitlich gestreckten Stufensanierung, sagte Rüdiger Funke: „Das wäre Improvisieren auf hohem Niveau.“
Als nun der Bürgermeister nicht mehr um den heißen Brei herumreden wollte und unmissverständlich klar machte, dass in der jetzigen Haushaltssituation weder Investitionen bzw. Kreditaufnahmen in dieser Größenordnung vertretbar wären und eine Verdopplung des Zuschusses von derzeit 30.000 Euro jährlich ebenfalls nicht in Betracht käme, widersprach ihm keiner der am Tisch sitzenden Ratskollegen ernsthaft.
Mit diesen harten Fakten im Nacken muss der Förderverein nun schnell eigene Lösungsvorschläge, wie Senkung der Betriebskosten und Eigenleistungen, entwickeln. Auch sollten die Bad-Übernahme durch den Verein, Privatpersonen oder das Genossenschaftsmodell, das in Hänigsen und Uetze angepackt wurde, gut überlegt werden. Nach diesem gutachterlich untermauerten Diskussionseinstieg muss etwas passieren, damit das Waldbad Ramlingen nicht bald „den Bach runter“ geht. Das Bad habe eine hohe politische Bedeutung und deshalb sei jetzt auch die Politk gefragt, schloss Rüdiger Funke die Informationssitzung.