Moni und die Feuerwehrmänner

Monika Kuhfuß war die erste Frau in der Ortsfeuerwehr Burgdorf.

1991 ist Monika Kuhfuß als erste Frau in die Ortsfeuerwehr eingetreten: Heute sind weibliche Mitglieder selbstverständlich

BURGDORF (fh). Wenn Stadtbrandmeister Dennis-Frederik Heuer im Januar und Februar die Jahreshauptversammlungen seiner acht Ortsfeuerwehren besucht, verleiht er auch wieder viele neue Dienstgrade. Ein ganz besonderer Moment gerade für diejenigen, die noch am Anfang ihrer Laufbahn stehen: Nach dem ersten Teil der Grundausbildung und ihrem ersten Dienstjahr ernennt Heuer die männlichen Mitglieder zu Feuerwehrmännern – und die weiblichen eben zu Feuerwehrfrauen.
Doch was 2020 ganz selbstverständlich klingt, war vor 30 Jahren Zukunftsmusik: In vielen Ortsteilen waren die Feuerwehrmänner 1990 noch unter sich, so auch in der Kernstadt. Erst 1991 ist Monika Kuhfuß als erste Frau in die Burgdorfer Ortsfeuerwehr eingetreten und hat auch ihre Grundausbildung erfolgreich abgeschlossen.
Feuerwehrfrau durfte sie sich danach aber trotzdem nicht nennen – denn diesen Begriff gab es damals offiziell gar nicht, erst 1993 führte der Landesfeuerwehrverband ihn ein. „Meine Kollegen wurden zu Feuerwehrmännern – ich dagegen zur Feuerwehrassistentin, so als ob ich nur dafür da wäre, Kaffee zu kochen und bestenfalls zuzuarbeiten“, sagt sie mit einem Grinsen.
Aber davon ließ Monika Kuhfuß sich ebenso wenig entmutigen wie von der anfänglichen Skepsis einiger altgedienter Mitglieder. „Ich habe immer alles gemacht, was die anderen auch gemacht haben“, betont sie und fügt dann mit einem Lächeln hinzu: „Eher hätte ich mir die Zunge abgebissen, als eine Extrawurst einzufordern.“
Relativ schnell habe sie sich mit dieser Einstellung Respekt erarbeitet. Ganz besonders stolz sei sie gewesen, dass auch die älteren Kameraden sie schon nach kurzer Zeit akzeptiert hätten. „Ich habe mich wahnsinnig gefreut, als sie irgendwann gesagt haben: ‚Unsere Moni‘. Da wusste ich, dass ich es geschafft habe“, sagt die heute 49-Jährige rückblickend. Zu vielen von ihnen habe sie bis heute guten Kontakt, zweimal im Jahr gebe es Treffen auch mit denjenigen, die bereits aus dem aktiven Dienst ausgeschieden sind. „Und ich gehöre ganz selbstverständlich dazu“, so Kuhfuß.
Den Weg zur Feuerwehr habe sie durch ihren älteren Bruder gefunden – auch wenn der von ihren Plänen zunächst nicht gerade begeistert gewesen sei. Ihre ersten vorsichtigen Anfragen seien abgeblockt worden: Die Ortsfeuerwehr könne gar keine Frauen aufnehmen, weil in dem damaligen Feuerwehrhaus an der Schmiedestraße separate Sanitäranlagen fehlten, hieß es. „Aber dann hat mir jemand gesteckt, dass es oben neben dem Büro des Ortsbrandmeisters noch eine Toilette und eine Dusche gebe, die zu einer ehemaligen Wohnung gehörten“, erinnert sich Kuhfuß. Daraufhin stellte sie ihren Antrag – und wurde kurz vor ihrem 21. Geburtstag schließlich doch aufgenommen.
Steine seien ihr danach nicht mehr in den Weg gelegt worden, einige Sprüche habe sie aber schon abbekommen. „Ich wurde beispielsweise gefragt, ob sie für mich jetzt Latzrock und Stöckelstiefel anschaffen müssen“, nennt sie ein Beispiel. Doch richtig böse sei das nie gemeint gewesen. „Man musste halt ein dickes Fell haben und wissen, wie man darauf reagiert“, so Kuhfuß. Doch das habe nicht nur etwas damit zu tun gehabt, dass sie eine Frau ist – der Umgangston sei damals insgesamt noch rauer gewesen. „Die hatten damals einfach eine viel größere Klappe“, sagt sie.
Ihre Entscheidung, in die Feuerwehr einzutreten, habe sie jedenfalls nie bereut, obwohl es manchmal anstrengend gewesen sei. Doch ihre Chefin habe sie von Anfang an unterstützt. „Sie hat es mir nie schwer gemacht, wenn ich von der Arbeit los musste. Oder wenn ich nach einem nächtlichen Einsatz morgens noch nicht wieder ganz fit war“, sagt Kuhfuß.
Und nicht nur das – nach emotional und psychisch belastenden Einsätzen habe sie auch immer mit ihr und ihren Kollegen sprechen können. „Meistens konnte ich mir dann beim ersten Kaffee schon etwas von der Seele reden“, so die Feuerwehrfrau. Bereits seit 27 Jahren arbeitet sie in derselben Augenarztpraxis und im Laufe der Zeit sei ein echtes Vertrauensverhältnis entstanden.
Als sie noch verheiratet war, habe sie sich auch viel mit ihrem Mann ausgetauscht, der ebenfalls bei der Feuerwehr ist. Aber auch ihre Nachbarin habe sie oft aufgefangen. „Wenn es besonders schlimm war, hat sie mir erst einmal einen Schnaps angeboten und mir dann zugehört. Das hat mir geholfen“, sagt Kuhfuß. 
Und was hat sich für Frauen in der Burgdorfer Ortsfeuerwehr verändert, seit sie vor fast 30 Jahren eingetreten ist? „Es ist in den vergangenen Jahrzehnten sicherlich viel selbstverständlicher geworden, dass wir mit dabei sind und es wird auch mehr Rücksicht genommen“, sagt sie. Mitllerweile sind 15 Frauen in der Einsatzabteilung aktiv. Und so sei es auch ganz normal gewesen, dass nicht nur ihr Sohn, sondern auch ihre Tochter bei der Kinderfeuerwehr angefangen hat. Inzwischen hat sie aber wieder aufgehört und eine andere Leidenschaft für sich entdeckt – das Tanzen.