Modernste Technologie auch im Krankenhaus Großburgwedel?

Manfred Hormann (v.l.n.r.) und Werner Eckhardt (Krankenhausdirektorium) sowie Karsten Honsel und Dr. Friedrich von Kries (Geschäftsführung des KRH) machten sich mit Dr. Joachim Stein und Florian Lechner (4.u.5.v.l.) selbst ein Bild von „Da Vinci“. (Foto: Anna Kentrath)
 
Körper des zu Operierenden, was geringere Gewebeverletzungen, Blutungen und Nervenreizungen zur Folge haben soll. (Foto: Anna Kentrath)

Telemanipulator „Da Vinci“ wurde anschaulich vorgestellt

GROßBURGWEDEL (ak). Eine Operation wird maßgeblich durch das Können des Chirurgen bestimmt, doch auch das „Handwerkszeug“ ist keineswegs unerheblich. Minimalinvasive Operationsmethoden, wie die Laparoskopie, haben längst Einzug in die OP-Säle gehalten. Vergangenen Mittwochmittag präsentierte das Krankenhaus Großburgwedel das Modernste auf diesem Gebiet, den OP-Roboter „Da Vinci“, der bisher vorrangig in der Urologie und Gynäkologie zum Einsatz kommt.
Benannt nach dem italienischen Universalgenie der Renaissance muss bei dieser technischen Neuerung vielmehr von einem sogenannten Telemanipulator als einem Roboter gesprochen werden, wie Mathias Jaehnichen von der Herstellerfirma „Intuitive Surgical“ im Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten erläuterte. Im Prinzip handle es sich beim „Da Vinci“ um „ein Werkzeug für den Chirurgen, um noch genauer, noch präziser zu arbeiten“. Anders als bei einem Roboter, der programmiert selbstständig Handlungen vollführt, wird der Telemanipulator vom Chirurgen gesteuert. Die Bewegungen seiner Hände werden präzise von den Greifarmen mit dem jeweiligen Operationsinstrument umgesetzt.
Der Operateur sitzt an einer Konsole, die ihm einen dreidimensionalen Einblick in den Körper des Patienten, dank einer speziellen Kamera, gewährt. Die Konsole ist verbunden mit dem Herzstück des OP-Roboters, den Greifarmen, die durch kleine Einschnitte in den Körper eingeführt werden. Feine, sehr flexible Werkzeuge sitzen an den Spitzen dieser Arme, die bei der Operation die Bewegungen ausführen. Die Kamera, wie auch die Instrumente werden vom Chirurgen von der Konsole aus bewegt, weitere Ärzte oder OP-Schwestern beziehungsweise -Pfleger können über einen zusätzlichen Monitor vergrößert den Eingriff verfolgen oder sogar Hinweise auf diesen Bildschirm schreiben, die der Operateur auf seinem zu sehen bekommt.
Neben der Faszination für diese hochtechnisierte, präzise Arbeitsmethode, die vor allem die anwesenden Ärzte, aber auch Patienten erfasste, stand vor allem aber die Frage nach den Vorteilen dieser Operationsmethode im Vordergrund. Mathias Jaehnichen stellt bei der Vorstellung des „Da Vinci“ vor allem die minimalinvasive Operationsmethode heraus. Neben den nur kleinen Schnitten, werde auch im Inneren nur sehr wenig Gewebe verletzt. Das Stativ, an dem die Greifarme befestigt sind, vermeide unnötige Bewegungen, wie etwa einen ganz natürlichen Tremor, ein leichtes Zittern der Chirurgen-Hände. Anders als bei der Laparoskopie bewege sich nicht der Greifarm, sondern nur die Instrumente an deren Spitze, was zu weniger Blutungen und Nervenreizungen führe, also ein präziseres Operieren ermögliche. So würden sich auch postoperative Komplikationen verringern lassen, etwa durch den geringeren Blutverlust, aber auch weniger Schmerzen. Der Patient könne im Schnitt zwei Tage früher entlassen werden, so Jaehnichen.
Nicht zu verachten ist jedoch die finanzielle Seite einer solchen Anschaffung. 1,5 bis 2 Millionen Euro kostet ein „Da Vinci“-System je nach Ausstattung mit den Greifarmen. Hinzu kommen im Schnitt mindestens 1.500 Euro Mehrkosten pro Patient und Operation. Dies kommt zustande, da die empfindlichen Instrumente der Greifarme nach 10 Einsätzen erneuert werden müssen, da unter anderem die verbauten Wolframdrähte durch die Desinfektionsmittel spröde werden. Ein Instrument kostet 3.000 Euro. Hinzu komme, so der Chefarzt der Urologie des Krankenhauses Großburgwedel, Dr. Joachim Stein, in einem vorab geführten Gespräch mit den Burgwedeler Nachrichten, dass es bisher noch „keine nachweislich wissenschaftlichen Vorteile für den Patienten“, gebe, auch wenn eine solche Operationsmethode für den Chirurgen natürlich sehr interessant sei.
Trotz der hohen Kosten sind weltweit mittlerweile schon 1.850 Systeme im Einsatz, 46 an 43 verschiedenen Standorten allein bereits in Deutschland. Das lokale Direktorium des Krankenhauses Großburgwedel sowie die Geschäftsführung des Klinikums Region Hannover setzte sich vergangenen Mittwoch ebenso wie Ärzte und Patienten intensiv mit den Vor- und Nachteilen des „Da Vinci“- Systems auseinander.