Mit zwei Lastwagen nach Polen

Die Spenden aus Burgdorf werden von den Ehrenamtlichen in Polen dankbar in Empfang genommen. (Foto: privat)
 
In der Dunkelheit werden die Lastwagen in Burgdorf beladen, bevor sie am frühen Samstagmorgen aufgebrochen sind. (Foto: privat)

Cetin Kizilyel hat mit weiteren Unterstützern Sachspenden für ukrainische Flüchtlinge gesammelt

Burgdorf (fh). Um ukrainischen Flüchtlingen zu helfen, sammelt Cetin Kizilyel vom Taxi- und Mietwagenunternehmen 2216 zusammen mit seinem Team Sachspenden. Am vergangenen Wochenende haben sie die erste Fuhre nach Polen gefahren. Dafür machten sie sich am frühen Samstagmorgen gegen 5 Uhr mit zwei Lastwagen auf den Weg.
Möglich wurde das auch, weil das Hülptingser Unternehmen Rock‘n‘Roll-Trucks einen 40-Tonner inklusive Treibstoff und zwei Fahrern kostenlos zur Verfügung stellte. Zusätzlich hatte Kizilyel selbst einen 15-Tonner organisiert, den Freunde von ihm ehrenamtlich steuerten. „Beide Lastwagen waren rappelvoll“, sagt Kizilyel.
Beladen waren sie vor allem mit Kindernahrung, Erste-Hilfe-Ausstattung und anderen Produkten zur medizinischen Versorgung, Masken und Handschuhen, Seife, Duschgel und Hygieneartikeln für Frauen wie Monatsbinden. „Einer meiner Mitarbeiter kommt aus Polen und eine Mitarbeiterin aus der Ukraine. Sie haben vorab Kontakt zu Kirchengemeinden, Vereinen und Feuerwehren aufgenommen und gefragt, was am dringendsten gebraucht wird“, so Kizilyel.
Von den Helfern vor Ort hätten sie auch erfahren, dass viele Menschen mit ihren Haustieren fliehen, das aber bei den meisten Spendenaktionen vergessen werde. „Deshalb haben wir auch Dosen- und Trockenfutter sowie Decken insbesondere für Hunde und Katzen mitgenommen“, sagt Kizilyel. Den Spendenaufruf hatten sie vor allem über die Sozialen Medien Facebook und Instagram sowie im Freundeskreis verbreitet. „Die beiden LKW-Füllungen sind in gerade einmal zweieinhalb Tagen zusammengekommen“, betont Kizilyel.
Für die Sammlung hatte der KfZ-Meisterbetrieb H.M.A. seine neue noch ungenutzte Fahrzeughalle Vor dem Hannoverschen Tor zur Verfügung gestellt. Von dort aus wurden die Sachspenden dann zu einer Unterkunft in Polen gebracht, in der ukrainische Flüchtlinge Zuflucht gefunden haben. Nach rund sieben Stunden kamen sie am Samstagmittag dort an. Die Ehrenamtlichen vor Ort hätten sie sehr freundlich empfangen un seien dankbar für die Hilfe gewesen. „Sie haben uns mit Getränken, selbstgemachtem Gebäck und Essen bewirtet, damit wir uns von der Fahrt erholen konnten und uns quasi im Minutentakt gefragt, ob wir noch irgendetwas brauchen“, beschreibt Kizilyel. Auch ein Schlafplatz sei ihnen angeboten worden.
Doch weil sie zurück zu ihren Familien wollten und am Montag alle wieder zur Arbeit mussten, machten sie sich schon am Samstagabend wieder auf den Rückweg. „Wir sind zum Glück auf beiden Fahrten gut durchgekommen und hatten keinen Stau“, sagt Kizilyel.
Schon als er die ersten Nachrichten von dem Krieg in der Ukraine gehört habe, sei für ihn sofort klar gewesen, dass er helfen wolle. „In Deutschland leben wir alle in Sicherheit und relativem Wohlstand. Gerade deshalb sind wir verpflichtet, Menschen in Not zu unterstützen“, zeigt er sich überzeugt. Aufgrund seiner Familiengeschichte habe er eine besondere Beziehung dazu. „Meine Eltern sind als politisch-religiö­se Flüchtlinge nach Deutschland gekommen“, sagt er.
Auch nach dem Transport am vergangenen Wochenende sammelt er weiter. „Je nachdem wie sich die Lage weiter entwickelt, werden wir entweder noch mal nach Polen oder auch an die ukrainische Grenze fahren oder wir stellen die Spenden Flüchtlingen zur Verfügung, die in Deutschland ankommen“, so Kizilyel.