Mit Worten durchs Museum führen

Silvia Schwendtke, Wolf-Dieter Rothe, Katja Weberling und Gabriele Jagau bieten im Stadtmuseum Führungen für Blinde und Sehbehinderte an.

Der VVV bietet im Stadtmuseum und in der KulturWerkStadt Führungen für Blinde und Sehbehinderte an

Burgdorf (fh). Der Verkehrs- und Verschönerungsverein bietet im Stadtmuseum und in der KulturWerkStadt seit Kurzem Führungen für Blinde und Sehbehinderte an. „Das ist ein weiterer Schritt in Richtung Inklusion, um auch Menschen mit Behinderung hier vor Ort kulturelle Teilhabe zu ermöglichen“, sagt der VVV-Geschäftsführer Gerhard Bleich. Auch für die beiden aktuellen Ausstellung „Verborgene Schätze – Sammler stellen aus“ und „Zweimal Sperrsitz bitte – 90 Jahre Schauburg-Kino“ ist ein solches Angebot geplant.
Das Projekt ist durch den regelmäßigen Austausch mit anderen Museen in der Region entstanden. „Als wir gehört haben, dass das Fußballmuseum in Springe Führungen für Blinde anbietet, waren wir sofort angetan“, verrät Bleich. Die Kollegen aus Springe hätten ihnen dann auch den Kontakt zu Björn Nass vermittelt, der die Spiele im Stadion von Bayer Leverkusen für Blinde und Sehbehinderte moderiert. Er hat die zehn ehrenamtlichen Blinden-Guides des VVV Burgdorf im Mai bei einer Schulung auf ihre Aufgabe vorbereitet.
In Kleingruppen haben sie Rundgänge durch das Museum gemacht: Jeweils einer hatte eine Dunkelbrille auf, sodass er nichts sehen konnte – die anderen haben ihn geführt und die Exponate beschrieben. „Das war eine echte Herausforderung. Es ist gar nicht so einfach, die richtigen Worte zu finden“, gibt die Teilnehmerin Katja Weberling zu. Oft habe sie lange gegrübelt, wie sie das Gesehene in Sprache übersetzen könne. „Am Anfang bin ich dabei viel zu sehr ins Detail gegangen. Nach und nach habe ich gelernt, mich lieber auf das Wesentliche zu beschränken und es mit Bildern möglichst anschaulich zu machen“, sagt sie.
Den ersten Praxistest gab es dann Mitte Juli im Stadtmuseum. „Da haben wir einem blinden jungen Mann die James-Bond-Ausstellung gezeigt. Er war ganz begeistert von dem Angebot“, sagt Gabriele Jagau, die sich ebenfalls als Blinden-Guide engagiert. Gerade für Einzelpersonen könnten die Führungen ganz individuell gestaltet werden. „Wir spulen kein Programm ab, sondern wollen mit den Besuchern ins Gespräch kommen, auf ihre Interessen eingehen und ihre Fragen zu den Exponaten beantworten“, erläutert Jagau.
Darüber hinaus gehe es auch um praktische Hilfestellungen, je nach Wunsch der Betroffenen. „Wir fragen zum Beispiel, ob wir sie an die Hand nehmen und durch die Ausstellung führen sollen, oder ob sie nur Hinweise bekommen möchten, beispielsweise wie viele Stufen die Treppe hat und ob es nach rechts oder nach links weitergeht“, so Jagau.
Bei der James-Bond-Ausstellung ist es zunächst bei der einen Führung geblieben. „Es war ja von vornherein klar, dass das kein Angebot für die breite Masse ist. Wir hoffen aber, dass es sich bei Betroffenen in Burgdorf und der Umgebung herumspricht und zusehends genutzt wird“, sagt Bleich. Nach den ersten Berichten über das Angebot in den Burg­dorfer Medien, habe er mehrere Anrufe von blinden und sehbehinderten Menschen bekommen. „Sie haben sehr positive Rückmeldungen gegeben. Einige haben mir gesagt, dass sie sich für James Bond nicht so interessieren, das bei künftigen Ausstellungen aber gern wahrnehmen würden“, so Bleich.
Dazu besteht jetzt Gelegenheit: Bei der aktuellen Ausstellung „Verborgene Schätze – Sammler stellen aus“ im Stadtmuseum, Schmiedestraße 6, wollen die ehrenamtlichen Blinden-Guides am Sonntag, 3. Oktober, Führungen anbieten. Anmeldungen nimmt die VVV-Geschäftsstelle, Braunschweiger Straße 2, Telefon (05136) 1862, ab sofort entgegen. Auch für die Schau „Zweimal Sperrsitz bitte – 90 Jahre Schauburg-Kino“ in der KulturWerkStadt, Poststraße 2, ist ein solches Angebot geplant, voraussichtlich in der zweiten Oktober-Hälfte.