Mit Pferdewagen nach Jerusalem

Friedbert Enders (2. von rechts) vom Friedenstreck wird von dem stellvertretenden Bürgermeister Matthias Paul (von links) sowie seinen Gastgebern Barthold Plaß und Cord Reißer in Empfang genommen.

Bei seiner ersten Übungstour macht der Verein Friedensglocke Halt in Schillerslage

Schillerslage (fh). Mit Pferden, Planwagen und einer großen Friedensglocke im Gepäck sind Fried­bert Enders und etwa 20 Mitreisende vergangene Woche nach Schillerslage gekommen. Ortsbürgermeister Cord Reißer und der Pferdebesitzer und Ratsherr Barthold Plaß haben ihnen dort für eine Nacht ein Quartier geboten. Auch der stellvertretende Bürgermeister von Burgdorf Matthias Paul war auf das Grundstück an den Wolfskuhlen gekommen, um sie im Namen von Rat und Verwaltung in Empfang zu nehmen.
Die Gruppe kommt aus dem brandenburgischen Brück und hat sich dort um Pfarrer Helmut Kautz firmiert. Am 2. August ist sie in Hamburg gestartet und tourt jetzt rund drei Wochen lang durch Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Brandenburg. Jede Nacht schlagen sie ihr Lager woanders auf.
Damit üben sie schon für den großen Treck, den sie für 2025 planen. 80 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs wollen sie dann eine Friedensglocke nach Jerusalem bringen, die sie aus Militärschrott und Edelmetallen gegossen haben. Doch bevor sie sich auf diese mehr als 4000 Kilometer lange Fahrt wagen, die etwa ein halbes Jahr in Anspruch nehmen wird, wollen sie ausgiebig üben und Erfahrungen sammeln. Bis es soweit ist, soll es deshalb jedes Jahr eine mehrwöchige Tour innerhalb Deutschlands geben: In diesem Sommer ist der Norden der Bundesrepublik an der Reihe, danach folgen Süden, Osten und Westen.
Gleich zum Auftakt musste Organisator Friedbert Enders wegen der Corona-Epidemie mit erschwerten Bedingungen zurecht kommen. „Ich hatte Anfang des Jahres schon viele Quartiere ausgewählt und besucht, um unsere Gastgeber kennenzulernen und Details abzusprechen“, berichtet er. Doch ab Mitte März sei das aufgrund des Lockdowns nicht mehr möglich gewesen, sodass es in seiner Reiseplanung noch einige Lücken gegeben habe. „Ich bin deshalb dankbar, dass Barthold Plaß und Cord Reißer sich spontan bereit erklärt haben, uns aufzunehmen“, so Enders.
Als dank dafür überreichte er ihnen eine Miniatur-Ausgabe der Friedensglocke. Etwa 40 davon haben sie für den Nordtreck in diesem Jahr gießen lassen, in den nächsten Jahren wird jeweils nachproduziert. „Für unsere Fahr nach Jerusalem werden wir dann voraussichtlich 200 Stück benötigen, um alle unsere Gastgeber bedenken zu können“, sagt Enders.
Völliges Neuland sind die langen Touren mit Pferden und Planwagen für die Gruppe übrigens nicht. 2008 sind sie innerhalb von 80 Tagen auf dem Hellweg etwa 2200 Kilometer bis nach Weliki Nowgorod in Russland gezogen. Dabei sind ausschließlich Kaltblut-Pferde zum Einsatz gekommen, die besonders viel Kraft haben und die Wagen gut ziehen können. Trotzdem sei die Tour für die Tiere eine Herausforderung gewesen. „Alle 400 bis 500 Kilometer mussten die Hufe komplett neu gemacht werden und am Ende der 80 Tage bestanden sie gefühlt nur noch aus Muskeln“, beschreibt Enders.
Inklusive der Tierarztkosten und des Rücktransports mit Autos und Pferdeanhängern habe die Reise rund 350.000 Euro gekostet, für den Treck nach Jerusalem benötigen sie deshalb nach eigenem Bekunden mindestens eine Millionen Euro. „Vielleicht werden es auch anderhalb“, prognostiziert Enders.
Um dafür einfacher Spenden sammeln zu können, hat die Gruppe im vergangenen Jahr den Verein Friedensglocken gegründet. Weitere Infos gibt es auf der Internetseite www.friedenstreck.de.