Mit kreativen Ideen Kontakt halten

Hans-Joachim Meier legt einen Barfußpfad an und bepflanzt ringsherum Blumenbeete.
 
Auf dem Außengelände der Kita Pusteblume können sich die Kinder austoben. Die Gruppen dürfen sich aber nicht vermischen.

Das Team der Kita Pusteblume kümmert sich nicht nur um die Kinder in der Notbetreuung

Burgdorf (fh). Immer wieder befüllt die fünfjährige Luise ihren kleinen Eimer mit Rindenmulch und verteilt ihn auf den Beeten. Zwischendurch guckt sie interessiert zu Hans-Joachim Meier herüber, der gerade eine neue Pflanze eingräbt. Weil er zur Corona-Risikogruppe gehört, ist der Erzieher von der Arbeit mit Kindern im Moment freigestellt. Trotzdem kommt er jetzt fast jeden Tag in die Kita Pusteblume: In einer Ecke des Außengeländes, die zuletzt recht verwahrlost war, legt er einen Barfuß­pfad an, umgeben von bunten Blumenbeeten.
Viele Familien haben Pflanzen und Materialien mitgebracht und über den Zaun gereicht, um das Projekt zu unterstützen. Und mit etwas Abstand können ihm die Kinder aus der Notbetreuung bei der Arbeit zusehen oder sogar mithelfen, so wie Luise. „Im normalen Kita-Alltag fehlt meist die Zeit, um solche Ideen zu verwirklichen“, sagt er. Deshalb habe er die Gelegenheit jetzt beim Schopfe gepackt. „Schließlich kommt das den Kindern später direkt zugute“, zeigt sich Meier überzeugt.
Auch sonst haben sich die Mitarbeiter der Burgdorfer Kitas in den zurückliegenden Wochen vielen Aufgaben gewidmet, die im normalen Betrieb oft auf der Strecke bleiben. „Wir haben beispielsweise an unseren Einrichtungskonzepten und am Kinderschutzkonzept gearbeitet, an Online-Schulungen teilgenommen, unsere pädagogische Arbeit reflektiert und uns überlegt, wie wir die Partizipation der Kinder künftig stärken können“, beschreibt Birgit Meinig, die pädagogische Leiterin der Kindertagesstätten des Kirchenkreises Burgdorf.
Für die Kinder, die keinen Platz in der Notbetreuung haben, seien ebenfalls viele kreative Ideen entwickelt worden. Die Kita Pusteblume hat zum Beispiel einen Anti-Langeweile-Kalender ins Internet gestellt. Er enthält für jeden Tag eine kleine Anregung: ein Kochrezept, einen Basteltipp, ein Fingerspiel oder einfach einen Witz. Das werde gut angenommen. Noch beliebter seien aber die kleinen Videos aus der Kita, in denen die Erzieher Sportübungen vormachen, Lieder zum Mitsingen spielen oder ein Kasperletheater aufführen. „Die Kinder freuen sich darüber, die bekannten Räume und die bekannten Gesichter zu sehen“, sagt Einrichtungsleiterin Gabriele Kühnberg. Viele guckten sich die Videos sogar mehrmals an.
Und angesichts der Lockerungen gibt es mittlerweile auch vor Ort zweimal pro Woche Aktionen für die Kinder, die keinen Platz in der Notbetreuung haben. Um das Ansteckungsrisiko gering zu halten, finden sie nicht in den Kita-Räumen statt, sondern vor der Einrichtung unter freiem Himmel. „Neulich hat dort beispielsweise ein Erzieher Gitarre gespielt und mit den Kindern gesungen“, nennt Kühnberg ein Beispiel. Ein anderes Mal könnten sie sich an einem Malwettbewerb beteiligten oder Blumen für den Kita-Garten mitbringen.
Zum 22. Juni läuft die Notbetreuung in Niedersachsen nun aus. Dann können prinzipiell wieder alle Kinder in die Kitas zurückkehren, voraussichtlich aber nicht jeden Tag, sondern im Wechsel. Ähnlich wird das auch den Schulen derzeit praktiziert. „Wir erarbeiten jetzt ein Konzept, wie wir das umsetzen können“, sagt Meinig.
Bei vielen Familien sei die Ungeduld zuletzt gewachsen. „Je mehr die Notbetreuung ausgeweitet wird, desto schwieriger wird es für diejenigen, die zu Hause bleiben müssen“, so Kita-Leiterin Kühnberg. Denn zum einen seien bei rund 90 Prozent der Familien in der Kita Pusteblume beide Elternteile berufstätig und müssten jetzt Home-Office und Kinderbetreuung unter einen Hut bringen, zum anderen wünschten sich viele, dass ihre Kinder wieder mit Gleichaltrigen spielen und an den Bildungsangeboten der Kitas teilhaben könnten.
Während in der Kita Pusteblume anfangs nur fünf Plätze in der Notbetreuung vergeben waren, kommen jetzt wieder rund 50 der insgesamt 125 Kinder regelmäßig in die Einrichtung. Trotzdem ist es auf den Fluren erstaunlich still, die Türen sind geschlossen. „Um das Ansteckungsrisiko zu senken, dürfen sich die Gruppen nicht vermischen“, begründet Einrichtungsleiterin Gabriele Kühnberg. Gegessen werde deshalb zur Zeit nicht in der Mensa, sondern in den Gruppenräumen und auch der Bewegungsraum sei noch tabu.
Umso wichtiger, dass sich die Kinder auf dem Außengelände austoben können – allerdings ebenfalls nach festen Regeln: Es können sich dort höchstens drei Gruppen gleichzeitig aufhalten und sie müssen jeweils in einem mit Flatterband abgegrenzten Bereich bleiben. „Die einen spielen dann im Sandkasten, die anderen bei den Schaukeln und am nächsten Tag wird getauscht, damit es ein bisschen Abwechslung gibt und jeder mal auf seine Kosten kommt“, erläutert Kühnberg.
Außerdem achten die Erzieher darauf, dass sich die Kinder regelmäßig die Hände waschen. Andere Vorsichtsmaßnahmen wie Abstandhalten oder das Tragen einer Maske seien in dem Alter hingegen nicht möglich. Drei Mitarbeiter gehören zur Risikogruppe und sind deshalb von der Arbeit mit den Kindern befreit, die übrigen 15 sind alle wieder in der Betreuung im Einsatz. „Ich bin dankbar, dass unsere Erzieherinnen und Erzieher bereit dazu sind, auch wenn sie hier weitgehend ungeschützt arbeiten“, so die pädagogische Leiterin der Kirchenkreis-Kitas Birgit Meinig.