Menschen, Moore und Kraniche von Korridorplanung betroffen

Gastgeber Alfred Baxmann mit den Podiumsteilnehmern Thomas Wagner (TenneT), Navina Breuer und Dr. Jens Wahlhäuser (Bundesnetzagentur; v.l.), die im Burgdorfer Schloss etliche Bürgerfragen zur geplanten SuedLink-Stromautobahn zu beantworten hatten. (Foto: Georg Bosse)

Informationsveranstaltung zu SuedLink im Burgdorfer Schloss

BURGDORF (gb). Seitdem die Energiewende eine von der Bundesregierung beschlossene Sache ist, zu der 2022 die letzten deutschen Atomkraftwerke abgeschaltet werden sollen, elektrisiert die geplante Stromautobahn, die Gleichstromhöchstspannungsleitung SuedLink, die betroffenen Gemüter. Die beabsichtigte Trasse soll Windstrom aus dem Norden in den Süden Deutschlands transportieren, damit dort nicht die Lichter ausgehen. Betreiber und Planer dieses Jahrhundertprojektes ist das niederländische Staatsunternehmen TenneT und Genehmigungsbehörde ist die Bundesnetzagentur. „Die bislang zurückhaltende Informationspolitik bekommt heute eine neue Dynamik“, zeigte sich Burgdorfs Bürgermeister Alfred Baxmann angesichts einer so genannten Öffentlichkeitsbeteiligung, zu der Vertreter des operativ verantwortlichen Übertragungsnetzbetreibers (ÜNB) und der Regulierungsbehörde am vergangenen Montag im Ratssaal des Schlosses am Spittaplatz erschienen waren, zuversichtlich.
Navina Breuer von der Bundesnetzagentur erläuterte den gut 100 interessierten und argwöhnischen Bürgerinnen und Bürgern die Fünf-Schritte-Planung vom Szenariorahmen über Netzentwicklungspläne und Umweltbericht, Bundesbedarfsplan, Bundesfachplanung/Raumordnung bis hin zur Planfeststellung: „Für den Verlauf des SuedLinks stehen erst die Anfangs- und Endpunkte mit ihren Umwandlungsmöglichkeiten (Konverter) fest. Eine förmliche Bundesfachplanung hat noch nicht begonnen.“
Der 500 bis 1000 Meter breite TenneT-Trassenkorridorvorschlag schlängelt sich von Brunsbüttel und Wilster in Schleswig-Holstein durch Niedersachsen und durch die sensible Ballungsregion Hannover bis hin zum E.ON-Kernkraftwerksstandort Grafenrheinfeld (Bayern/Unterfranken) und Großgartach (Baden-Württemberg). „Wegen der überwiegend vorgesehenen 65 Meter hohen Freiluftmasten als Punkt-zu-Punkt-Verbindungen sowie der zu berücksichtigenden Belange von Mensch und Natur ist ein durchgängig konfliktfreier Korridor von Nord nach Süd kaum möglich“, musste Thomas Wagner, eigens von TenneT berufener Referent für Bürgerbeteiligung, einräumen. Das warf bei den Besorgten aus Beinhorn und Schillerslage natürlich Fragen nach den Sicherheitsabständen für Wohngebiete zu den Leitungen sowie nach dem Vorgehen bei Natur- und Tierschutzräumen, wie beispielsweise das Oldhorster Moor, auf. „Eine Freileitung hat zu geschlossenen Wohngebieten einen Abstand von 400 Meter und zu außerhalb gelegenen Wohnhäusern 200 Meter einzuhalten“, antwortete der TenneT-Repräsentant.
Dass der SuedLink geradewegs das Oldhorster Moor durchschneiden soll, wo seit gut zehn Jahren regelmäßig Kraniche (boden-)brüten, sei wohl eine ausgesprochene Fehlplanung, so die Beinhornerin Larissa Hinsemann. „Jemand wird vorbeikommen und sich das genau ansehen, denn diese Hinweise sind für uns Gold wert“, erwiderte Wagner.
Kontrovers wurde auch die Kostendifferenz zwischen Freiluftleitungen und Erdverkabelung diskutiert. Unabhängig von den Kosten sei eine Erdverkabelung sehr begrenzt nur bei Siedlungs-, jedoch nicht bei Naturschutzgebieten gesetzlich vorgesehen, merkte Dr. Jens Wahlhäuser von der Bundesnetzagentur dazu an.
So oder so werden für die Stromautobahn sicherlich Einschränkungen bei Erholungsgebieten und Grundstückswerten in Kauf genommen werden müssen. „Ich erwarte, dass der Bund mehr Geld in die Hand nimmt, um die berechtigten Interessen der Kommunen und Bürger besser zu wahren“, forderte Baxmann. Zuversicht geht anders, was blieb, war allgemeine Skepsis.
Weit ausführlichere Informationen unter: www.netzausbau.de, www.bundesnetzagentur.de und/oder www.burgdorf.de