Meilenweit für eine Briefmarke

Bernhard Wittek (von links) hat Dieter Michael Hohmann den Satz "Helfer der Menschheit" von 1951 verkauft und hilft ihm beim Einsortieren.
 
Der Vorsitzende des Burgdorfer Briefmarkensammler-Clubs Rudolf Evers (von rechts) schaut sich zusammen mit Wolfgang Ludwig eine Auswahl aus dessen Zirkus-Sammlung an.

Börse für Briefmarken, Ansichtskarten und Münzen im Stadthaus lockt auch Besucher von außerhalb an

BURGDORF (fh). Etwa 150 Besucher sind am vergangenen Sonntagvormittag zur Börse des Briefmarkensammler-Clubs Burgdorf in Stadthaus gekommen. "Das waren deutlich mehr als in den vergangenen Jahren", freute sich der Vorsitzende Rudolf Evers. Das schiebt er vor allem darauf, dass er in diesem Jahr auch weit über Hannover und Niedersachsen hinaus Werbung für die Veranstaltung gemacht habe. "Alle Briefmarkenvereine verlieren Mitglieder. So gibt es aber auch weniger Tauschtage und Börsen", erläutert Evers. Deshalb seien die Sammler zusehends bereit auch weitere Strecken zu fahren. "Wenn wir es richtig anstellen, können wir dadurch kompensieren, dass sich auch bei uns in der Umgebung immer weniger Menschen diesem Hobby widmen", ist der Vorsitzende des Burgdorfer Clubs überzeugt.
Zusätzlich zu der weiträumigen Werbung gab es in diesem Jahr zwei weitere Neuerung, um wieder mehr Besucher anzulocken. Weil weniger getauscht werde als früher und der Verkauf immer mehr im Vordergrund stehe, war die Veranstaltung in diesem Jahr erstmals offiziell als Börse konzipiert worden. Außerdem wurden zusätzlich zu Briefmarken auch Ansichtskarten und Münzen stärker in den Blick genommen. Zwar wurden sie auch schon in den vergangenen Jahren an dem ein oder anderen Stand angeboten, in diesem Jahr hat der Verein sie aber auch gleichwertig in den Titel der Veranstaltung aufgenommen.
Diesen Bereich will Evers ohnehin ausbauen. "Wir wollen uns stärker als allgemeiner Sammlerverein ausrichten, um wieder mehr Menschen zu gewinnen", kündigt er an. Zur Zeit hat der Burgdorfer Club noch 70 Mitglieder, davon etwa fünf Kinder und Jugendliche. "Wir wollen wieder wachsen und auch jüngeres Publikum ansprechen", so Evers.
Für Ernst-August Harms aus Celle hat sich der Besuch im Stadthaus gelohnt. "Ich habe Österreich als Nebensammelgebiet. Da kommt man zum Teil schwer ran, weil die Auflagen so klein sind", erläutert er. Auf der Börse in Burgdorf sei er aber fündig geworden. "Es ist sagenhaft, was ich hier für Lücken in meiner Sammlung schließen konnte", freut er sich. Auch Dieter-Michael Hohmann hat einige Marken gefunden, die ihm noch fehlten. Ganz besonders ist er von dem Satz "Helfer der Menschheit" aus der jungen Bundesrepublik von 1951 angetan, die er am Stand von Bernhard Wittek ergattert hat.
Wolfgang Ludwig war hingegen nicht nur gekommen, um seine Zirkus-Sammlung zu ergänzen, sondern auch um dem Ausstellungswart einige Seiten vorzulegen. "Ich habe heute gute Bewertungen dafür bekommen, sodass ich jetzt anfangen kann, mich nach einem Ausstellungsort umzusehen", freut sich der 80-jährige Laatzener. Die Marken in seinem Sammelbuch sind thematisch angeordnet und jede Seite ist liebevoll beschriftet. Dahinter steckt viel Arbeit. "Wenn man Briefmarken sammelt, ist es wichtig, sich mit dem jeweiligen Thema auszukennen. Die Beschreibungen müssen fachlich korrekt sein und ich muss die Sprache der Zirkus-Leute verwenden, es aber zugleich auch allgemein verständlich halten", betont Ludwig.
Als er vor zehn Jahren begonnen habe, Briefmarken zum Thema Zirkus zu sammeln, habe er noch kaum etwas darüber gewusst. Deshalb sei er wenig später dem Verein der Zirkus-Freunde beigetreten und habe auf Reisen Zirkusvorstellungen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Monaco und vielen weiteren europäischen Ländern gesehen. "Außerdem habe ich inzwischen rund 400 Bücher zu dem Thema und 730 Zirkusprogramme im Regal stehen", ergänzt der 80-Jährige.