Mehr Unverständlichkeiten als Verständigung beim „Tag der Heimat“

Hartmut Unverzagt (Mi.) und Oliver Dix (re.) ließen Siegfried Preugschats verbalen Fauxpas beim „Tag der Heimat“ im Burgdorfer VAZ unwidersprochen durchgehen. (Foto: Georg Bosse)

BdV-Kreisvorsitzender Preugschat bestreitet deutsche Alleinschuld am II. Weltkrieg

BURGDORF (gb). Im Begriff „Verständigung“ stecke immer auch „Verstand“ führte der Landesvorsitzende des Bundes der Vertriebenen (BdV), Oliver Dix, seinen Gastvortrag „Wahrheit und Dialog - Schlüssel zur Verständigung“ ein, zu dem ihn die BdV-Kreisverbände Burgdorf, Hannover-Land und Hannover-Stadt am vergangenen Samstag anlässlich ihres „Tag der Heimat“ ins Burgdorfer Veranstaltungszentrum (VAZ) eingeladen hatten.
Diese Einsicht schien dem BdV-Kreisvorsitzenden Siegfried Preugschat aus Sehnde jedoch gänzlich abhanden gekommen zu sein, als er bei seiner Begrüßung der rund 120 Gäste, darunter der Ortsbürgermeister von Hänigsen, Heinrich Bühring, Burgdorfs 2. stellvertretender Bürgermeister Hartmut Unverzagt sowie der Burgdorfer SPD-Fraktionschef Adolf W. Pilgrim, mit der Aussage „an der Alleinschuld Deutschlands am II. Weltkrieg kann nicht mehr festgehalten werden“ betroffenes Schweigen auslöste. Wer dazu vielleicht aus dem Saal heraus eine erboste Erwiderung erwartet hatte, wurde enttäuscht. Weder Pilgrim noch Unverzagt, der später die Grußworte der gastgebenden Stadt sprach, konnten oder wollten diesem prekären Unverstand offen entgegentreten. Ganz im Gegenteil.
„Die Flüchtlinge und Vertriebenen aus den ehemaligen deutschen Ostgebieten haben hier gegen alle Widrigkeiten wieder die Ärmel aufgekrempelt sowie mit Fleiß, Beharrlichkeit und Durchsetzungsvermögen Werte geschaffen und über ihre Verbände früh Einfluss auf die (Kommunal-)Politik genommen. Darüber hinaus haben sie erheblich zur Integration der Spätaussiedler beigetragen“, sagte Hartmut Unverzagt. Gewiss ein positiver Teilaspekt der Arbeit der Organisationen für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, der aber häufig durch eine bornierte Rückschau einiger offizieller Verbandsvertreter auf die jüngere deutsche und europäische Geschichte immer wieder diskreditiert wird.
„Wir verschweigen kein deutsches Unrecht und betreiben kein Heimwehtourismus. Weil „Heimat“ ein hohes Gut ist, laden wir unsere östlichen Nachbarn zum Dialog ein. Denn im Bereich „Flucht und Vertreibung“ ist noch nicht alles aufgearbeitet worden“, referierte Oliver Dix anschließend.
Vielleicht liegt ja der „Schlüssel zur Verständigung“ in der realistischen Wahrnehmung historischer Ereignisse, die Millionen von Ostdeutschen und ebenso viele Menschen benachbarter Staaten in Europa zu Flüchtlingen und Vertriebenen gemacht haben. Der „Tag der Heimat“ in Burgdorf wurde im weiteren Verlauf von Hans-Joachim Rinnau am Klavier musikalisch begleitet.