Mehr Mitsprache für junge Menschen

Im Büro des Kinderschutzbundes bereitet Niko Kempke die Gründung des Jugendrates vor.
 
Im Büro des Kinderschutzbundes bereitet Niko Kempke die Gründung des Jugendrates vor.

Niko Kempke absolviert seinen Bundesfreiwilligendienst beim Kinderschutzbund Burgdorf und will einen Jugendrat ins Leben rufen

BURGDORF (fh). Was wünschen sie sich für die Ferienbetreuung? Wie möchten sie ihren Schulalltag gestalten? Und welche Ideen und Vorstellungen haben sie für die Zukunft ihrer Stadt? Annegret Lange-Kreutzfeldt vom Kinderschutzbund Burgdorf möchte jungen Menschen mehr Möglichkeiten geben, sich einzubringen und mitzubestimmen. Schon seit längerem träumt sie deshalb von einem Jugendrat, der sich regelmäßig trifft und eigene Projekte auf den Weg bringt oder sich mit Vorschlägen an den Verein, an die örtlichen Schulen oder an Politiker und Stadtverwaltung wendet.
Doch es ist viel Arbeit, so ein Gremium aufzubauen, Mitglieder anzuwerben und die jungen Menschen dann zu begleiten. Deshalb ist der 20-jährige Niko Kempke ein Glücksfall für den Kinderschutzbund Burgdorf. Seit Dezember leistet er dort seinen Bundesfreiwilligendienst und kümmert sich speziell um die Gründung eines Jugendrates. In den vergangenen zwei Monaten ist er dabei schon einen großen Schritt weitergekommen - und das, obwohl er quasi bei Null anfangen musste. "Ich hatte vorher noch nie etwas davon gehört. Deshalb musste ich mich erst einmal schlau lesen", gibt Kempke zu.
Innerhalb von zwei Wochen habe er sich einen ersten Überblick verschafft, wie ein Jugendrat funktioniert. Danach hat er einen Flyer entworfen, mit dem er für das neue Gremium werben will. "Er muss nur noch Korrektur gelesen und ausgedruckt werden", betont Kempke. Außerdem hat er eine Satzung verfasst, in der er die wichtigsten Eckpunkte festlegt. Mitmachen können demnach junge Menschen im Alter von zwölf bis 21 Jahren. Der Jugendrat braucht einen Vorsitzenden, einen Protokollanten und einen Kassenwart und soll sich grob alle sechs Wochen treffen.
Parallel dazu hat Niko Kempke auch schon Kontakt zu Kindern und Jugendlichen aufgenommen, unter anderem über die offene Ganztagsschule. Denn während er vormittags im Büro an der Hannoverschen Neustadt 39 arbeitet, engagiert er sich nachmittags in der Betreuung. "Das ist eine interessante Erfahrung für mich, weil die Kinder heute ganz anders ticken als wir früher", sagt er. Die Grundschüler sind zwar noch zu jung, um offiziell im Jugendrat mitzuarbeiten - dafür hat Kempke dort beispielsweise Praktikanten angesprochen. Drei 14-jährige haben ihm bereits zugesagt.
Zum Start möchte Kempke nach Möglichkeit noch mindestens zwei weitere Mitglieder gewinnen. Deshalb hat er das Konzept des Jugendrates am vergangenen Freitag beispielsweise den Schülern der Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule vorgestellt. "Es ist beeindruckend, wie strukturiert er arbeitet. Er brauchte kaum Unterstützung von uns", lobt Lange-Kreutzfeld. Und tatsächlich wirkt der 20-Jährige sehr zielstrebig und weiß anscheinend ganz genau, was er will.
Nach seinem erweiterten Realschulabschluss hat er das Wirtschaftsgymnasium der Berufsbildenden Schulen (BBS) Burgdorf besucht und dort im vergangenen Jahr sein Abitur abgelegt. Zum 1. August will er nun eine Lehre zum Bankkaufmann anfangen - einen Ausbildungsplatz hat er bereits. Danach könnte noch ein Duales Studium folgen. Doch er Kempke wollte nicht nahtlos von der Schule in die Ausbildung wechseln, sondern zwischendurch noch mal etwas ganz anderes ausprobieren.
"Ich hatte das Bedürfnis, erst einmal ein Findungsjahr einzulegen", sagt er. Seine Oma, die sich beim Nachbarschaftstreff am Ostlandring engagiert, habe dann den Kontakt zum Kinderschutzbund hergestellt. Und nach den ersten zwei Monaten zieht Kempke ein positives Fazit: "Ich habe schon viel gelernt und viele neue Erfahrungen gemacht." Und vor allem sei er geduldiger geworden.