Mähdrescher und Nestschaukel

Bei der offiziellen Eröffnung des Spielplatzes im Neubaugebiet Kötnerkamp tobten die Kinder sich auf dem Mähdrescher mit Kletterwand, Rutsche und Spielhäuschen aus.
 
Die Eltern aus dem Neubaugebiet haben Spenden und Sponsorengelder eingeworben, um statt eines Standardmodells eine Spielkombination in Form eines Mähdreschers anschaffen zu können.

Spielplatz im Neubaugebiet Kötnerkamp in Otze ist fertig gestellt / Eltern haben Spendengelder eingeworben und sich bei der Planung eingebracht

OTZE (fh). "Liebe Kinder, erobert euch diesen Platz", als Christiane Gersemann, die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses, ihre Rede mit diesen Worten schloss, kletterten die Jungen und Mädchen längst auf dem großen grünen Mähdrescher aus Holz herum, testeten die Nestschaukel und spielten im Sand. Etwa 40 Kinder unter acht Jahren wohnen in dem Neubaugebiet Kötnerkamp in Otze; annähernd die Hälfte von ihnen waren mit ihren Eltern zur kleinen Eröffnungsfeier auf dem neuen Spielplatz gekommen.
"Ich freue mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind. Aber es ist ja auch ein Ereignis, auf das Sie lange gewartet und hingearbeitet haben", begrüßte Bürgermeister Alfred Baxmann die Besucher. Tatsächlich war die Initiative zu dem Projekt von den Eltern ausgegangen. Denn bei der Planung des Baugebiets hatte die Stadt 2008 zunächst auf einen Spielplatz verzichtet. Zum Verdruss vieler junger Familien, die dort einzogen. Sie wandten sich Anfang 2017 mit ihrem Anliegen an die Kommunalpolitiker und bekamen Unterstützung vom Rat und vom Ortsrat. Vor allem Ortsbürgermeisterin Ulla Träger und den anderen Mitgliedern des Ortsrates sowie die Vorsitzende des Jugendhilfeausschusses Christiane Gersemann nahmen sich des Themas an und begleiteten den gesamten Prozess.
Die Idee: Eine ohnehin vorhandene Aktionsfläche sollte in einen Spielplatz umgewandelt werden. Doch dafür musste die Stadt zunächst den Bebauungsplan ändern - ein langwieriges Unterfangen. Nachdem der Beschluss im April 2018 schließlich vorlag, stellte Stefanie Riessler von der städtischen Tiefbauabteilung einen Monat später im Otzer Ortsrat ihren Entwurf für den Spielplatz vor. Das Herzstück: eine Spielkombination mit Rutsche, Kletterwand und Spielhäuschen.
Als Alternative zu einem Standardmodell präsentierte Riessler den Eltern auch den grünen Mähdrescher, den sie bei ihren Recherchen entdeckt hatte. "Dieser würde von der Anmutung sehr gut das ländliche Umfeld aufnehmen und dem Spielplatz eine individuelle Note verleihen", betonte sie damals. Der Haken: Er überstieg das städtische Budget deutlich. Doch der Mähdrescher hatte es den Eltern angetan und so sammelten sie noch einmal kräftig Spenden und Sponsorengelder. Schon bis zu diesem Zeitpunkt hatten sie rund 2600 Euro eingeworben, letztlich kamen sie auf einen Betrag von 5000 Euro.
"Das ist das Schöne an diesem Projekt: Die Eltern haben nicht nur Forderungen an die Stadt gestellt, sondern sich auch aktiv beteiligt und dafür gesorgt, dass Geld reinkommt", lobte Baxmann. Zusätzlich brachten die Eltern aber auch auch viel Zeit ein, um ihre Wünsche mit Verwaltungsmitarbeitern und Politikern zu diskutieren und die finanziellen Möglichkeiten auszuloten. Ganz besonders engagierten sich dabei Andre Helms, Stefanie Petz und Katrin Jänsch. Und auch als das Projekt nun endlich abgeschlossen war und die Stadt zu einer kleinen Feier einlud, stellten die Eltern wieder ihre Eigeninitiative unter Beweis: Auf einem Campingtisch bauten sie kurzerhand ein Büfett mit Kuchen, Keksen und Brezeln auf und schenkten Sekt und Organgensaft aus, um auf den neuen Spielplatz anzustoßen.