Lyrisch-sarkastische Satire mit der TITANIC-BoyGroup

Das bitterböse Bühnenprogramm der TITANIC-BoyGroup Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Thomas Gsella (v.li.) ließ bei den Zuhörern im Burgdorfer CulturCircus-Zelt manchen Lacher im Halse stecken. (Foto: Georg Bosse)

„Tour des Farce“ mit dem legendären Satiremagazin

BURGDORF (gb). Die meist indizierte Zeitschrift Deutschlands, die legendäre TITANIC, feiert Geburtstag. Mit ihr hat lyrisch-sarkastische Satire in diesem Land seit 30 Jahren eine erstklassige Heimat. Nur die ehemaligen Chefredakteure des oft entlarvenden Spottmagazins, Oliver Maria Schmitt, Martin Sonneborn und Thomas Gsella, wurden nach aufreibenden Kämpfen gegen Staatsanwälte und Schmerzensgeldzahlungen heimatlos. Das brachte das Trio auf die Idee, als TITANIC-BoyGroup auf Jubiläumslesereise zu gehen. Und so kamen sie am vergangenen Dienstagabend auch nach „Dings“ und machten „Bums“.
Witzelnde Übertreibung kann durchaus den Blick schärfen, wie sich schnell unter dem blauen Zeltdach des Burgdorfer CulturCircus` hinter der Alten Landratsvilla (Rathaus II) herausstellte. Man habe fix festgestellt, dass in „Dings“, äh, Burgdorf, keine hektische Raserei gewünscht sei. „Nach der innerstädtischen 20 km/h-Geschwindigkeitsregelung kann ja noch Schritttempo bis zum totalen Stillstand folgen, damit dann dort die Kinder mit Kartoffeln Boule spielen können“, schmetterte Schmitt den gut 100 Zuhörern entgegen.
Das bitterböse Bühnenprogramm wurde mit teils verbotenen TITANIC-Titelbildern, beispielsweise von Helmut „Birne“ Kohl und Kurt „Bestie“ Beck, „Klorollen“-Jesus und „Merkel in der Menopause“ oder Björn „Badewanne“ Engholm sowie mit Filmeinspielungen aus der „Zone“ mit Anarcho-Zyniker Sonneborn, farce-frotzelnd fortgesetzt. Dazu gesellte Gsella gereimte und wenig schmeichelhafte Skizzen deutscher Städte. Burgdorf bekam ebenfalls einen stacheligen Mehrzeiler weg.
Und auch beim Verlesen der schamlos ungebührlichen „Briefe an die Leser“ bewiesen Schmitt, Sonneberg und Gsella, dass sie kein (Satire-)Blatt vor den Mund nahmen. Darüber hinaus schlug die TITANIC-BoyGroup Jörg Kachelmann als neuen Chef des IWF vor. Mit einem schönen Gruß an ihren Ex-Abonnenten Dominique Strauss-Kahn. Das war komplexe Qualitätssatire vom obersten Sonnendeck der TITANIC.