Luxuslärm begeistert die Fans bei der 17. MV-Rocknacht

Eine super Band lieferte den Sound, die Lichtregie die passenden Farben: Janine „Jini“ Meyer sang sich mit ergreifenden Balladen und knallhartem Deutsch-Rock in die Herzen der Rocknacht-Besucher. (Foto: Susanna Veenhuis)
 
Herzergreifend: Im Duett mit der zwölfjährigen Jule Wolters stellte Udo-Lindenberg-Double „Capt'n Chaos“ die Frage: „Wozu sind Kriege da?“ (Foto: Susanna Veenhuis)

1500 Rocknacht-Fans feierten eine energiegeladene Party

LEHRTE (sv). An ihren T-Shirts und den weißen Fähnchen mit dem schwarzen X darauf waren die wahren Fans zu erkennen – einige hatten sogar schon seit 14 Uhr vor dem Einlass gewartet: Mit „Luxuslärm“ hatte der Motorradverein Lehrte (MV) zu seiner 17. Rocknacht wieder einmal eine Original-Band eingeladen. Und damit, wie gut 1500 Besucher bewiesen, einen Volltreffer gelandet. Aber auch die Vorgruppen begeisterten das Publikum von Anfang an. Zwischendurch gab es sogar noch eine Überraschung: Ossy Pfeifer und Dete Kuhlmann einten die Besucher beim Mitsing-Mannschaftslied „Alte Liebe 96“.
Ausgerechnet das Biker-Open air hatte sich Petrus ausgesucht, um es nach zehn knochentrockenen Wochen vormittags kurz und kräftig regnen zu lassen. Doch die besorgten Blicke der Veranstalter gen Himmel erwiesen sich als unbegründet, es blieb warm bei bedecktem Himmel. Das mag für den einen oder anderen Luxuslärm-Fan eine glückliche Fügung gewesen zu sein, denn so mancher harrte schon ab zwei Uhr vor dem Festivalgelände in der Kleingartenkolonie aus. Später zeigte sich doch noch die Abendsonne.
Dass der Platz schon bald nach Einlass gut gefüllt war, kam der ersten Gruppe, „Jimmy Cornett & The Deadmen“, gut zupass. Frontmann Jimmy startete mit virtuosem Gitarrenspiel eine melodiöse Ballade, die alsbald in harten Rock'n'Roll überging. Dabei bewies die Band, dass sie alles andere als tote Männer waren. Das Publikum hielt diesmal nicht, wie sonst beim Opener, erstmal Distanz zur Bühne, sondern zeigte sich von Beginn an interessiert und schließlich fasziniert von der Musik der Hamburger, die fast ausschließlich eigene Stücke spielten.
Vermutlich auf dem Lehrter Bach war die „Andrea Doria“ nach Lehrte geschippert, um am Festivalgelände kurz anzulegen und die Besucher als Passagiere auf eine musikalische Reise durch 40 Jahre Panik-Songs mitzunehmen. Auf den Wellen des „Lindischen Ozeans“ ordentlich durchgeschüttelt wurden sie von der Udo-Lindenberg-Coverband „Lindstärke 10“, am Steuerrad des Panik-Dampfers Sänger „Cäptn Chaos“ alias Klaus Beike. Der machte seine Sache als Udo-Imitat sehr gut, wobei er selber zugab, dass stimmlich noch Raum nach oben ist. Aber die fantastische, achtköpfige Musik-Crew, darunter drei hervorragende Bläser, manövrierten den Kahn sicher durch Altmeister Udos Gefilde. Besonders anrührend: Jule Wolters (12), Tochter des Bassisten Reni Randale“, sang im Duett mit Cäpt'n Chaos: „Wozu sind Kriege da?“
Wohlbehalten wieder an Lehrtes Gestaden gelandet und mit festem Boden unter den Füßen, konnten sich die Besucher ihrem Idol widmen, das sie mit rockigen deutschen Songs endgültig zum Schwitzen brachte – und schon wieder mit ihnen an den Ozean wollte: Willig folgte ihr die Menge in der Fantasie „1000 Kilometer bis zum Meer“, wie der Titel dieses eher nachdenklichen Songs lautete. Aber die kleine, temperamentvolle Janine Meyer, genannt Jini, fegte auch wie wild über die Bühne und mischte die 1500 auf dem Platz noch einmal so richtig auf. Auf den Tag genau einen Monat nach ihrem Geburtstag traf sie mit ihrer Band aus dem westfälischen Iserlohn auf dem Rocknacht-Gelände in der Lehrter Kleingartenkolonie Rosenhain ein – dabei keineswegs „Atemlos“, wie einer ihrer Songs heißt, der nach eigenem Bekunden aber schon viel älter ist als der einer gewissen Frau Fischer – und zweifellos besser. „Liebt sie dich wie ich?“ Thematisch ein bisschen Richtung Melissa Etheridge, aber von der blonden Sängerin ganz eigenständig getextet, ging dieser Song über ein altes Thema gleichermaßen den Fans zu Herzen und in die Beine. Mit ihrer Band verpasste die kleine Blonde der 17. Rocknacht einen krönenden Abschluss.