"Lustig, derb, sozialkritisch"

Bastian (Julian Schmidtmann) gerät in die Defensive, als seiner Freundin und Beinahe-Verlobten Helen (Rhonda Neumann) ein sehr gut bezahlter Job angeboten wird - und fühlt sich auch in der Beziehung plötzlich überrumpelt.
 
Helens Mutter Konstanze Engelbrecht (Angela Düchting) hat das Gefühl, versagt zu haben, weil ihre Tochter den klassischen weiblichen Tugenden und Rollenbildern so gar nicht entspricht.

Das VVV-Theater führt die Komödie "Der dressierte Mann" auf, in der Geschlechterrollen auf den Kopf gestellt werden / Premiere ist am 29. März

BURGDORF (fh). Jacqueline Polomski hat sich die Auswahl des neuen Stücks für das VVV-Theater nicht leicht gemacht. Die 24-Jährige ist seit sieben Jahren in der Laienspielgruppe aktiv und wollte diesmal unbedingt zum ersten Mal selbst Regie führen. Deshalb sei es ihr wichtig gewesen, ein Stück zu finden, mit dem sie sich identifizieren könne. "Ich habe mehr als 50 Skripte gelesen, aber keines hat mir so richtig zugesagt", erinnert sich Polomski.
Doch dann sei sie auf die Komödie "Der dressierte Mann" von John von Düffel gestoßen und ihr sei sofort klar gewesen, dass sie nach genau so etwas gesucht habe. "Es ist lustig, super geradeaus und auch mal derb, wie es sich für eine Boulevard-Komödie gehört, aber gleichzeitig schwingt immer auch ein sozialkritischer Gedanke mit", erzählt die 24-Jährige, die bei ihrem Regiedebüt Unterstützung von Co-Regisseurin Birgit Hübert bekommt, die selbst schon mehrfach Produktionen beim VVV-Theater geleitet hat. In "Der dressierte Mann" würden mit viel Witz Geschlechterrollen und Erwartungen an Männer und Frauen verhandelt und auf den Kopf gestellt.
Die Premiere des Stücks beginnt am Freitag, 29. März, um 10 Uhr im Theatersaal des JohnnyB., Sorgenser Straße 30. Weitere Aufführungen finden dort am Samstag, 30. März, Freitag, 5. April, und Samstag, 6. April, ebenfalls jeweils ab 20 Uhr, statt. Außerdem gibt es eine Nachmittagsaufführung am Sonntag, 31. März, ab 15 Uhr. Die Karten gibt es im Vorverkauf für 10 Euro (Kinder und Jugendliche: 8 Euro) bei Bleich Drucken und Stempeln, Braunschweiger Straße 2. An der Abendkasse wird jeweils ein Aufschlag von 2 Euro berechnet.
Zur Handlung: Ausgerechnet als Bastian (Julian Schmidtmann) seine Freundin Helen (Rhonda Neumann) mit einem Fünf-Sterne-Candlelight-Dinner und Verlobungsring daheim erwartet, verspätet sie sich: Der Chef hat ihr den Job als Chief Executive Officer angeboten, auf den Bastian selbst insgeheim spekuliert hatte. Beziehungskrise statt Romantik, denn welcher Mann erträgt es schon, wenn die Partnerin ihn auf der Karriereleiter überholt? Während Helen darum ringt, ihre eigenen Ambitionen, Bastians gekränkten Stolz und vielleicht sogar noch einen künftigen Kinderwunsch miteinander zu versöhnen, treten ungebeten Bastis Mutter Dr. Schröder-Röder (Jenny Polomski) und Helens Mutter Konstanze Engelbrecht (Angela Düchting) auf - die eine radikal-emanzipiert, die andere völlig in den Klischees der unselbständigen, gut situierten Zahnarztgattin verhaftet. Doch die beide Mütter überwinden alle Klüfte und entwickeln gemeinsam mit Helen  gnadenlos pragmatisch die weibliche Strategie fürs 21. Jahrhundert.
Für Jacqueline Polomski machen bei ihrem Regiedebüt auch die gegensätzlichen und zugleich vielschichtigen Charaktere den Reiz des Stücks aus. Bevor sie vor sieben Jahren zum VVV-Theater gekommen ist, hat sie Improvisationstheater gespielt. "Am 'echten' Theater fasziniert mich, dass man eine Rolle vorgegeben bekommt, mit der man sich intensiv auseinandersetzen kann. Man versucht herauszufinden, was den jeweiligen Charakter ausmacht, um sich in ihn hineinzuversetzen", schildert sie. Das sei beim Improvisationstheater ohne klare Rollenvorgaben viel schwieriger; dort bleibe man eher in den eigenen Vorstellungen und Handlungsmustern verhaftet. "Theaterstücke bieten die Möglichkeit, als Schauspieler auf der Bühne jemand ganz anderes zu sein", so die 24-Jährige, die ihr Engagement beim VVV-Theater als "Vollblut-Hobby" bezeichnet. Weitere Infos zu der Laienspielgruppe gibt es auch auf der Internetseite www.vvvtheater-burgdorf.de.