Linie 910 fährt seltener

Ärgern sich über den neuen Fahrplan der Linie 910 (von rechts): Katharina und Ingo Heim mit Sohn Maximilian.

Bisher sind Ingo und Katharina Heim mit öffentlichen Verkehrsmitteln zur Arbeit nach Hannover gefahren – doch jetzt verkehrt ihr Bus morgens nur noch stündlich

WEFERLINGSEN (fh). Wie jeden Morgen ist Ingo Heim am 16. Dezember in aller Frühe aufgestanden und hat gegen 5.30 Uhr an der Haltestelle Weferlingsen/Rieheweg auf seinen Bus gewartet. Aber die Linie 910 kam nicht. „Ausfälle bei der S-Bahn hat es in letzter Zeit ja genug gegeben. Ich dachte, dass es nun auch noch beim Bus hakt“, sagt er. Doch der tatsächliche Grund war sogar noch niederschmetternder für ihn: Mit dem Fahrplanwechsel am Vortag hatte Regiobus seine Verbindung generell gestrichen, wie er im Internet herausfand. Und nicht nur das: Auch die Fahrt eine Stunde später, die seine Frau Katharina immer genommen hat, fällt weg.
Beide arbeiten in Hannover, wo die Familie bis vor sechs Jahren auch noch gewohnt hat. Dann wurde der Wunsch nach einem Eigenheim wach. „Wir haben uns bewusst für ein ländliches Umfeld entschieden, aber die Anbindung mit Öffis war dabei ein ganz wichtiges Kriterium für uns“, betont Katharina Heim und fügt hinzu: „Wir wollten nicht auf das Auto angewiesen sein.“ Die Wahl sei auch deshalb auf das Haus an der Obershagener Straße in Weferlingsen gefallen, weil die Haltestelle nur ein paar Schritte entfernt ist und der Bus zumindest im Berufsverkehr morgens und nachmittags halbstündlich fuhr.
Damit ist es nun vorbei: Um die Kosten zu senken, hat die Region Hannover montags bis freitags über den Tag verteilt sechs Fahrten der Linie 910 gestrichen, sodass sie bis auf zwei Ausnahmen nur noch stündlich fährt. Das geht auf eine politische Entscheidung der Regionsversammlung aus dem Jahr 2017 zurück. Damals war das ganze Busnetz begutachtet, um Regiobus effektiver zu machen und die Kosten zu senken. Verbindungen, die wenig genutzt wurden oder zu teuer waren, sollten gestrichen, andere wiederum verstärkt werden. "Dabei wurde festgestellt, dass die Linie 910 im Schnitt nur von 7,6 Fahrgästen genutzt wurde", sagt Regionssprecherin Christina Kreutz.
Katharina und Ingo Heim haben das nach eigenem Bekunden anders erlebt. „In meinem Bus saßen morgens eigentlich immer zehn bis 15 Personen“, sagt Ingo Heim. Der Gelenk-Bus eine Stunde später sei sogar noch voller gewesen. „Wir mussten zwar nicht stehen, aber es waren eigentlich immer alle Sitzplätze belegt“, schildert Katharina Heim. Gerade diese Verbindung sei auch von vielen Jugendlichen und jungen Erwachsenen genutzt worden, die eine Berufsschule in Hannover besuchen.
„Alle reden davon, den öffentlichen Nahverkehr zu stärken, um Umwelt und Klima zu schützen, aber so erreicht man genau das Gegenteil“, moniert die Weferlingserin. Sie uns ihr Mann haben Bus und Bahn bisher sowohl aus ökologischen als auch aus finanziellen Gründen vorgezogen. „Unterm Strich waren unsere Monatskarten günstiger als Sprit und Instandhaltungskosten für zwei Autos“, begründet Ingo Heim. Dafür nahm er auch in Kauf, täglich etwa ein Stunde länger unterwegs zu sein.
Seit dem Fahrplanwechsel steigt die Familie jetzt sehr viel häufiger ins Auto. „Unter der Woche haben wir es bisher oft gar nicht bewegt, nun benutzen wir es zweimal am Tag“, sagt Katharina Heim. Sie steht jetzt früher auf, um ihren Mann mit dem Auto zum Bahnhof in Otze zu bringen. Eine Stunde später fährt sie dann selbst zum S-Bahnhof oder der Einfachheit halber gleich bis nach Hannover.
Andernfalls müsste ihr Mann noch eine halbe Stunde früher bereits um 5.06 Uhr in den Bus steigen. Für den Rückweg sieht es etwas besser aus – aber nur solange alles glatt geht. „Sobald die S-Bahn fünf Minuten Verspätung hat, müsste ich eine ganze Stunde auf den nächsten Bus warten“, schildert Ingo Heim. Ab dem neuen Schuljahr im Herbst könnte auch ihr Sohn Maximilian davon betroffen sein, der dann eventuell eine Berufsschule in Hannover besuchen wird.
Bei der Planung sei wichtig gewesen, dass die direkte Verbindung zwischen Burgdorf und Hänigsen erhalten bleibe, heißt es von Seiten der Region. Seit gestern wird deshalb die Linie 920 von Burgdorf nach Hänigsen mit einer zusätzlichen Fahrt nachmittags verstärkt. Doch für die Familie Heim ist das kein Trost. Denn die Linie 920 verläuft zwar weitgehend parallel zur Linie 910 - hat aber keinen Halt in Weferlingsen.