Lernen in der Fahrzeughalle

Kinderfeuerwehrwart Tobias Heck (von links) und Betreuer Jan Kruse erläutern den Kindern die wichtigsten Ausrüstungsgegenstände.
 
Charlotte (von links=beschreibt über Funk die Bildvorlage. Nathanel, Emil und Leon hören zu und warten auf ihren Einsatz.

Neben Spiel und Spaß erhalten die Jungen und Mädchen in der Kinderfeuerwehr auch erste Einblicke in die Arbeit der Brandschützer / Weitere Betreuer gesucht

BURGDORF (fh). Was braucht ein Feuerwehrmann oder eine Feuerwehrfrau alles, um eine brennende Wohnung zu löschen? Die Kinder im Alter von sechs bis zehn Jahren haben sich in der Fahrzeughalle der Burgdorfer Feuerwache Vor dem Celler Tor versammelt und bilden einen Halbkreis um ihre beiden Betreuer Tobias Heck und Jan Kruse. Einen Moment lang ist es still - dann beginnen die Jungen und Mädchen aufzuzählen, was ihnen einfällt: einen Schlauch mit Strahlrohr, feuerfeste Jacke und Hose, einen Helm, Handschuhe, ... Langsam wird es schon etwas schwieriger. "So eine Mütze, die die Ohren bedeckt und die Haare und den Nacken", sagt Levin und zeigt mit den Fingern, was er meint. "Richtig, eine Flammschutzhaube", liefert Heck den passenden Fachbegriff und Kruse hält das genannte Ausrüstungsteil hoch.
Genau 40 Mitglieder hat die Burgdorfer Kinderfeuerwehr im Moment - mehr kann sie nicht aufnehmen. "Die Nachfrage ist so groß, dass wir eine Obergrenze festlegen mussten", erläutert Tobias Heck, der nicht nur Betreuer, sondern auch Kinderfeuerwehrwart ist. Und obwohl jetzt gleich vier Zehnjährige in die Jugendfeuerwehr wechseln, sind die Plätze schon wieder alle belegt. "Es standen bereits sechs Kinder auf der Warteliste, eigentlich bekommen wir fast jede Woche Anfragen", so Heck. Während er sich um die Mitgliederwerbung also keine Gedanken machen muss, gebe es durchaus Bedarf an weiteren Betreuern. Denn von den acht, die eigentlich zur Verfügung stehen, fallen einige im Moment aufgrund von Studium oder Elternzeit aus.
Dabei gibt es eine Besonderheit: Auch wer selbst nicht Mitglied in der Feuerwehr ist, kann bei den Sechs- bis Zehnjährigen als Betreuer unterstützen.Wichtiger als Fachwissen sei die Freude am Umgang mit Kindern. Denn die wöchentlichen Übungsdienste sind vielfältig: Es wird gespielt, gebastelt, gemeinsam gekocht oder eine Schnitzeljagd unternommen.
Aber auch erste Einblicke in die Arbeit der Feuerwehr bekommen die Jungen und Mädchen. Sie üben beispielsweise, einen Notruf abzusetzen, trainieren das Löschen mit dem Schlauch und lernen die unterschiedlichen Fahrzeuge kennen. Diesmal machen sich die Kinder nicht nur unten in der Halle mit der Ausrüstung vertraut machen, sondern üben außerdem oben im Feuerwehrhaus den Umgang mit den Funkgeräten.
Dafür verteilen sich die Kinder auf zwei Räume: Die eine Gruppe soll der anderen über Funk ein Bild beschreiben, das diese dann nachmalen muss. Doch bevor sie damit anfangen können, müssen sie sich erst einmal einigen, welche von den zwei Bildvorlagen sie dafür verwenden wollen. Romy-Chiara, die zu den ältesten in der Gruppe gehört, übernimmt schnell die Regie. "Das hier ist besser. Das ist viel leichter zu beschreiben", argumentiert sie und fragt in die Runde: "Wer ist dafür?" Nur ein Mädchen ist noch nicht ganz überzeugt, alle anderen melden sich.
Danach wird das Funkgerät herumgereicht und jedes Kind darf ein Detail des Bildes beschreiben. Schnell merken sie, dass das gar nicht so einfach ist. Denn je unsicherer und leiser sie sprechen, desto schwieriger ist es für die anderen, etwas zu verstehen. Doch Tobias Heck beruhigt sie. "Das passiert uns auch im Einsatz ab und zu. Wenn jemand aufgeregt ist, spricht er zu schnell oder nuschelt. Dann muss man noch mal nachfragen", sagt er. Und nach einigen Versuchen klappt es dann auch schon ganz gut - am Ende kommen die nachgemalten Bilder der Vorlage jedenfalls verblüffend nahe.
Auch Jana, Romy-Chiara und Noah macht das Programm an diesem Tag besonders viel Spaß. Für die drei ist es der letzte Übungsdienst bei der Kinderfeuerwehr. Zum Schluss verabschieden sie sich in einer kleinen Zeremonie von den Betreuern und ihrer Gruppe - dann nehmen sie Anlauf und springen beherzt über einen Schlauch zu Jugendfeuerwehrwart Frederic Neef, der auf der anderen Seite wartet. Damit sind sie jetzt offiziell Mitglieder der Jugendfeuerwehr. Und was wird sie dort erwarten? "Wir treffen uns künftig nicht mehr nachmittags, sondern abends und bekommen spezielle Einsatzkleidung", sagt Jana. Und Noah ergänzt: "Außerdem wird es schwieriger. Wir müssen alle möglichen Geräte auswendig lernen und uns zum Beispiel auch die Schlauchdicke merken."