Lehrerin aus Leidenschaft

Die stellvertretende Elternvertreterin Sonja Heyna überreicht Margret Bruns ein Buch mit Erinnerungen an ihre 16 Jahre an der Waldschule in Ehlershausen.
 
Mit einem Flashmob verabschieden die Gäste Margret Bruns in den Ruhestand.

Nach 41 Dienstjahren, davon 16 an der Waldschule Ehlershausen, geht Margret Bruns in den Ruhestand

Ehlershausen (fh). Da hatten Lehrerkolleginnen und Elternvertreter einiges zu tun: Mehr als 160 Stühle haben sie am Dienstagmittag auf den Sportplatz der Waldschule in Ehlershausen getragen und wegen der Corona-Epidemie mit ausreichend Abstand auf der Fläche verteilt. Eine beachtliche Zahl für die kleine Grundschule mit gerade einmal acht Lehrkräften und weniger als 100 Schülern. Kurz vor den Sommerferien stand dort aber nicht etwa ein großes Sportfest auf dem Programm, sondern die Verabschiedung der langjährigen Lehrerin Margret Bruns, die nach insgesamt 41 Dienstjahren in den Ruhestand geht.
Zusätzlich zu ihren jetzigen Kolleginnen, Schülern und deren Eltern waren auch viele Wegbegleiter aus den zurückliegenden Jahrzehnten gekommen. „Es waren so viele wie noch nie bei einer Verabschiedung“, zeigte sich die stellvertretende Elternratsvorsitzende Sonja Heyna beeindruckt und hatte dafür auch eine Erklärung: „Margret Bruns war mit Leib und Seele Lehrerin, auch nach Schulschluss.“ Auf jedes Kind sei sie individuell eingegangenen. Die neunjährige Finja aus der vierten Klasse drückte das in ihrer kleinen Rede so aus: „Die Zeit mit dir war der Hammer. Wir würden uns wünschen, dass du immer bei uns bleiben könntest, in der 5., 6., 7., 8. Klasse und so weiter.“

Von der Orientierungsstufe zur Grundschule

Ganz ähnlich hat Bruns selbst das wohl vor mehr als 50 Jahren am Ende ihrer eigenen Grundschulzeit empfunden. „Ich hatte dort eine ganz tolle Lehrerin und es hat viel Spaß gemacht“, blickt die 64-Jährige zurück. Ihre Jahre am Gymnasium bis zum Abitur seien dann eher durchwachsen gewesen. Diese Erfahrung habe ihr gezeigt, welchen Unterschied ein Lehrer machen könne – und letztlich auch ihren Berufswunsch reifen lassen.
Sie studierte Deutsch und katholische Religion auf Lehramt und bekam 1979 einen Referendariatsplatz an der neu gegründeten Orientierungsstufe in Burgdorf. Dort gefiel es ihr so gut, dass sie für die nächsten 25 Jahre blieb. Doch 2004 wurden die Orientierungsstufen in Niedersachsen abgeschafft, sodass sie sich einen neuen Arbeitsplatz suchen musste. Sie entschied sich für die Waldschule in Ehlershausen, obwohl sie großen Respekt vor dieser neuen Aufgabe hatte: Bis dahin hatte sie Fünft- und Sechstklässler unterrichtet, nun übernahm sie eine erste Klasse. „Die Verantwortung erschien mir unendlich groß“, sagt Bruns. Schließlich sei es etwas ganz Besonderes, Kindern das Lesen und Schreiben beizubringen.

22-Jähriger erinnert sich an seine Grundschulzeit

Ihren eigenen Bedenken zum Trotz hat Bruns wohl auch schon ihrer allerersten Grundschulklasse eine ganze Menge mit auf den Weg gegeben. Das zumindest empfindet der heute 22-Jährige Michel Meinig so. Im Dialog mit seiner Mutter Birgit, damals Elternvertreterin und heute Ortsbürgermeisterin von Ramlingen-Ehlershausen, ließ er seine Grundschulzeit Revue passieren.
Er erinnere sich zum Beispiel noch gut an die sogenannten Expertenrunden, bei denen jeder Schüler ein Thema vorstellte. „Ich weiß nicht, wie du es geschafft hast, dass man bei jedem Vortrag das Gefühl hatte, dass er einzigartig und großartig war“, wandte er sich an seine einstige Lehrerin.
Weitere Höhepunkten seien die Vorlesenächte gewesen, die bei den Kindern wohl auch deshalb so gut ankamen, weil sie tatsächlich aus ihren Lieblingsbüchern vorlesen durften – selbst wenn es die mit technischen Details gespickten Halbsätze aus dem Sachbuch „1000 Lokomotiven“ waren, wovon das Publikum bei der Abschiedsfeier dann auch eine kleine Kostprobe bekam.

„Künftig auch mal ins Blaue leben“

Viel Lob für Bruns gab es auch von ihrer ehemaligen Schulleiterin Angelika Baum, die für die Abschiedsfeier noch einmal an ihre alte Schule gekommen ist. Sie ist selbst vor zwei Jahren in den Ruhestand gegangen und hatte aus eigener Erfahrung gleich noch ein paar Tipps für ihre frühere Kollegin parat: „Nutze deine neuen Freiheiten, wirf Termine auch mal über den Haufen, schwelge in Utopien und lebe ins Blaue hinein“, empfahl sie ihr mit einem Augenzwinkern.
Zumindest ein kleines bisschen davon wird Margret ­Bruns wohl tatsächlich beherzigen. „Ich habe 41 Jahre lang in Vollzeit gearbeitet. Allen die mich danach gefragt haben, habe ich gesagt: Jetzt mache ich erst einmal nichts“, erzählt sie mit einem Schmunzeln. Ganz stimmt das natürlich nicht: In den Sommerferien werde sie so wie jedes Jahr ihren Schreibtisch und ihr Arbeitszimmer zu Hause aufräumen. Und auch Sport stehe weiterhin auf dem Programm.
Wenn es die Entwicklung der Corona-Epidemie zulasse, wolle sie mit ihrem Mann außerdem verreisen – zum ersten Mal seit Jahrzehnten nicht in, sondern nach den Sommerferien. „Vielleicht geht es nach Südtirol“, verrät sie. Für die Zukunft könne sich auch gut vorstellen, ein Ehrenamt zu übernehmen. „Aber da will ich mich jetzt bewusst noch nicht festlegen“, sagt sie bestimmt.