Laptop-Aktion hat Vorbildcharakter

Die Leiterin des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses Ursula Wieker und der Vorsitzende des Trägervereins Dagobert Strecker freuen sich über den Newsletter des Bundesfamilienministeriums, in dem die Laptop-Aktion des BMGH vorgestellt wird.

Das Bundesfamilienministerium stellt das Projekt des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses in einem Newsletter vor

Burgdorf (fh). Das Laptop-Projekt des Burgdorfer Mehrgenerationenhauses (BMGH) bekommt weit über die Grenzen Burgdorfs hinaus Aufmerksamkeit. Denn das Bundesfamilienministerium stellt es in einem Newsletter des Bundesprogramms Mehrgenerationenhaus vor. Dieses digitale Rundschreiben erscheint zwei mal im Jahr und die aktuelle Ausgabe steht unter der Überschrift „Digitale Unterstützung für Familien in der Krise – Eine Entdeckungsreise“.
Es enthält ein Vorwort von Bundesfamilienminister-
in Christine Lambrecht, ein Interview mit dem Diplom-Psychologen Hermann Scheuerer-Englisch und mustergültige Beispiele aus der Praxis. Dafür hat das Familienministerium unter den bundesweit mehr als 600 Mehrgenerationenhäusern drei ausgewählt, die sich besonders hervorgetan und den Familien während der Pandemie schnell und unkompliziert geholfen haben: eines aus Bernsdorf in Sachsen, eines aus der bayrischen Landeshauptstadt München und das Burgdorfer Mehrgenerationenhaus.
Die Laptop-Aktion wird in einem Interview mit BMGH-­Leiterin Ursula Wieker und dem ehemaligen Schulleiter des Burg­dorfer Gymnasiums Michael Loske vorgestellt. Sie ziehen eine positive Bilanz: „Aktuell verfügen in Burgdorf jetzt alle Schüler ab der fünften Klasse über ein Gerät, um am digitalen Unterricht teilzunehmen“, fasst Wieker zusammen. Als die Schulen im Frühjahr 2020 in den ersten Lockdown gingen und es keinen Präsenzunterricht mehr gab, seien viele Familien aufgeschmissen gewesen. „Ohne PC oder Laptop konnten die Schüler ihre Hausaufgaben nicht adä­quat machen und waren von den Informationen der Schule abgeschnitten“, schildert Wieker.
Deshalb haben sie und ihr Team nicht lange gezögert, sondern sofort gehandelt. „Schon im April 2020 haben wir die ersten Schüler mit Laptops versorgt“, sagt Wieker. Diese schnelle Reaktion auf die Krise habe auch das Bundesfamilienministerium gewürdigt. Außerdem habe es positiv hervorgehoben, dass sich die Hilfe an alle bedürftigen Kinder und Jugendlichen in der Stadt richtete. Zunächst seien zwar diejenigen ausgestattet worden, die sonst regelmäßig die Computer im Mehrgenerationenhaus genutzt hätten. „Aber schnell war klar, dass auch darüber hinaus längst nicht alle Schüler die technischen Voraussetzungen für das Home Schooling hatten“, so die BMGH-Leiterin.
Des halb nahm sie Kontakt zum Gymnasium und zur Rudolf-Bembenneck-Gesamtschule (RBG) auf. Die Schulen fragten ab, welche Familien Bedarf hatten und vermittelten dann den Konakt zum Mehrgenerationenhaus. So wurden nach und nach 200 Laptops verteilt. Und die Aktion werde fortgeführt. „Wir statten nach den Sommerferien auch die Jugendlichen aus, die dann von der Grundschule in die fünfte Klasse wechseln“, sagt Wieker. Das gleiche gelte für Kinder aus Flüchtlingsfamilien, die neu nach Burgdorf kommen.
Über die technische Ausstattung hinaus hat das Mehrgenerationenhaus auch bei der Nutzung der Geräte geholfen. „Wir haben den Schülern einige Standardprogramme vorgestellt, ebenso das Lernportal iServ, das die Burgdorfer Schulen nutzen“, erläutert die Leiterin. Diese Kenntnisse würden in den Familien nun auch an die jüngeren Geschwister weitergegeben. „Das Schneeballsystem funktioniert hervorragend“, betont sie.
Einige wenige Laptops wurden für das Projekt gespendet, die meisten bezog das BMGH aber von einen gemeinnützigen Verein, der von Großkonzernen gebrauchte Geräte gespendet bekommt, sie aufbereitet und dann zu verhältnismäßig günstigen Preisen weiterverkauft. „So haben wir Laptops, die sonst um die 700 Euro gekostet hätten für unter 200 Euro erhalten“, sagt Wieker. Die Kosten von insgesamt mehr als 30.000 Euro habe das BMGH fast komplett aus eigener Tasche finanziert. „Wir haben nur einen Zuschuss in Höhe von 2000 Euro vom Bund bekommen“, sagt Wieker.
Weitere Unterstützung habe es nicht gegeben, auch die Stadt Burgdorf habe sich nicht an den Kosten beteiligt. Doch nicht nur finanzielle Unterstützung, sondern auch Wertschätzung für die geleistete Arbeit habe sie vonseiten der Stadt und der Kommunalpolitik vermisst, bedauert Wieker. Und auch der ehemalige Schulleiter Michael Loske urteilt in dem Interview im Newsletter des Bundesfamilienministeriums: „Eine der größten Herausforderungen war deswegen, die Stadt als Schulträger mitzunehmen. Bis heute ist uns das nicht richtig gelungen. Es bleibt zu hoffen, dass Schule und Bildung in Zukunft mit all den sozialpolitischen und gesellschaftlichen Aufgaben wahrgenommen und unterstützt werden.“
Der komplette Newsletter ist unter www.mehrgenerationen-
haeuser.de/newsletter/digitale-unterstuetzung-fuer-familien-
in-der-krise-eine-entdeckungsreise abrufbar. Der Beitrag über das Burgdorfer Mehrgenerationenhaus findet sich unter der Überschrift „Zusammen stark: Laptops für alle“.