Kurze Wege in Krisensituationen

Werden die Frauen in Burgdorf künftig beraten: Johanna Pfizenmaier (links) und Brigitte Mende. (Foto: AWO)

Die AWO-Frauenberatung ist ab sofort vor Ort in Burgdorf zu erreichen

BURGDORF (r/fh). Um die Frauenberatungstelle der Arbeiterwohlfahrt (AWO) aufzusuchen, mussten Burgdorferinnen bisher nach Lehrte fahren. Ab sofort haben sie es nun deutlich leichter und erhalten auch vor Ort Unterstützung. Denn die Einrichtung hat jetzt eine Zweigstelle im Senioren- und Pflegestützpunkt, Hannoversche Neustadt 53. Die Beraterinnen Brigitte Mende und Johanna Pfizenmaier sind dort jeden ersten, zweiten und dritten Dienstag und Donnerstag im Monat von 10 bis 15 Uhr erreichbar. Termine können weiterhin - auch außerhalb dieser Zeiten - unter der zentralen Telefonnummer (05132) 823434 vereinbart werden.
Das Angebot richtet sich an Frauen, die sich in einer Krisensituation befinden, von häuslicher Gewalt betroffen sind oder anderweitige Unterstützung benötigen. Gerade für sie sei es wichtig, dass der Kontakt zu der Beratungsstelle möglichst unkompliziert und zuverlässig ist. „Die Betroffenen nehmen oft ihren ganzen Mut zusammen, wenn sie sich Hilfe suchen. Erreichen sie beim ersten Mal niemanden, haben sie oft keine Kraft für einen zweiten Anlauf“, sagt Mende.
Allein schon die Fahrt nach Lehrte sei bisher für einige eine Hemmschwelle gewesen - aus finanziellen oder zeitlichen Gründen oder einfach weil der Schritt dadurch ein größeres Gewicht bekam. "Wir sind deshalb froh, dass wir jetzt kurze Wege ermöglichen können“, betont Diana Jäger, stellvertretende Fachbereichsleiterin Frauen der AWO Region Hannover. Ihr zufolge erfahre mehr als jede vierte Frau im Laufe ihres Lebens Gewalt in einer Beziehung - die Dunkelziffer sei noch deutlich höher. "Trotzdem ist das immer noch mit großer Scham verbunden. Die Betroffenen geben sich eine Mitschuld an den Taten, obwohl allein die Täter dafür verantwortlich sind“, so Jäger.
In dieser Hinsicht hat die neue Zweistelle an der Hannoverschen Neustadt aus Sicht der Burgdorfer Gleichstellungsbeauftragten Petra Pape noch einen weiteren Vorteil - insbesondere für Frauen, die Scham empfinden oder sogar Angst haben, die Beratungsstelle aufzusuchen. "Weil in dem Haus an der Hannoverschen Neustadt auch noch andere Einrichtungen untergebracht sind, ist nicht gleich ersichtlich, wer zur Frauenberatung geht. Das Aufsuchen wird dadurch anonymer", sagt sie.
Die AWO-Frauenberatungsstelle konnte ihr Angebot jetzt erweitern, weil die Region Hannover und die Kommunen Lehrte, Sehnde, Burgdorf und Uetze ihre finanzielle Förderung deutlich verbessert haben. So hat der Burgdorfer Rat beispielsweise im vergangenen Juni beschlossen, die jährliche Förderung von bisher rund 5.000 Euro auf jetzt annähernd 25.000 Euro aufzustocken. Ein Teil des Geldes wird für zusätzliche Beratungszeiten in den jeweiligen Kommunen verwendet, ein anderer soll in Öffentlichkeitsarbeit und Präventionsmaßnahmen fließen.